Vorsicht vor Welpen-Fabriken Das sollten Sie beim Kauf eines Hundewelpen beachten

Die Zahl der Hunde in deutschen Haushalten steigt seit Jahren kontinuierlich an. Die Corona-Krise hat für einen zusätzlichen Schub gesorgt. So blüht auch der illegale Welpenhandel. Die Spur führt oft nach Osteuropa. Doch woran erkennt man unseriöse Anbieter?

Im Jahr 2017 gab es nach Angaben des "Industrieverbandes Heimtierbedarf" bereits 8,6 Millionen Hunde in deutschen Haushalten, 2018 waren es 9,2 Millionen und 2019 ist die Zahl sogar auf 10,1 Millionen angestiegen. In 20 Prozent der deutschen Haushalte leben demnach Hunde. Nach einer Umfrage der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" gaben 76 Prozent aller Hundebesitzer an, ihren Hund als Welpen gekauft haben.

Corona-Krise erhöht Nachfrage

Das Interesse an Hundewelpen ist durch die Corona-Krise noch einmal gestiegen: Denn viele sind durch mehr freie Zeit auf den Hund gekommen. Das machen sich illegale Welpenhändler zunutze, die zumeist online inserieren. Denn viele Menschen suchen im Internet nach einem Hund. Dort sind täglich Tausende neue Verkaufsangebote mit niedlichen Jungtieren zu finden. Welche Anzeigen seriös sind und welche nicht, kann man kaum unterscheiden.

Die Versprechen illegaler Welpenhändler

Illegale Welpenhändler agieren in der Regel unter falschem Namen. "Die arbeiten mit niedlichen Bildern und ausgedachten Geschichten. Die Preise sind natürlich auch nicht mehr so, wie es mal war. Wir reden hier nicht mehr von Wühltischwelpen oder Billigwelpen. Das heißt, jeder, der auf so eine Anzeige stößt, kann sie nicht wirklich mehr von seriösen unterscheiden", erklärt Tierschützerin Thiesmann.

Das Geschäft der illegalen Händler ist strukturiert – Fahrer, Verkäufer, Kontaktleute sind daran involviert. Die Polizei hat es hier mit organisierter Bandenkriminalität zu tun. Und am wenigsten steht das Schicksal der Tiere im Vordergrund, die als Jungtiere auch schon mit drei Wochen von der Mutterhündin getrennt werden. Das Alter bevor ein Welpe vom Muttertier getrennt werden darf, regelt die Tierschutz-Hundeverordnung in Deutschland: frühestens nach acht Wochen.

Vorliegen muss zudem ein EU-Heimtierpass. Das setzt voraus, dass sie gekennzeichnet sind, mittels eines Chips, der auch in den Pass eingeklebt ist, sodass das Tier dem Pass zuzuordnen ist. Auch muss eine Tollwutimpfung vorliegen, bevor sie weiter verkauft werden dürfen. Doch die zuvor vom illegalen Händler versprochenen Papiere sind dann in der Regel gefälscht.

Zwei Hundewelpen 1 min
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MDR JUMP Mi 30.09.2020 10:45Uhr 01:15 min

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Welpenfabriken in Osteuropa

Tausende solcher online angebotenen Hunde kommen aus sogenannten Welpenfabriken in Ungarn, Tschechien und Polen. Dort werden die Hunde unter katastrophalen Bedingungen "produziert" – die Muttertiere vegetieren nur noch als Gebärmaschinen vor sich hin. Sie fristen ihr Dasein in verdreckten, viel zu kleinen Verschlägen ohne Tageslicht. Andere verbringen ihr ganzes Leben an einer Kette. Die Hündinnen werden nur mit dem Nötigsten versorgt, leiden an Krankheiten und sind von Parasiten befallen. Beides übertragen die Muttertiere auch auf ihre Welpen.

Illegaler Handel oft unentdeckt

Nur ein Bruchteil der Welpen wird bei der Einfuhr nach Deutschland überhaupt entdeckt. Die anderen landen so in den Händen ahnungsloser Käufer, die dann oft einen viel zu jungen und todkranken Welpen mit nach Hause nehmen. Die Tiere wirken dann bei der Übergabe gesund, weil sie mit Medikamenten wie Antibiotika vollgestopft sind. Erst einige Zeit offenbart sich daher der eigentliche Vitalzustand. Nicht selten sind dann teure Behandlungen nötig, um das Leid der Tiere zu lindern.

Die illegalen Händler sind dann nicht mehr aufzuspüren, da das Inserat zuvor unter falschem Namen aufgegeben wurde. Auf Kleinanzeigen-Portalen gibt es weder eine Identifizierungspflicht für Anbieter, noch eine Registrierungspflicht für die inserierten Tiere. So ist es für Kriminelle leicht, nach dem Verkauf einfach wieder abzutauchen. Da Tiere rechtlich als "Sachen" gelten, sind die zu erwartenden Strafen auch verhältnismäßig gering und wenig abschreckend. Werden Verstöße festgestellt, wird wegen Ordnungswidrigkeitsverfahren ermittelt.

So können Sie sich und die Tiere schützen

  • Kaufen Sie keinen Hund von einem Händler übers Internet, wenn Sie ihn nicht auch vor Ort aufsuchen können.
  • Erkundigen Sie sich beim Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) über Züchter in Ihrer Nähe.
  • Lernen Sie das Tier vorher kennen und treffen Sie es mindestens zwei Mal, bevor Sie sich zum Kauf entschließen.
  • Auch im Tierheim hoffen Hunde auf ein neues Zuhause.

Tipp: Tierpatenschaft Wer sich um ein Tier kümmern möchte, für den gibt es auch die Möglichkeit einer Tierpatenschaft in einem Tierheim.

Wichtig: Sich vor dem Kauf informieren

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 23. Februar 2021 | 21:00 Uhr