Umschau-Quicktipp Black Friday: Die echten Schnäppchen finden

"Die besten Deals!", "Rabatte bis 90 Prozent!", "Top-Angebote": Schon lange vorher trommeln die Händler für den Black Friday, den angeblichen Superschnäppchen-Tag am 29. November. Als Black Friday wird in den USA der Tag nach Thanksgiving bezeichnet. Der ist dort traditionell der Start der Geschenke-Kauf-Saison, an dem viele Händler Käufer mit Rabatten anlocken wollen. Inzwischen ist der Black Friday auch in Deutschland etabliert. Neben vielen großen und unbekannteren Online-Händlern lockt auch der Einzelhandel mit Rabatten.

Superschnäppchen als Lockmittel

Am Black Friday sind wirkliche Schnäppchen eher die Ausnahme. Das zeigt eine großangelegte Untersuchung von Stiftung Warentest (Stand: 11/2019, Komplettabruf kostenpflichtig) für Spitzenprodukte. Das sind Waren, die mindestens das Testurteil "empfehlenswert" bekommen haben. Die Tester haben die Preise für insgesamt 50 Smartphones, Fernseher, Kaffeevollautomaten, Kopfhörer und Bluetooth-Lautsprecher von Anfang November 2018 bis Ende Januar 2019 verglichen. Nur bei vier Produkten waren laut den Testern am Black Friday die Preise niedriger als sonst im November. Mit solchen wenigen echten Schnäppchen lenken die Händler die Aufmerksamkeit von Kunden auf sich. Anne Kliem von Stiftung Warentest sagte:

Anne Kliem von Stiftung Warentest
Bildrechte: Anne Kliem/Stiftung Warentest

Da gibt’s dann wenige sehr gute Angebote, die dann auch solche Shopping-Feiertage wie den Black Friday legitimieren sollen und dann wird aber auf diesem Weg auch noch ganz viel anderer Kram verkauft.

Realistisch sind maximal 30 Prozent Nachlass

In einer weiteren großen Untersuchung vom Preisvergleichsportal guenstiger.de zeigte sich, dass bei 60 Prozent der vermeintlichen Black-Friday-Angebote Käufer gar nichts sparten. Das Portal hatte dafür 240 Angebote in 12 Onlineshops untersucht. Dabei zeigte sich auch, dass Portale wie Amazon oder Saturn vergleichsweise viele echte Schnäppchen im Angebot hatten. Beim Onlineauftritt von Douglas dagegen mussten Käufer im Schnitt sogar 25 Prozent draufzahlen. Auch Elektronikriese Conrad fiel in dem Angebots-Checks negativ auf. Dort sollten Verbraucher ebenfalls mehr als nötig zahlen. In der Untersuchung zeigte sich zudem, dass viele der besonders großen Rabatte eher Rechenspielerei als echter Nachlass waren. Julia Schnell von guenstiger.de sagte:

Julia Schnell vom Vergleichsportal guenstiger.de
Bildrechte: Julia Schnell/guenstiger.de

Die höchste Ersparnis in unserem Test lag bei 30 Prozent. Die würde ich das auch so als realistische Grenze setzen.

Viele Händler würden bei sehr hohen Rabattangaben wie "60 Prozent günstiger" oder gar "90 Prozent Ersparnis" mit der Unverbindlichen Preisempfehlung (kurz: UVP) der Hersteller arbeiten. Die ist aber fast immer veraltet. Der tatsächliche Verkaufs- oder auch Marktpreis liegt deutlich niedriger.

Ein Beispiel: Wer bei einem Smartphone einen UVP von 900 Euro angibt und den Handy-Preis am Black Friday auf 450 Euro senkt, kann mit 50 Prozent Rabatt werben.  Wird das Handy online oder beim Elektronikgroßhändler bereits für den Marktpreis von 600 Euro verkauft, liegt die Ersparnis bei einem 450-Euro-Angebot nur noch bei 25 Prozent.

Kaum Nachlässe für bestimmte Produktgruppen

Auch das Verbraucherforum mydealz hat sich angebliche Black-Friday-Schnäppchen genauer angesehen. Dafür wurden die Preise von über 60.000 Artikeln untersucht, die in den letzten fünf Jahren in der Woche vor dem Black Friday (die so genannte Cyber Week) und an dem Tag selbst mit Rabatten beworben wurden. Die Analyse zeigt, dass in bestimmten Produktgruppen die Preise kaum sinken. Spielzeug und Elektronikartikel sind laut mydealz klassische Weihnachtsgeschenke, für die Händler bei den Preisen nur leicht nach unten gehen. Insgesamt konnten Käufer in der Cyber Week laut mydealz bei diesen Produktgruppen maximal 27 Prozent sparen.

Nicht unter Druck setzen lassen

Durch die stark beworbenen Rabatte am Black Friday kann bei Käufern der Eindruck entstehen, sie bekämen Weihnachtsgeschenke nur an diesem Tag noch günstig. Diese Angst kann Stiftung Warentest aber nehmen. Die Tester haben sich bewusst den Preisverlauf auch nach dem Schnäppchentag angesehen. Anne Kliem sagte:

Von den untersuchten 50 Produkten lag nur bei einem einzigen der Preis dann im Dezember höher. Das war bei den Kopfhörern von Apple.

Grundsätzlich könnten Käufer mit Geduld sparen. Über einen gewissen Zeitverlauf würden bei fast allen Produkten die Preise sinken, auch im Advent.

Da sollte man sich auch nicht unter Druck setzen lassen: Die Händler zeigen dann gern vermeintlich sinkende Bestände an oder arbeiten mit Countdowns. Das ist aber einfach nur Marketing.

Bei manchen Produkten ist es sogar sinnvoll, mit dem Kauf bis kurz vor knapp zu warten. Julia Schnell von guenstiger.de sagte:

Gerade Fernseher, Smartphones, Fitnesstracker und Spielkonsolen sind kurz vor dem Fest am günstigsten. Je länger man wartet, desto günstiger wird es.

Bereits verpackte Weihnachtsgeschenke und Laptop
Bildrechte: imago images / Westend61

Smartwatches, Kopfhörer, Notebooks und Spielwaren dagegen sollten dagegen besser früh gekauft werden. Hier steigen die Preise kurz vor dem Fest generell etwas an.

Festlegen, Preise vergleichen, Radar einstellen

Wer am Black Friday ein echtes Schnäppchen machen will, kann dafür einer einfachen Strategie folgen. Anne Kliem sagte:

Ich würde als erstes schauen, was ich wirklich brauche und was ich bereit bin, dafür auszugeben. Das würde ich zumindest mal handschriftlich festhalten.

Mit Preisvergleichsportalen könnten Verbraucher dann herausfinden, welcher Markt- oder Verkaufspreis für das gewünschte Smartphone, das Spielzeug oder den Kaffeeautomaten gerade gilt. Für den Preischeck sollten am besten gleich mehrere Vergleichsportale benutzt werden.

Ich kann bei denen auch oft noch einen Preiswecker oder Preisradar einrichten, damit ich nicht immer selber gucken muss und kein günstiges Angebot verpasse.

Dann informiert das Portal per E-Mail, wenn der Preis unter einen vorab eingestellten Wert fällt.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 25. November 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2019, 02:10 Uhr