Umschau-Quicktipp Hundeführerschein: Wer muss ihn machen?

Australischer Treibhund läuft neben junger Frau auf Hundetainingsplatz über eine Hängebrücke. 1 min
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Hundehalter, die einen Hundeführerschein ablegen, bekommen damit zweierlei: Erstens haben Sie bei Bedarf eine Bescheinigung, dass Sie sicher mit Ihrem Hund umgehen können und dass dies auch von kompetenter Stelle geprüft wurde. Zweitens erwerben die Halter für sich selber die Erfahrungen und das richtige Handwerkszeug, sicher und gefahrlos mit ihrem Hund umzugehen - vor allem im öffentlichen Raum. Nach bestandener Prüfung sollten die Halter in der Lage sein, ihren Hund so zu halten und zu führen, dass er für niemanden eine Gefahr darstellt. Der Führerschein kommt also allen zu Gute: der Öffentlichkeit, dem Besitzer und natürlich auch dem Hund, der von einem sicher und souverän agierenden Herrchen/Frauchen geführt wird.

Was der Hundeführerschein beinhaltet

Drei Themen sind beim Führerschein wichtig:

Sachkenntnisse des Hundehalters:
Was weiß er über das Verhalten des Hundes in verschiedenen Situationen, bei Krankheiten oder bei stressigen äußeren Einflüssen?

Hund mit Gieskanne in der Schnautze
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Gehorsamkeit des Tieres:
Welche Kommandos muss es befolgen können? Wie bringt der Hundehalter ihm diese Kommandos bei, wie reagiert der Halter auf falsches Verhalten?

Sozialverträglichkeit des Tieres:
Wie verhält sich gegenüber Artgenossen, Bekannten und Fremden? Wie reagiert es auf Kinder? Wie gut ist es in Stresssituationen abrufbar?   

Wer einen Hundeführerschein braucht

Bis jetzt ist der Hundeführerschein nur in Niedersachsen für jede Art Hund Pflicht. Alle anderen Bundesländer haben ganz individuelle Regelungen für einen Führerschein beziehungsweise einen sogenannten Sachkundenachweis. Dabei müssen diese beiden Papiere unterschieden werden: Der Hundeführerschein, der meist einen Sachkundeschein enthält, kann bei verschiedenen Verbänden und Organisationen abgelegt werden. Das geschieht oft auf freiwilliger Basis. Pflicht hingegen ist der Sachkundenachweis für Besitzer von sogenannten Listen- oder Kampfhunden. Und die Anforderungen dafür werden ausschließlich von der jeweiligen Landestierärztekammer festgelegt. Je nach Bundesland muss solch ein Sachkundenachweis beim zuständigen Ordnungsamt vorlegt werden, wenn ein Listenhund in der Gemeinde angemeldet werden soll.

In Mitteldeutschland gelten folgende Regeln:

American Staffordshire-Terrier
American Staffordshire Terrier Bildrechte: imago/Manja Elsässer

Sachsen: Für Listenhunde, wie zum Beispiel dem American Pitbull Terrier, Staffordshire Bullterrier oder dem American Staffordshire Terrier, brauchen Sie einen Sachkundenachweis und müssen bei der Anmeldung als Besitzer des Tieres volljährig sein.

Sachsen-Anhalt: Es gelten die gleichen Anforderungen für Listenhunde wie in Sachsen. Außerdem verlangen die Behörden hier noch einen Wesenstest, bei dem nachgewiesen wird, dass der Hund ein sozialverträgliches Verhalten zeigt.

Thüringen: Hier gibt es seit 2019 keinerlei Vorgaben oder Beschränkungen mehr, auch nicht für Listenhunde. Nur Besitzer von Hunden, die schon einmal auffällig geworden sind und aggressives Verhalten gezeigt haben, müssen einen Sachkundenachweis vorlegen.

Für alle drei Bundesländer gilt: Ein Hundeführerschein ist nicht zwingend erforderlich.

Wie Sie sich auf den Führerschein vorbereiten

In speziellen Kursen lernen Frauchen und Herrchen, wie sie ihrem Hund bestimmte Kommandos wie "Sitz" und "Fuß" beibringen, wie der Hund richtig an der Leine geführt wird und wie sie sich in Extremsituationen verhalten sollen.

Praktisch werden dabei Alltagssituationen wie ein normaler Spaziergang geübt. Wie verhält sich das Tier richtig in der Stadt, etwa mit hohem Verkehrsaufkommen? Wie ist die Situation im Wald mit "tierischen" Reizen? Besonders wichtig dabei ist das Rückruftraining: Wie also hört Ihr Hund auf Sie, wenn er durch andere Einflüsse abgelenkt oder gereizt wird?

Theoretische Fragen über Abstammung, Verhalten und richtige Ernährung des Hundes können Sie ebenfalls in solchen Kursen lernen - oder auch in verschiedenen Online-Angeboten.

Aufwand und Kosten

Eine Tierärztin schaut in das Maul eines Hundes.
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Viele Verbände, Vereine - und vor allem auch Hundeschulen - bieten Vorbereitungskurse an. Oft kann auch Ihr Tierarzt die Ansprechpartner vermitteln. Große Vereine und Verbände wie etwa der Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V. (BHV), der Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH) oder auch die Hundeschulen Arbeitsgemeinschaft e.V. (HSAG) bieten Vorbereitungskurse und Prüfungen an.

Dabei müssen Sie mit Kosten von 75 bis 100 Euro für einen Vorbereitungskurs rechnen. Darin sind Theorie und praktische Übungen auf dem Hundeplatz enthalten. Für die Prüfung kommen nochmal zwischen 40 und 100 Euro auf Sie zu, je nach Anbieter und Umfang der Prüfung. Achtung: Es geht mitunter auch deutlich teurer. In diesen Fällen sollten Sie sich genau informieren und abwägen, ob es Ihnen das wert ist. Da die Prüfungen und Anforderungen für den Hundeführerschein nicht einheitlich sind, erkundigen Sie sich also am besten im Vorfeld nach einem kostengünstigen aber trotzdem seriösen Anbieter.

Bei einigen Anbietern müssen in der theoretischen Prüfung nur zehn Fragen beantworten, bei anderen sind es bis zu vierzig Fragen. Im praktischen Teil werden Sie dann in entsprechenden Situationen von einem Hundesachverständigen begleitet und beobachtet.

Fazit
Als Hundebesitzer brauchen Sie, außer in Niedersachsen, derzeit keinen Hundeführerschein. Gerade wenn Sie das erste Mal einen Hund haben, lohnt es sich aber rund 100 bis 200 Euro in Lehrgang und Prüfung zu investieren. Sie lernen so den sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Ihrem Hund. Das kommt Ihnen, der Allgemeinheit und nicht zuletzt Ihrem Hund zu Gute. 

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Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 05. Juni 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2019, 00:10 Uhr