Gesundheit Wie sinnvoll sind Krebsversicherungen?

Die Diagnose Krebs ist nicht nur ein Schock für Patienten und Angehörige, sie ist auch eine enorme finanzielle Belastung. Aber helfen hier Krebsversicherungen, wie sie seit kurzem angeboten werden?

von Sven Kochale, MDR WISSEN

Illustration - Ortseingangschild mit der Aufschrift "Heilung - Krebs"
Krebsversicherung versprechen keine Heilung, aber Behandlungsleistungen, die über das Angebot der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen. Bildrechte: imago/Panthermedia

Simone Pareigis bekommt 2003 die Diagnose Lymphknoten-Krebs. Für die Buchhalterin bricht eine Welt zusammen. "Ich habe dann erst einmal meinen Mann und meine Mama verständigt. Aber inwieweit das fortgeschritten war, habe ich dann lieber für mich behalten."

26 Lymphome in der Größe von Kartoffeln

Die Ärzte geben ihr eine nur zehnprozentige Überlebenschance. Dabei lebt Simone Pareigis gesund, bewegt sich viel, raucht nicht, trinkt kaum Alkohol. Gegen den Krebs schützt sie das nicht. "Nach ein paar Tagen wusste man noch nicht genau, inwieweit er gestreut hat. Aber nach weiteren Untersuchungen wurde dann festgestellt, dass ich 26 entartete Lymphome hatte. Die waren teilweise so groß wie eine Kartoffel. Deswegen habe ich meine Lymphome auch ganz liebevoll Kartoffel genannt."

Die 54-Jährige nimmt den Kampf an. Und gibt auch ihrer heimtückischen Krankheit einen Namen: Sie heißt ab sofort "Fritz". Das hilft Simone Pareigis, besser mit der Situation zurechtzukommen.

Wie sinnvoll ist eine Krebsversicherung?

In Deutschland erhalten jedes Jahr tausende Patienten die Diagnose Krebs. Und sie alle müssen sich früher oder später mit den finanziellen Folgen auseinandersetzen. Eine spezielle Versicherung könnte da helfen. Allerdings spielt das Thema in den Beratungsstellen praktisch kaum eine Rolle, erklärt der Geschäftsführer der Krebsgesellschaft Sachsen-Anhalt, Sven Weise.

Wir kennen keinen Betroffenen, der bisher eine Krebsversicherung hatte und daraus profitieren konnte. Die meisten Betroffenen sind gesetzlich oder privat krankenversichert und damit gut abgesichert. Im Einzelfall tauchen Schwierigkeiten auf. Wenn etwa die Krankengeld-Zahlungen nicht lückenlos funktionieren oder die Übergangsgelder von den Sozialversicherungsträgern nicht funktionieren. Aber da würde auch eine Krebsversicherung nicht helfen.

Sven Weise, Krebsgesellschaft Sachsen-Anhalt

Leistungen der Krankenkasse ausreichend für Krebstherapie

Der erste Weg führt Betroffene und deren Angehörige meist zur Krankenkasse. Zum Beispiel zur AOK Sachsen-Anhalt. Für die ärztliche Versorgung der Versicherten ist hier Kay Nitschke zuständig. Er spricht von hochprofessionellen Strukturen in den Kliniken und von etablierten Behandlungen. Die Leistungen der Kassen seien darauf ausgerichtet.

"Die Unterstützung kann bis zu 78 Wochen geleistet werden, das sind anderthalb Jahre. Daneben gibt es Lohnfortzahlungsanspruch, den man für sechs Wochen hat", sagt er. "Nach unserer Erfahrung sind das Zeiträume, die absolut ausreichend sind, um eine Krebstherapie durchleben zu können, so dass hier dem Patienten keine finanziellen Nachteile entstehen."

