Umschau-Quicktipp Fische als Haustiere: So richten Sie das Aquarium richtig ein

Mit einem Aquarium holt man sich ein Stück Natur nach Hause. Gerade für Kinder schafft man so die Möglichkeit, die Verhaltensweisen von Tieren zu beobachten und sich um sie zu kümmern. Damit der Lebensraum für die Tiere so naturnah wie möglich wird, ist es wichtig, zunächst zu überlegen: Wie viel Platz habe ich für ein Aquarium und welche Fische möchte ich halten? Abhängig davon, welche Fischarten zu Hause einziehen sollen, muss die Größe des Aquariums bemessen werden. Einige Fische fühlen sich nur im Schwarm mit mindestens fünf Tieren wohl. Andere begnügen sich zwar mit nur einem Artgenossen, bilden jedoch Reviere und brauchen dementsprechend viel Platz.

Nicht zu klein anfangen!

Aquarium
Bildrechte: imago/Gottfried Czepluch

Ein zu kleines Becken führt dann schnell zu Problemen, auch, was das Entstehen der idealen Wasserbedingungen durch Pflanzen und Bakterien im Ökosystem angeht. "Je kleiner das Becken, umso komplizierter ist es eigentlich, denn größere Becken mit mehr Wasser verzeihen auch mal einen Fehler und gleichen schlechte Wasserwerte schneller wieder aus", sagt Enrico Rübestahl. Er ist Vorsitzender des Aquarienvereins Chemnitz. Im Handel werden so genannte "Nano Cubes" als Einsteigersets angeboten. Diese Becken, teilweise nur mit 20 oder 30 Litern Fassungsvermögen, sind für die meisten Fischarten viel zu klein. Sie eignen sich eher für die Haltung von Krebsen oder Garnelen. Für Anfänger empfiehlt sich ein Süßwasser-Aquarium ab etwa 110 Liter Fassungsvermögen. Salzwasseraquarien sind im Unterhalt meist teurer und aufwändiger und daher für Anfänger eher ungeeignet.

Starter-Sets für Anfänger erhältlich

Im Zoohandel gibt es Starter-Sets, die gerade für Anfänger ideal sind und die Grundausstattung für das Aquarium enthalten. Je nach Größe und Ausstattung sind sie ab 80 Euro erhältlich, oft müssen aber einzelne Bestandteile trotzdem noch zugekauft werden. Wer sich die Komponenten lieber selbst zusammenstellen möchte, ist laut der Schätzung von Aquarien-Experten Enrico Rübestahl mit etwa 200 bis 250 Euro dabei.

Das gehört zur Einrichtung eines Aquariums:

Aquarium:
Das Glasgefäß an sich gibt es in verschiedenen Abmessungen, auch dreieckige Varianten für Raumecken sind erhältlich. Auf den Boden des Aquariums kommt dunkler Kies oder Sand, der den Pflanzen Halt und den notwendigen Bakterien Lebensraum gibt. Den Fischen dient er als Orientierung.

Pflanzen:
Wasserpflanzen sind nicht nur Zierde, sie gehören dringend zum Ökosystem eines Aquariums dazu. Sie filtern bestimmte Schadstoffe wie Stickstoff aus dem Wasser, erzeugen Sauerstoff und dienen den Fischen als Versteckmöglichkeit. Etwa 60 Prozent des Bodens sollten mit Pflanzen bedeckt werden.

Aquarium
Bildrechte: imago images/Ardea

Pumpe und Filter:
Sie erfüllen mehrere Aufgaben. Das Wasser aus dem Becken wird herausgepumpt, über diverse Filtermedien, wie Schwämme und Steine, an denen sich Filterbakterien anlagern, gereinigt und wieder zurück ins Becken gepumpt. Das ist wichtig, um dem Wasser Schadstoffe wie Nitrit oder Ammonium zu entziehen. Außerdem sorgt die Pumpe dafür, dass das Wasser in Bewegung bleibt und dadurch mit Sauerstoff angereichert wird. Zudem mögen viele Fische die Strömung, die dabei entsteht. Es gibt Innen- und Außenpumpen. Außenpumpen nehmen weniger Platz im Aquarium weg, weil nur ein dünnes Rohr darin befestigt werden muss und das gesamte Filtermaterial außen untergebracht wird. Allerdings muss dafür dann auch der entsprechende Platz unter oder neben dem Aquarium da sein. Außenfilter sind meist etwas teurer als Innenfilter, dafür effizienter, müssen seltener gereinigt werden und lohnen sich für Becken ab etwa 100 Litern.

Beleuchtung und abdunklende Rückwand:
Das Aquarium sollte nicht zu viel Sonnenlicht abbekommen, weil sich im Wasser sonst Algen bilden können. Eine Rückwand auf der Seite, die dem Fenster zugewandt ist, ist daher empfehlenswert. Allerdings benötigen die Fische und auch die Pflanzen dringend Licht, um zu leben. Im Fachhandel gibt es Lichtstäbe aus verschiedenen Leuchtmitteln und in verschiedenen Farbtemperaturen, die direkt in die Abdeckung des Aquariums eingebaut werden können. Die Beleuchtung sollte mittels Zeitschaltuhr möglichst dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus der Tiere angepasst werden.

Heizung:
Je nachdem, welche Fische das Aquarium bewohnen sollen, ist zumindest für die kühlere Jahreszeit ein Heizstab notwendig. So benötigen viele der beliebtesten Fischarten wie Salmler oder Platys Wassertemperaturen von 25 bis 27 Grad Celsius. Teilweise ist die Heizung auch schon in Pumpen integriert.

