Haustiere Erste Hilfe für Haustiere

Frisst ein Tier einen präparierten Köder, kommt es mit einer Bisswunde zurück oder wird es aus einem anderen Grund zum Notfall, gelten besondere Regeln. Denn anders als verletzte Menschen können Tiere ihrem Besitzer nicht anzeigen oder sagen, was weh tut oder welches Problem sie haben. Hinzu kommt, dass verletzte oder kranke Tiere nicht wissen können, dass ihnen geholfen werden soll. In ihrer Aufregung können Sie den helfenden Menschen beißen oder sich selbst noch mehr verletzten. Wir sagen, wie man mit Haustieren in einer Notsituation richtig umgeht.

Erste-Hilfe-Kurse

Vom Hitzschlag über Schnitt- oder Bissverletzungen bis hin zu Knochenbrüchen und Elektrounfällen: Bei Haustieren müssen Besitzer jederzeit auf einen Unfall gefasst sein und entsprechend handeln können. Denn bis auf wenige Ausnahmen gibt es keine flächendeckende Tierrettung, wie etwa den Rettungsdienst beim Menschen. In der Regel müssen Sie also Ihr Haustier selber zum Arzt bringen. Die Erstversorgung und der Transport liegen also bei Ihnen. Die beste Vorbereitung auf einen Notfall erhalten Sie bei Erste-Hilfe-Kursen für Tiere. Wie wird eine Blutung gestoppt, wie versorgen Sie eine  Bisswunde, wie transportieren Sie ihr Tier richtig? All das lernen Sie in diesen Kursen. Angebote gibt es von Tierschutzvereinen und Tierärzten, aber auch von Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, den Johannitern oder dem Arbeiter Samariter Bund. Was Sie dabei gelernt haben, können Sie am besten an Ihrem gesunden Tier trainieren. Sie üben - und Ihr Tier gewöhnt sich an die Übungen. "Allerdings sollten Sie vorher fragen, was genau Sie zu Hause üben können. Mit einer falschen Herzmassage können Sie einen gesunden Hund nämlich tatsächlich ins Jenseits befördern", warnt Tierarzt Dr. Ronald Lindner aus Markkleeberg.

Hausapotheke für Tiere

Neben dem entsprechenden Wissen und praktischen Übungen erfahren Sie in Übungslehrgängen  auch, welche Mittel und Medikamente in eine Hausapotheke für Tiere gehören. Neben Verbandszeug, Desinfektionsmittel, Augen- und Ohrentropfen und einigen Dingen mehr gehören dort auch die Telefonnummern von ihrem Tierarzt und eventuell der nächsten Tierklinik hinein.  

Tier-Notdienst

Der Tierarzt Gabor Horvath und die Studentin der Tiermedizin, Malin Schmidt, behandeln  bei einer Schicht der Tierrettung München e.V. eine Katze im Tier-Rettungswagen.
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Die erwähnten Nummern sollten Sie aber auch in Haustelefon und Handy speichern. Kommt eine Rettung oder der Tierarzt zu Ihnen, können Sie diese schon unterwegs informieren und wichtige Daten durchgeben. Fahren Sie in Begleitung zum Tierarzt, können Sie schon von unterwegs aus vorinformieren. "Im Normalfall bieten Tierkliniken eine 24-Stunden-Notversorgung, wir niedergelassenen Tierärzte bieten Ihnen einen Wochenend-Notdienst für kleinere, leichtere Fälle", so unser Tierarzt.

Wichtig: Eigenschutz

Denken Sie vor jeder Hilfe daran, sich selbst zu schützen. Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren. Nähern Sie sich dem Tier langsam und reden Sie beruhigend auf das Tier ein. Tiere registrieren sehr schnell, wenn Sie aufgeregt oder gar in Panik sind. Verletzte oder kranke Tiere wollen nur ungern angefasst werden. Sie können mit Kratzen, Beißen oder Hacken reagieren. Bei Infektionsgefahr tragen Sie, wenn möglich, Handschuhe. Legen Sie Hunden im Ernstfall ein sogenanntes Schnauzenband an. Ein Schal oder ein Halstuch können auch helfen. Achten Sie dabei aber darauf, dass das Tier nicht ersticken kann. Leinen Sie einen Hund, wenn es geht, während der Versorgung an. Wenn sich eine Katze nicht greifen lässt, legen Sie eine Decke über das Tier und versuchen Sie es sanft unter Kontrolle zu bringen. Gleiches gilt mit Vorsicht auch für Hasen, Meerschweine oder kleine Vögel.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Das sogenannte Tierrettungs-ABC beinhaltet folgende Dinge:

A - steht für eine Kontrolle und Säuberung der Atemwege. Wenn es geht, öffnen Sie dem Tier das Maul, ziehen die Zunge vor und entfernen eventuelle Fremdkörper.

B - ist die Beatmung durch die Nase. Dazu unser Experte: "Wenn Sie das können, ist das tatsächlich eine erste Maßnahme, gerade bei Hunden, die kurz vor dem Ertrinken waren. Dazu fassen Sie das Tier an die Hinterläufe und heben sie hoch, sodass das Wasser rausläuft. Wenn der Hund danach noch nicht selbstständig atmet, dann ist eben diese Form der Hilfe möglich."

C - steht für Circulation, auf Deutsch Kreislauf. Sollte das Herz bei Ihrem Tier ausgesetzt haben, gibt es spezielle Techniken, die sie anwenden können. Diese sollten Sie allerdings nur anwenden, wenn Sie zuvor unter fachlicher Aufsicht geübt haben.

Bei einem Hitzschlag können Sie einem Tier mit feuchten Tüchern und lauwarmem Trinkwasser helfen. Kühlende Umschläge unterstützen die Linderung bei einem Bienen- oder Wespenstich. Achtung: Bei einem Insektenstich in Rachen oder Hals sollten Sie sofort in die Tierklinik fahren. Es besteht Lebensgefahr. Hat sich das Tier eine Pfote oder Tatze geprellt, hilft es, diese direkt in kaltes Wasser zu tauchen, damit die Schwellung zurückgeht.

Gefährliche Medikamente

Geben Sie Ihrem Tier nie Medikamente, die für Menschen gedacht sind. Das gilt für Tabletten und Tropfen genauso wie für Salben oder Tinkturen. Die falschen Medikamente können Magen-Darm-Probleme und tatsächlich Vergiftungserscheinungen auslösen. Salben und ähnliche Produkte können zu Hautreizungen und allergischen  Reaktionen führen. Grundsätzlich gilt: Keine Medikamente sind besser als die falschen.

Fazit

Um Ihrem Haustier im Notfall optimal helfen zu können, sollten Sie sich am besten in einer entsprechenden Schulung auf so einen Notfall vorbereiten. Bei Kleintieren können Sie sich mit dem Tierarzt vorab über entsprechende Maßnahmen verständigen. Bewahren Sie im Ernstfall Ruhe und denken Sie daran, sich selbst zu schützen. Wenden Sie nur Hilfsmaßnahmen und Medikamente an, die bekannt und vertraut sind. Transportieren Sie Ihr Tier behutsam zum nächsten Tierarzt oder einer Tierklinik. "Wichtig ist, dass Sie überhaupt versuchen, zu helfen, auch wenn dabei was schiefgehen kann. Das ist das gleiche Grundprinzip wie bei der Hilfe am Menschen", so Dr. Ronald Lindner. 

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 15. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 00:10 Uhr