Unzählige Klingelschilder eines Studentewohnhauses ohne Namen.
Nur noch die Wohnungsnummer am Klingelschild und nicht mehr der Name? Bildrechte: dpa

Datenschutz Name am Klingelschild nur mit Zustimmung

Vermieter dürfen nicht ohne Weiteres die Namen von Mietern an Klingelschildern anbringen lassen. Thüringens Datenschutzbeauftragter Hasse wies bei MDR AKTUELL darauf hin, dass es sich um personenbezogene Daten handelt. Und das sei nicht erst seit der Datenschutzgrundverordnung so.

Unzählige Klingelschilder eines Studentewohnhauses ohne Namen.
Nur noch die Wohnungsnummer am Klingelschild und nicht mehr der Name? Bildrechte: dpa

Klingelschilder dürfen nicht ohne Zustimmung der Betroffenen mit einem Namen versehen werden. Darauf hat der Thüringer Datenschutzbeauftragte Lutz Hasse bei MDR AKTUELL hingewiesen. Hasse sagte, das sei vom Datenschutz nicht gedeckt. Namen auf dem Klingelschild seien personenbezogene Angaben. Diese würden vom Vermieter an eine unbekannte Zahl Dritter übermittelt. Deshalb sei dafür eine Vereinbarung zwischen Vermieter und Mieter nötig.

Kein Zusammenhang zur DSGVO

Die Rechtslage sei schon vor Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai so gewesen, erklärte Hasse. Man sei bisher aber davon ausgegangen, dass Vermieter und Mieter die gleiche Auffassung hätten, den Namen zu zeigen.

Vergangene Woche hatte in Wien ein Mieter Beschwerde wegen mangelnden Datenschutzes eingelegt. Der Mann, der in einer Gemeindewohnung lebt, erklärte mit Verweis auf die DSGVO, seine Privatsphäre sei nicht genügend geschützt, wenn sein Name auf dem Klingelschild stehe.

Der Vermieter kündigte daraufhin an, bei 220.000 Mietern in rund 2.000 Wohnanlagen künftig nur noch die Wohnungsnummer am Klingelschild anzubringen. Wer dort seinen Namen sehen möchte, müsse selbst einen Aufkleber anbringen.

In anderen Ländern wie Frankreich oder Spanien sowie in den USA ist es dagegen weit verbreitet, Klingelschilder von Mehrfamilienhäusern mit Nummer statt mit Namen zu versehen.

Thüringen: Namen sollen bleiben

Die Thüringer Vermieter- und Wohnungsbaugesellschaften wollen offenbar die Namen ihrer Mieter an den Haustürklingeln belassen. Das ergab eine Nachfrage von MDR THÜRINGEN bei den großen Wohnungsbaugesellschaften in Thüringen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Oktober 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2018, 07:39 Uhr

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86 Kommentare

18.10.2018 13:06 Ahornblatt 86

In Kanada gibt es nur Wohnungsnummern und Hausnummern . Und so sind auch die Anschriften beim Postversand deklariert, ohne Namen.
Und das wird auch in Deutschland kommen, denn der Grünen EU-Abgeordnete, jetzige Landesminister Jan-Philipp Albrecht, hat das mit seiner DSGVO im EU-Parlament betrieben.
Jetzt gibt es für Wohnungsunternehmen, die sich nicht das vorherige Einverständnis vom Vermieter geholt hatten, eben 20 Millionen € Strafe.

Datenschutz ja, nur schlecht gemacht. Und die Konsequenz ist, dass jetzt findige Mieter, denen etwas nicht passt richtig Druck machen können. Bis die Nummern kommen. Und die Kommen.
Es sei denn, Frau Merkel hält sich nicht an Gesetze und lässt die Grenzen offen. Dublin gilt nicht. Es ist eben so, Punkt Jeder Schwarzbau, wenn es den Millionen im Land machen wegen der hohen Mieten, ist eben so, Wenn sie schon mal gebaut haben. Punkt dürft ihr bleiben!

18.10.2018 06:37 Ungläubig 85

Soweit ich mich erinnern kann, sollen Gesetze allgemeingültig und für jedermann verständlich sein.
Das ist mit DSGVO mal wieder nicht gelungen. Sonst würden solch lebensfremde Ideen nicht aufkommen.

Also bitte einstampfen und nochmal neu.

[Hallo! Die Rechtslage sei schon vor Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai so gewesen, erklärte Hasse. Mit besten Grüßen, Ihre MDR.de-Redaktion]

17.10.2018 22:05 Stefan Dworak 84

Servas,

hier in Österreich, besonders in Wien gibt es kaum Namen an den Klingeln (hier übrigens "Glocke" genannt). zB. Kirchengasse 19/1/16 in 1160 Wien
Die Zahlen stehen für Hausnummer/Stiegennummer/Türnummer oder auch Wohnungsnummer genannt, (ach ja: Stiege heißt Treppenhaus). Und bevor dieser Beitrag noch zum Österreichisch-Sprachkurs wird, komme ich jetzt zum Punkt: Hier gibt es schon seit 1777 Türnummern und es funktioniert prima: die Post kommt an, Freunde finden meine Wohnung und auch die Feuerwehr kennt sich aus.