Deko-Steine und -Wurzeln:
Die meisten Fischarten lieben es, sich ab und an zu verstecken; einige, wie Welse, verbringen Stunden in ihren Höhlen. Steine und Wurzeln sind deshalb unbedingt notwendig, um den Tieren eine artgerechte Haltung zu ermöglichen. Nicht alle Materialien können dafür verwendet werden, weil sie teilweise Mineralien und Nährstoffe an das Wasser abgeben, die den Fischen schaden können. Im Zoohandel gibt es spezielle Produkte zu kaufen. Wer die Materialien selber in der Natur suchen möchte, sollte sich genau informieren, ob und unter welchen Umständen der Einsatz im Aquarium möglich ist.

Futter und Futterautomaten:
Ein- bis dreimal am Tag sollten die Fische gefüttert werden, und zwar immer nur so viel, wie sie innerhalb von zwei Minuten fressen können. Wird zu viel gefüttert, bleiben Futterreste im Wasser, und die können die Wasserwerte belasten. Im Fachhandel gibt es fertig zusammengestellte Futterpräparate und, je nach Vorlieben der Fische, Lebendfutter oder Frostfutter zu kaufen. Wer sich das Füttern erleichtern möchte oder es im Urlaub nicht anderen aufbürden will, kann sich einen Futterautomaten zulegen, der dann automatisiert in festgelegten Abständen Futter ins Wasser gibt. Sie kosten ab zehn Euro.

Einlaufzeit ohne Fische wichtig

Bevor die Fische einziehen können, wird das Aquarium zunächst komplett eingerichtet, mit Pflanzen bestückt und mit Wasser gefüllt – und dann beginnt die "Einlaufzeit". Noch sind im Wasser keine oder zu wenige Bakterien enthalten, um Schadstoffe wie Nitrit oder Ammonium abzubauen. Diese Bakterien müssen sich über die ersten Wochen erst im Filter und im Bodengrund ansiedeln. In dieser Zeit sollten die Wasserwerte regelmäßig kontrolliert werden, entweder mit Teststreifen oder Messgeräten zuhause oder bei Wassertests im Zoogeschäft. "In der Anfangszeit ist wirklich Geduld gefragt. Man sollte lieber ein paar Tage länger warten, bis man die Fische einsetzt", sagt Enrico Rübestahl. Nach zwei bis vier Wochen dürften die Wasserwerte gut genug sein, um die Fische einzusetzen. Von nun an reguliert sich das Ökosystem weitestgehend von selbst, allerdings sollten die Wasserwerte trotzdem hin und wieder kontrolliert werden, damit pH-Wert und Schadstoffwerte im Normbereich bleiben und die Fische die Bedingungen vorfinden, die sie benötigen.

Ein Zentimeter Fisch auf zwei Liter Wasser

Aquarium - Tuxedo Swordtail Fish - xiphophorus helleri tuxedo
Bildrechte: imago/Anka Agency International

Die Anzahl der Fische, die in einem Becken zusammenleben dürfen, ist begrenzt. Als Faustregel gilt: ein Zentimeter Fisch auf zwei Liter Wasser. Da viele Fische im jungen Zustand verkauft werden, sollte einberechnet werden, wie groß das einzelne Tier werden kann. Zudem sollten etwa 20 Prozent vom Beckenvolumen für Bodensubstrat und Pflanzen abgezogen werden. Generell ist es besser, eher weniger Tiere in ein Aquarium zu setzen als zu viele. Bei der Zusammenstellung der Tiere ist wichtig, dass die Arten alle ungefähr die gleichen Anforderungen an Wassertemperatur und -werte haben und sich gegenseitig vertragen. Aquarien-Experten in Zoohandlungen oder in Aquaristik-Vereinen beraten, wie der Fischbesatz im Einzelfall aussehen könnte und geben Hinweise zur Haltung der einzelnen Arten.

Pflegeaufwand in bestehendem Aquarium gering

Wenn das Aquarium erst einmal läuft, sind die Hauptaufgaben der regelmäßige Wasserwechsel und das Säubern von Scheiben und Bodengrund. Insgesamt dürfte der Pflegeaufwand bei maximal zwei Stunden pro Woche liegen und damit weit niedriger als bei den meisten anderen Haustieren. Auch die Unterhaltskosten halten sich im Rahmen: Es fallen für Heizung, Pumpe und Licht Stromkosten an und auch der Wasserverbrauch wird etwas ansteigen. Außer Futter und gelegentlich neuen Fischen oder Pflanzen muss aber ansonsten nichts investiert werden.

Fazit: Klassische Anfängerfehler vermeiden

Laut Enrico Rübestahl vom Aquarienverein Chemnitz gibt es im Wesentlichen drei Anfängerfehler:

  1. Falscher Standort mit zu viel direkter Sonneneinstrahlung – das fördert das Algenwachstum
  2. Zu viel Futter – gerade am Anfang muss sich erst das Ökosystem aufbauen. Zu viel Futter bringt Schadstoffe ins Wasser.
  3. Zu viele Fische – das entspricht keiner artgerechten Haltung und führt mitunter zu Aggressivität unter den Fischen.

Wer sich die Einrichtung des Aquariums und die Haltung der Fische jedoch gut überlegt, wird recht schnell das neue, beruhigende und entschleunigende Element in seiner Wohnung zu schätzen wissen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 09. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 00:10 Uhr