Korb mit Wildkräutern
Viele Wildkräuter sind nicht nur eine geschmackliche Entdeckung sondern haben auch eine heilende Wirkung. Bildrechte: imago/Westend61

Ernährung und Naturheilkunde Wilde Kräuter: Heilsames und Schmackhaftes aus der Natur

Brennnessel und Giersch sind für viele Gärtner eine Plage. Doch die ungeliebten Kräuter haben es in sich. Sie punkten mit einem erstaunlichen Vitaminreichtum – und schmecken als Zutat in Salaten und Soßen.

von Jörg Simon

Korb mit Wildkräutern
Viele Wildkräuter sind nicht nur eine geschmackliche Entdeckung sondern haben auch eine heilende Wirkung. Bildrechte: imago/Westend61

Kennen Sie den erstaunten Ausruf "Ach, du grüne Neune!"? Woher diese Redensart kommt, lässt sich nicht genau klären. Eines ist aber sicher: Die "grüne Neune" war in vielen Gegenden eine traditionelle Suppe aus den ersten grünen Kräutern des Jahres. Neun sollten es sein, weil dieser Zahl eine magische Macht zugeschrieben wurde. Sie galt als Zahl der Erneuerung.

Kräutersuppe
Kräutersuppen haben eine lange Tradition. Bildrechte: imago/Panthermedia

Traditionell wurde die Suppe in der Osterzeit gegessen, meist am Gründonnerstag. Die genauen Zutaten unterschieden sich zwar von Region zu Region, doch meist handelte es sich nicht um klassische Gartenkräuter, sondern um wildes Grün, gepflückt an Wegen, in Wäldern, am Feldrand oder in einer verwilderten Ecke des Gartens. Was häufig im Korb und später in der Suppe landete, waren Scharbockskraut, Brennnessel, Brunnenkresse, Sauerampfer, Vogelmiere, Knoblauchsrauke oder Bärlauch.

Wilde Kräuter für Salate, Pesto und Tee

Für Jana Grotheer sind Wildkräuter einfach unverzichtbar. Die 45-Jährige betreibt die "Schlossküche Reichstädt", sorgt für das Catering auf Festen und sogar für die Schulspeisung im Evangelischen Gymnasium in Tharandt. Dabei setzt sie auf möglichst natürliche Produkte – und einige davon findet sie im eigenen Garten oder auch mal auf einer Wanderung. Auch bei vielen Beschwerden greift sie zuerst zu Mitteln aus der Natur: "Ich finde das so schön, dass man mit Pflanzen so viel heilen kann. Man braucht nicht immer gleich eine Tablette. Das ist einfach natürlicher und dem Körper näher."

Welche Kräuter wachsen jetzt?

Wildkraut Scharbockskraut wächst auf einem Beet
Scharbockskraut Bildrechte: MDR Garten

Wer sich im Mai auf den Weg ins Grüne macht, um Frühlingskräuter zu ernten, hat schon einiges verpasst. Die Saison für den Bärlauch zum Beispiel ist fast vorbei, die Pflanze blüht, und die frischen grünen Blätter werden bald "einziehen", also verschwinden. Auch beim Scharbockskraut vergilben bereits die Blätter. Der Name "Scharbock" bezieht sich übrigens auf die Vitaminmangelkrankheit Skorbut, gegen die das Kraut früher eingesetzt wurde. Der bittere Löwenzahn wächst zwar das ganze Jahr, aber die besonders begehrten ersten zarten Blätter gibt es nur im März und April.

Gundermann
Gundermann Bildrechte: IMAGO

Dafür sprießen jetzt jede Menge anderer Wildkräuter. Zum Beispiel der Sauerampfer, der sich auf vielen Wiesen finden lässt. Oder der Gundermann , auch Gundelrebe genannt, mit seinen violettblauen Blüten. Vielerorts nennt man die Pflanze auch "Soldatenpetersilie", denn sie enthält reichlich Vitamin C. Ihr Geschmack ist bitter, aromatisch und leicht scharf. "Das ist eine ganz alte Heilpflanze aus unserer Gegend hier", erklärt Jana Grotheer. "Sie gehört zu den Lippenblütlern. Man kann sie auf jeden Fall als Zutat für Salate oder für Pesto nehmen." In der Pflanzenheilkunde wird der Gundermann bei Rachenentzündungen oder Schnupfen eingesetzt, soll aber auch gegen Entzündungen und Abszesse wirken.

Pimpinelle
Pimpinelle Bildrechte: imago/blickwinkel

Die Pimpinelle, auch Kleiner Wiesenknopf genannt, schmeckt würzig und nussartig. Manche erinnert ihr Aroma auch an Gurken. Beim Kochen verliert sich diese Note, weshalb Pimpinelle zum Würzen immer erst an das fertige Gericht gegeben werden sollte. Die Pflanze eignet sich auch gut zum Verfeinern von Frischkäse. Als Heilkraut wird sie gern bei Magenbeschwerden eingesetzt.

Waldmeisterpflanzen in einem Korb
Waldmeister Bildrechte: IMAGO

Schließlich gibt es noch den fast allen bekannten Waldmeister. Für die berühmte Maibowle sollte man das Kraut leicht anwelken lassen, da sich erst dann das typische Aroma entwickelt. Allerdings sollte man bei der Dosierung vorsichtig sein. Wegen seines Gehaltes an Kumarin können größere Mengen Waldmeister zu Kopfschmerzen führen.

Loblied auf die Brennnessel

gepflückte Brennesseln auf einem Tisch
Brennnesseln Bildrechte: imago/Panthermedia

Mancher hat sie schon zur "Königin der Heilpflanzen" verklärt. Das mag leicht übertrieben sein, unbestritten jedoch sind die Wirkungen der Pflanze bei einigen verbreiteten Leiden. An erster Stelle steht die harntreibende Wirkung der Brennnessel. Ein Tee aus Brennnesselblättern kann bei einer Blasenentzündung helfen, die Blase durchzuspülen und Keime wegzuschwemmen. Zubereitungen aus der Wurzel der Pflanze werden bei gutartiger Prostata-Vergrößerung eingesetzt. Brennnesselwirkstoffe sollen auch bei Rheuma und Arthrose helfen. Extrakte aus der Nessel werden darüber hinaus in Haarwässern eingesetzt, denn sie sollen das Haar kräftigen.

Auch in der Küche kann die Brennnessel eine Rolle spielen, zum Beispiel in Form eines Brennnesselspinats oder als Zutat für eine Suppe. Keine Sorge, die brennende Wirkung verliert sich beim Erhitzen. Wussten Sie übrigens, dass Brennnesselblätter doppelt so viel Vitamin C wie Orangen enthalten? Außerdem bringen sie wertvolles Eiweiß mit, gesunde sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralstoffe, Magnesium, Kalzium und Silizium.

Wo sammeln?

Obwohl Wildkräuter weit verbreitet sind, ist es gar nicht so einfach, ein gutes Sammelgebiet zu finden. Straßenränder sind wegen der Schadstoffbelastung ungeeignet, ebenso meiden sollte man Wege, auf denen Hunde ausgeführt werden. Das Sammeln in Naturschutzgebieten verbietet sich ohnehin. Am besten ist es, immer nur kleine Mengen zu ernten. Ganz auf der sicheren Seite bleibt man, wenn man den Wildkräutern eine Ecke im eigenen Garten überlässt.

Drei Rezepte von Jana Grotheer

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 23. Mai 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2019, 12:41 Uhr