Quälgeister am Wegesrand Mäusegerste: Gefahr für Hunde und Katzen

Sie wächst auf Wiesen, Verkehrsinseln oder in den Fugen von Bordsteinen: Die Widerhaken der Mäusegerste können sich leicht im Hundefell verfangen und nicht zuletzt in den Schleimhäuten oder an den Pfoten schwere Entzündungen hervorrufen. Tierexperte Dr. Ronald Linder erklärt im Interview, wie Sie Ihren Hund schützen können.

Tierärztin untersucht Hund
Bildrechte: imago images / Westend61

Gras mit gefährlichen Widerhaken

Sie sieht harmlos aus, kann bei Hunden und Katzen aber zu ernsthaften Beschwerden führen: die Mäusegerste (Hordeum murinum). Die Pflanze aus der Gattung der Gersten ist ein Ährengras mit etwa 2,5 cm langen, mit Widerhaken versehenen Grannen, die sich leicht in Kleidung oder Tierfell verfangen.

Ursprünglich wuchs die Pflanze im Mittelmeerraum und in Asien, hat sich aber, nicht zuletzt auch durch den Klimawandel, vermehrte Trockenheit und steigende Temperaturen in unseren Breitengraden, auch in Europa weit verbreitet.

Das Gewächs wuchert in der Stadt und auf dem Land, auf verwilderten Grundstücken genauso wie auf Verkehrsinseln, in Asphaltfugen und an trockenen Wegesrändern – überall dort, wo Hunde beim Gassigehen gerne schnüffeln. Und genau da beginnt das Problem. "fiffi & co."-Experte Ronald Lindner erklärt im Interview, warum das Gras mit dem harmlosen Namen so gefährlich werden kann und wie Hundebesitzerinnen und -besitzer ihr Tier schützen können:

Experte Dr. Ronald Lindner im Interview:

Warum ist Mäusegerste so gefährlich für Hunde?

Nicht die Gerstenhalme, sondern ihre 2,5 cm langen Grannen können zur Gefahr für die Hunde werden. Ihre Widerhaken setzen sich im Fell, in den Ohren oder Augen und häufig auch zwischen den Zehen fest und wirken dort als Fremdkörper.

Die Grannen der Gerste können sich leicht im Fell festsetzen – viele Hundebesitzer merken jedoch erst zu spät, dass Grannen im Fell hängen. Gibt es Warnzeichen oder Verhaltensweisen, die mich erkennen lassen, dass meinen Hund gerade etwas stört?

Nahaufnahme von Mäusegerste.
Bildrechte: imago/blickwinkel

Die Widerhaken der Grannen verursachen bei Hunden zunächst einen Juckreiz, indem sie in die weichen Hautpartien, in die Gehörgänge oder in die Augen eindringen. Unmittelbar danach beginnen die Tiere sich zu schütteln, die Augen und die Ohren mit den Pfoten abzureiben oder sich zu wälzen. Dabei dringen die Grannen aber oft noch tiefer in Haut, Schleimhaut und Gehörgänge vor. 

Welche Symptome treten auf, wenn die Grannen etwa Augenlider oder Gehörgang erreicht haben?

Tränende Augen, eitriger Ausfluss und zugekniffene Lider sind häufige Symptome für Fremdkörper im Bereich des Auges. Hunde mit Grannen-Ohren werden beim Tierarzt häufig mit Dauerschütteln und Kratzen des betroffenen Ohres vorgestellt. In beiden Fällen leiden die Hunde unter Schmerzen und nur die umgehende Entfernung des Fremdkörpers durch den Tierarzt kann Infektionen und nachfolgende Organschäden mit Taub- oder Blindheit verhindern.

Wie verhalte ich mich, wenn mein Hund durch Mäusegerste gelaufen ist?

Nach einem Spaziergang in einem entsprechenden Risikogebiet sollte der Besitzer routinemäßig insbesondere Pfoten, Ohren und Augen nach Grannen, Zecken und Co. absuchen. Eine weitere nicht zu unterschätzende Gefahr besteht in dem unentdeckten Eintreten von Grannen im Pfotenbereich, wobei diese Pflanzenteile im Zwischenzehenbereich nicht nur zu Schmerzen und Lahmheiten, sondern auch zu eitrigen Fisteln in der Tiefe des Gewebes führen können.

Was kann man vorbeugend tun?

Wer präventiv etwas gegen derlei Verletzungen tun möchte, kann im Sommer zum Beispiel auf eine Kurzhaar- bzw. Trimmfrisur seines Hundes setzen. Das hilft, die Quälgeister schneller zu finden.

Stellt die Mäusegerste nur für Hunde, oder auch für andere Freigänger wie z.B. Katzen eine Gefahr dar?

Natürlich sind alle im Freilauf befindlichen Tiere gefährdet, jedoch scheint es, dass Katzen und Co. sich etwas geschickter bewegen.

Mehr tierische Tipps:

"fiffi & co. unterwegs" - Dr. Lindner hilft!

Ein Frettchen in der Hand eines Menschen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
ein Hund
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Dr. Ronald Lindner | Tierarzt & Tierverhaltenstheapeut
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle anzeigen (24)

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 04. Juni 2018 | 17:00 Uhr