Hawidere
Stefan

17.10.2018 21:05 Der, deren Name nicht veröffentlicht werden soll 83

Ich ziehe in eine neue Wohnung. Mein Name wurde schon sowohl auf die Klingel als auch auf den Briefkasten veröffentlicht. Wie kann ich in Deutschland ohne Schikane dagegen vorgehen? Ich wünsche mir nicht, dass jeder Passant meinen Namen kennt.

17.10.2018 13:00 Sr.Raul 82

Letztlich ist das ganze Ballyhoo nur, wieder einmal, Ergebnis der fast alltäglichen Sauhatz durch's "Dorf". Der "Souverän" will halt beschäftigt und unterhalten sein. Da kommt es doch gut, wenn zur Abwechslung mal jemand aus Wien(!!!) mit einem faszinierendem Thema zur Unterhaltung beiträgt. Sicher auch einer der Kandidaten mit "Fratzenbuch-", "Instradingens-" und "Weiß der Fuchs-Account" durch das nette Net düsend und Datenspuren hinterlassend, aber sich dann über eine seiner Person namentlich zugeteilte Klingel nen Kopp macht. Was sagen da wohl z.B. Sportler? Die werden mit Name, Nummer etc.pp. genannt und dazu noch gezeigt. Ein unfassbarer Skandal. Freue mich schon auf den Tag, an dem "Der schwarze Kanal" fröhliche Auferstehung feiert: "... leider können wir ihnen aus datenschutzrechtlichen Gründen keinen Ton und Bild von Spiel ABC vs. DEF anbieten. Wir bitten um Verständnis."

17.10.2018 08:49 @79 Däßler 81

Danke, Herr Dässler, Sie haben es gut auf den Punkt gebracht. Gut gemeint, schlecht gemacht. Vor allem in der Aufregung eines Notfalls, da vergessen manche sogar den Namen der Stadt, in der sie wohnen. Da muss man die Interessen schon anders gewichten. Und es steht ja jedem frei, den Namen wieder zu entfernen, wenn es ihn so stört.

17.10.2018 05:49 Wo geht es hin? 80

@Hannah - Zitate von Ihnen:"Eine Klingel ist für jeden der daran vorbei geht sichtbar und damit der Name. Das geht doch aber niemanden etwas an." Und? Kennen Sie jemanden ausser dem Postboten, der sich vor die Klingelschilder stellt, diese studiert und dann noch was weiss ich damit macht? Weiteres Zitat: "In anderen Ländern ist das kein Problem, da funktioniert so etwas seit Jahrzehnten." Zitate Ende. Wir sind hier aber nicht in anderen Ländern und bei uns hat die bisherige Praxis auch ohne mir bekannte Nachteile für den Wohnungsinhaber seit Jahrzehnten funktioniert.

16.10.2018 23:24 Andreas Däßler 79

Als Mitarbeiter im Rettungsdienst kann ich nur den Kopf schütteln. Jeder, der Wert darauf legt, im Notfall Hilfe zu bekommen, sollte seinen Namen bitte am Klingelschild stehen lassen. Die Nummer mit den Nummern geht erfahrungsgemäß sehr oft schief. Man glaubt nicht, wieviel Menschen schon mit der Hausnummer ein Problem haben. Ihre Wohnungsnummer wissen viele oft gar nicht, erst recht, wenn sie in einer anderen Wohnung als ihrer eigenen sind (Bekannte etc.). Es reicht ja schon, wenn Haustüren in Mehrfamilienhäusern nachts verschlossen werden. Gut wenn sie ganz oben wohnen, die Treppe wegen einer plötzlichen Erkrankung oder Verletzung nicht mehr runtergehen können und der Turöffner summt ins Leere. Da sieht man wieder: die Datenschutzgrundverordnung ist sicher gut gemeint, aber sehr schlecht gemacht. Und warum war es bisher eigentlich so schlimm, vom Rettungsdienst im Notfall gefunden zu werden?

16.10.2018 22:12 123456789 78

Wer so etwas, mit Bezug auf den Datenschutz, einfordert, geht blind durch die Welt.
PS: An alle Kommentatorinnen & Kommentatoren, bitte nennen Sie hier nicht Ihren Alias - oder Nachnamen. Ihre Nr. vom Klingelschild reicht. ;-)

16.10.2018 21:57 ... 77

cool dann gibt es bei der Post keine rückläufer mehr.
Da ja nur noch nach nummern gegangen wird, und diese sich bei einer hochhaussiedlung ja nicht ändern
egal wer nun in dieser wohnung wohnt.