Umschau-Quicktipp Wie gut sind Fahrräder vom Discounter?

Grundsätzlich können es sich weder Discounter noch andere Läden in Deutschland leisten, unsichere Räder zu verkaufen. Denn es gilt das Gewährleistungsrecht. Das heißt: Verkauft der Händler eine mangelhafte Sache, muss er dafür haften. Er wird also schon aus eigenem Interesse darauf achten, mangelfreie Produkte zu verkaufen. Fahrräder beim Discounter stammen häufig von No-Name-Firmen, die in großer Stückzahl kostengünstig produziert wurden. Aber auch Markenprodukte sind hin und wieder zu finden. Das sind meist ältere Modelle aus der Vorsaison. Diese Räder bieten dann oft nicht die modernsten Komponenten, was sich bei E-Bikes besonders am Gewicht und der Akku-Leistung bemerkbar machen kann. Die Preise für die Fahrräder sind daher meist günstiger als im Fachhandel.

Discounter fehlt oft Fachpersonal

Fahrräder stehen in Reihe
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Beim Discounter bekommen Sie das Fahrrad in der Regel nicht vollständig montiert. Denn die Räder werden in der Fabrik nur vormontiert. Der Lenker ist dann quergestellt und heruntergedreht, die Pedalen sind nicht eingeschraubt. Das spart Platz. Beim Discounter oder auch im Baumarkt muss das Rad dann also fertig aufgebaut werden. Für die Montage braucht es entsprechendes Werkzeug, wie etwa einen Drehmomentschlüssel und bestenfalls Fachwissen. Nicht ausreichende Kenntnisse führen dann mitunter dazu, dass beim Discounter Räder mit falsch eingebauten Gabeln, zu locker oder zu fest angezogenen Schrauben und völlig falsch eingestellten Lenkern verkauft werden. Kaufen Sie ein nur vormontiertes Rad, müssen Sie zu Hause selber ran - und Lenker, Sattel und  Pedale anbauen beziehungsweise noch richtig einstellen. Ohne handwerkliches Geschick kann das Probleme bereiten.

Discounter spart auch am Service

Eine Probefahrt ist beim Kauf im Discounter meist nicht möglich. Manchmal sind die Räder noch nicht mal vor Ort. Es gibt zum Beispiel bei ALDI die Möglichkeit, das Rad im Laden zunächst zu zahlen, um es dann mittels PIN online zu bestellen. Die Lieferung erfolgt dann per Lieferservice. Konrad Krause, vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), erklärt : "Nichts gegen die Verkäufer im Discounter, aber das sind ja keine gelernten Fachkräfte. Beratung fehlt da komplett und selbst wenn das Rad dann bei Ihnen heil ankommt, muss es ja nicht automatisch für Sie passen." Denn dafür kommt es auf viele kleine Details an: Sind Sattel und Lenker auf Ihre Größe eingestellt, haben Sie die richtige Rahmengröße, kommen Sie mit Griffen und Schaltung zurecht? "Dazu können Sie eben nur ausführlich im Fachhandel beraten werden. Auch wenn Sie nach zwei Wochen  merken, dass es doch irgendwie noch nicht richtig läuft, können Sie zum Fachhändler zurück und der justiert Ihnen das Rad dann nach", so Experte Krause.

Wann lohnt sich das Discounter-Rad?   

Zwei Fahrräder stehen an einen Baum gelehnt.
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Wer den Drahtesel nur selten nutzt, kann auch mit einem Discounterfahrrad gut fahren. "Wenn Sie zweimal die Woche in den Garten fahren, dann kann Ihnen das Rad vom Discounter wirklich gute Dienste leisten. Da gilt auch für den Kauf im Internet. Müssen Sie täglich damit zur Arbeit und wollen Sie gerade bei E-Bikes wirklich leistungsfähige Akkus, sollten Sie das Rad im Fachhandel kaufen", sagt Konrad Krause. Gerade beim Kauf von vermeintlichen Schnäppchen wie E-Bikes für unter 1.000 Euro können Schwierigkeiten auf Sie zukommen. "Wenn ein Akku nach zwei Jahren mal ausgetauscht werden muss, halten Fachhändler die entsprechenden Bauteile lange vor. Beim Discounter könnten Sie richtig Probleme haben, entsprechenden Ersatz zu bekommen", betont unser Fahrradexperte.

Wichtige Fragen vor dem Radkauf - Wozu brauche ich das Rad (Vielfahrer/Wenigfahrer)?
- Wieviel Geld möchte und kann ich ausgeben?
- Kann ich kleinere Reparaturen selbst erledigen?
- Muss es das neueste Modell sein?

 Haben Sie die Antworten auf diese Fragen, dann  können Sie schon ziemlich gut selbst einschätzen, ob sich der Weg zum Fachhändler lohnt, oder ob es auch das Discounterrad tut. Sollten Sie eine genaue Beratung in Sachen Radtyp (z.B. City-oder Mountainbike), Rahmengröße, Bereifung oder ähnliches brauchen, lassen Sie sich beim Fachhandel beraten. Hier können Sie das Rad auch ausprobieren und vergleichen.

Fachchinesisch beim Fachhändler?

Viele scheuen den Weg in ein großes Fahrradgeschäft, weil sie das Angebot überfordert oder sie Angst haben, als komplett unwissend enttarnt zu werden. Und es kann tatsächlich passieren, dass der Verkäufer Ihnen die Namen und Typenbezeichnungen von Baugruppen und speziellen Superextras um die Ohren haut. Sobald Sie merken, dass Sie nicht ernst genommen werden, suchen Sie sich einen Händler, der sich für eine richtige Beratung inklusive Probefahrt Zeit nimmt und alle Ihre Fragen ausführlich beantwortet. Gute Händler stellen das Rad selbstverständlich individuell ein und korrigieren auch mal zwischendurch oder checken Ihr Rad kurz vor einem längeren Trip.

Fazit
Discounter bieten auch beim Fahrradkauf günstige Preise. Doch dafür müssen Sie ein paar Abstriche machen. Sie erhalten das Rad oft nur vormontiert, müssen Bauteile selbst montieren oder einstellen. Eine Probefahrt vor Ort ist häufig nicht möglich. Ohne richtige Beratung bleibt das ein Kauf mit Risiken. Wollen Sie wirklich viel Zeit auf dem Rad verbringen, dann informieren Sie sich umfassend und lasse Sie sich nicht von vermeintlichen Super-Angeboten unter Druck setzen.

Tipps rund ums Fahrrad

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 03. Juni 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2019, 00:10 Uhr