Zusätzliche Leistungen im Fall einer Krebserkrankung

Auf einem Tisch liegt ein Stethoskop, ein Blatt mit der Überschrift 'Cancer Insurance' und ein Kugelschreiber.
Krebsversicherung sind noch ein Nischen-Produkt. Bildrechte: Colourbox.de

Dennoch sehen die Versicherer hier Potential. Die Gesellschaft HanseMerkur zum Beispiel hat ein Angebot mit dem Namen "Krebs-Schutz" im Programm und wirbt mit einem sogenannten Diagnosegeld. Sollte der Arzt Krebs feststellen, werde ein Sofortbetrag in Höhe von 10.000 Euro gezahlt. Zudem lockt die Versicherung mit modernsten Behandlungsmethoden, neuen Medikamenten und einer Betreuung auf Privatpatientenniveau, zum Beispiel Einbettzimmer. Auch Vorsorgenuntersuchungen, die die gesetzliche Kasse nicht oder erst später bezahlen würde, gehören zum Paket.

Auf Anfrage teilt die Versicherung mit: "Viele Menschen haben Angst vor Krebserkrankungen. Das belegen repräsentative Befragungen immer wieder. Wir zeigen Möglichkeiten auf, wie Menschen eine kritische Situation in ihrem Leben leichter meistern können."

Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoller

Je nach Leistungskatalog sei eine zusätzliche Absicherung bereits ab 4,90 Euro im Monat zu bekommen. Dennoch sind Krebsversicherungen bislang ein Nischenprodukt. HanseMerkur spricht von rund zehn Anbietern, die sich in diesem Marktsegment betätigen würden.

Die Rechts-Expertin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, Simone Meisel, wundert das nicht. Sie rät, sich bei beim Krankheits-Risiko möglichst breit aufzustellen und empfiehlt die Berufsunfähigkeitsversicherung. "Die BU wäre das richtige, um sich im Falle der Erkrankung abzusichern. Es gibt verschiedene Erkrankungen, man sollte sich nicht ausschließlich auf Krebs festlegen", sagt sie.

Simone Meisel berichtet aus Halle an der Saale.
Simone Meisel Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn man zusätzlich etwas tun will und das für seine Nerven braucht, dann sollte man das tun. Ob man das Geld hat, ist natürlich immer die Frage. Das ist keine Leistung, die man umsonst bekommt. Und auch hier ist die Marschrichtung: Je eher man das abschließt, umso besser.

Simone Meisel, Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt

Nach Krebsdiagnose schnell um die finanzielle Absicherung kümmern

Denn mit zunehmendem Alter steigen die Prämienzahlungen, weil die Risiken für die Versicherungen größer werden. Krebs-Patientin Simone Pareigis hat sich schon bald nach der Diagnose bei Krankenkasse und Rentenversicherung um ihre finanzielle Absicherung gekümmert und entsprechende Anträge gestellt. Die nötigen Nachweise und Arztberichte hat sie gleich beigefügt und sich damit viel Ärger erspart.

"Ich bin so artig und habe 105 Seiten Anlagen drangemacht. Somit war der Rententräger nicht verpflichtet, noch einmal bei Ärzten anzurufen, um bestimmte Befunde anzufordern." Sie habe das alles mitgeschickt und könne das nur jedem empfehlen. "Deswegen ging die Bearbeitung sehr schnell und ich habe dann eine Bewilligung bekommen für die Erwerbsminderungsrente."

Krebsrisiko fast 50 Prozent

Auf eine zusätzliche Krebsversicherung kann Simone Pareigis nicht zurückgreifen. Sie hat schlicht keine abgeschlossen. Aus heutiger Sicht würde sie aber mal darüber nachdenken. Und die Statistik gibt ihr Recht. Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweit-häufigste Todesursache in Deutschland. Und die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, liegt nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts bei etwa 50 Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Januar 2020 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2020, 13:30 Uhr

1 Kommentar

zenkimaus vor 4 Wochen

Werbung für die darbende Versicherungswirtschaft? Lieber MDR das ist kein guter Artikel. Der lässt mich mit mehr Fragen da stehen, als davor. Was besser wäre am Ende des Artikels ein Fazit. Lebensnotwendig oder nicht