Eine Frau beim Zahnarzt
Für Zahnersatz setzen die meisten Patienten, die bei den drei größten gesetzlichen Krankenkassen versichert sind, auf einheimische Zahnärzte. Bildrechte: imago/Jochen Tack

"Zahnarzt-Tourismus" Deutsche gehen für Zahnersatz nur sehr selten ins Ausland

Nur wenige gesetzlich Krankenversicherte lassen Zahnbehandlungen im Ausland durchführen. Nach einer Umfrage des MDR-Magazins "Umschau" findet der sogenannte "Zahnarzt-Tourismus" nur sehr selten statt. Dabei ist die Behandlung etwa in Polen oft günstiger.

Eine Frau beim Zahnarzt
Für Zahnersatz setzen die meisten Patienten, die bei den drei größten gesetzlichen Krankenkassen versichert sind, auf einheimische Zahnärzte. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Nur sehr wenige Deutsche gehen für Zahnersatzbehandlungen ins Ausland. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des MDR-Magazins "Umschau" bei den drei größten deutschen Krankenkassen AOK, Techniker Krankenkasse (TK) und Barmer. 15 Jahre nach der EU-Osterweiterung beträgt der Anteil unter den TK-Versicherten lediglich 0,2 Prozent – also einer von 500 Kassenpatienten. Bei der Barmer sind es 0,1 Prozent – also etwa einer von 1.000 Versicherten. Die AOK konnte keine konkreten Zahlen nennen, bestätigte aber, dass die Zahnersatzbehandlung an ausländischen Kliniken auch hier eine sehr geringe Rolle spiele. Zahnersatzbehandlungen im osteuropäischen Ausland sind für Patienten oft preiswerter als in Deutschland, weil der Eigenanteil – etwa durch niedrigere Lohnkosten – geringer ist.

Folgebehandlung in Deutschland möglich

Zahnarzt untersucht bei einem Patienten eine Zahnfüllung aus Amalgam
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"Von den bis zu 900.000 Zahnbehandlungen pro Jahr bei uns entfallen etwa 1.600 bis 1.800 auf Kliniken im Ausland. Und diese Zahl ist seit Jahren konstant", sagte Andreas Herforth von der Techniker Krankenkasse der "Umschau". Er ist TK-Referent für zahnärztliche Versorgung. Wenn Patienten ins Ausland gingen, dann laut Herforth meist für aufwendige Behandlungen im Umfang von 3.000 bis 4.000 Euro. Handele es sich um ausländische Vertragskliniken, seien auch Mängelfälle kein Problem, weil dann auch deutsche Ärzte nötige Folgebehandlungen durchführen dürften. Die TK hat fünf solcher Vertragskliniken in Ungarn und Polen. Die AOK Nordost (zuständig für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) kooperiert mit einer Zahnklinik in Polen.

"Das Risiko ist höher"

zahnmedizinische Instrumente
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Deutsche Zahnärzte sehen den sogenannten Behandlungstourismus kritisch: "Der ausländische Zahnarzt sieht die Patienten nur in einer Momentaufnahme. Er kennt nicht die Vorgeschichte und muss in einem sehr engen Zeitfenster eine vollständige Versorgung realisieren können. Dementsprechend ist das Risiko natürlich höher", sagte Dr. Carsten Hünecke der "Umschau". Er ist der Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt. Auch die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung rät, die Zahnbehandlung möglichst nah am Wohnort durchführen zu lassen. Die Techniker Krankenkasse sieht hierbei kein Problem. Bei Behandlungen im Ausland würden prozentual nicht mehr Mängelfälle verzeichnet als bei Behandlungen in Deutschland, so TK-Referent Andreas Herforth.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 30. April 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2019, 12:35 Uhr