Umschau-Quicktipp Wie gut sind raucharme Holzkohle-Grills?

Raucharme Grills sollen zwei Dinge auf einmal können: Sie werden mit Holzkohle betrieben, auf die viele Hobby-Griller großen Wert legen. Gleichzeitig soll bei diesen Grills kein lästiger Qualm entstehen, der Nachbarn oder Umstehende stört. Damit können diese Geräte laut ihren Herstellern auch bequem auf jedem Balkon betrieben werden. Raucharme Grills gibt es für deutlich über 100 Euro von Markenherstellern und für deutlich weniger Geld beim Discounter. Wir haben uns von einem Grillprofi beraten lassen.

Wie funktionieren raucharme Grills?

Glühende Holzkohle
Bildrechte: imago images / Frank Sorge

Sie sind nicht viel größer als ein Reiskocher und nur wenige Kilogramm schwer. Damit können sie auch leicht transportiert werden, etwa zum Grillen mit Freunden im Park oder am Strand. Durch die doppelwandige Konstruktion sind die raucharmen Grills auch für den Balkontisch geeignet, weil sie vergleichsweise wenig Wärme nach unten abstrahlen. Die Grills sind so aufgebaut, dass sich im besten Fall auf dem Holzkohlebehälter ein Deckel befindet, so dass möglichst kein Fett in die Glut tropfen kann. "Der störende Rauch entsteht, wenn das Fett aus Fleisch, aus Würsten und der Marinade hinunter tropft in die Kohle und dann verbrennt", sagt Andreas Bräuer von der 1. Deutschen Grill- und BBQ-Schule Erfurt. Die Holzkohle selbst sei nicht die Ursache für den Rauch. "Der ist ja auch verflogen, wenn die Holzkohle angezündet ist und eine Weile gebrannt hat", sagt unser Experte. Abtropfendes Fett wird bei dieser Art Grill in einer Edelstahlschale aufgefangen, die mit Wasser befüllt wird. Das erleichtert das Saubermachen.

Wie raucharm sind die Grills in der Praxis tatsächlich?

drei raucharme Holzkohlegrills
Diese drei raucharmen Holzkohlegrills wurden vom WDR getestet. Bildrechte: WDR

Beim 110 Euro teuren Spitzenmodell von Lotus ist der Holzkohlbehälter in der Mitte mit einer Platte abgedeckt. Zudem sorgt der Hersteller dafür, dass die Kohle möglichst schnell brennt: Ein Behälter mit maximal 250 Gramm Holzkohle wird mit Hilfe von Brennpaste und der Luft eines batteriegetriebenen Ventilators in wenigen Minuten auf Betriebstemperatur gebracht. Das klappte in einem Praxistest des WDR sehr gut: Es entstand nur minimal Rauch und die Hitze reichte für das gegrillte Steak. Grillprofi Andreas Bräuer kennt den Lotus-Grill auch gut und lobt dessen wertige Konstruktion: "Bei diesen Geräten gibt’s zudem immer noch Service-Leistungen vom Hersteller dazu und wenn da mal ein Lüfter ausfällt oder ein Drehknopf abgeht, kann das als Service-Leistung ersetzt werden. " Das hat aus seiner Sicht auch etwas mit ökologischem Bewusstsein zu tun. Außerdem sei die Tragetasche hitzebeständig konstruiert, so dass die Grills auch gut transportiert werden kann. Aldi verkaufte im letzten Jahr eine Kopie des Lotus-Grills für gerade mal 40 Euro – die in einem Test des Magazins CHIP ähnlich gut abschnitt wie das Original. Nur der Rost war laut den Testern etwas kleiner als beim teureren Vorbild.

Mittelklasse mit Qualitätsproblemen

Der 90 Euro teure Bruzzzler von Grillerette Classic konnte im WDR-Test zumindest teilweise überzeugen. Der Kohlebehälter ist auch bei diesem Grill abgedeckt, das Gerät schnell einsatzbereit. Damit entsteht vergleichsweise wenig Rauch. Allerdings verzog sich der Edelstahl-Rost des Grills im Praxistest sehr schnell. Zudem überzeugte die Tester die Hitzeverteilung nicht: Nur am Rand wurde der Grill heiß genug. Vom Kingstone Holzkohlegrill Easy 32 für knapp 40 Euro raten die Tester eher ab: Der Kohlebehälter war bei diesem Grill nicht abgedeckt und es entstand schnell starker Qualm. Außerdem stimmte die Hitzeverteilung nicht. Nur die Mitte wurde heiß. Wurden Würste und Steak aber dort gegrillt, entstand durch herabtropfendes Fett gleich wieder starker Qualm.

Fürs gemütliche Grillen

Die raucharmen Geräte wirken mit ihren rund 30 Zentimeter großen Rosten nicht so, als könne man damit eine Großfamilie innerhalb von Minuten mit Grillgut versorgen. Dafür sind sie aus Sicht unseres Experten auch gar nicht gemacht. "Wenn man sich Zeit lässt und nacheinander produziert, reicht eine Holzkohle-Füllung auch eine dreiviertel Stunde", sagt Andreas Bräuer. Bei guter Wärmeverteilung könne man damit sechs bis acht Personen satt zu machen. Nur habe eben nicht jeder gleich sofort seine Wurst. Einschränkungen beim Geschmack müsse niemand befürchten. "Sie werden weder zum Standardgrill mit Holzkohle noch zum Gasgrill und auch nicht zum Elektrogrill geschmackliche Unterschiede feststellen", sagt Andreas Bräuer. Er räumt zudem mit dem Gerücht auf, nur Holzkohle bringe das unverwechselbare Aroma ins Grillgut. "Diesen Holzkohle-Geschmack gibt es nicht. Es sei denn, jemand ist in der Lage, Holzkohle zu schmecken", sagt Andreas Bräuer. Gut verkohte Holzkohle enthalte kein Holz mehr, und nur die bringe Aroma.

"Holzkohle-Experten grillen besser"

Unser Profi-Griller hat noch zwei Tipps für die kommende Grillsaison: Wer im Laden etwas Zeit für die Suche nach der richtigen Holzkohle investiere, könne dann später beim Grillen eine gleichmäßigere Hitze erzeugen. "Man kann den Sack mit der Kohle in die Hand nehmen und den Unterboden leicht in der Hand tanzen lassen. Wenn man am Boden weniger das Gefühl von Zucker und mehr von Stücken hat, ist das erstmal gut verkohlte Holzkohle", sagt Andreas Bräuer. Er rät zudem zur "Klangprobe": "Man schüttelt die Holzkohle im Sack neben dem Ohr und lässt sie kullern. Wenn es dabei einen hellen Klang gibt, ist es auch gute Kohle und man bekommt gleichmäßige Hitze", sagt unser Experte. Wer über den Kauf eines neuen Grills nachdenke, könne grundsätzlich auch überlegen, ob es ein Modell mit Deckel sein soll: "Der ermöglicht ein besseres Steuern der Hitze, das Ganze ist nicht so windanfällig und es gelangt keine Asche aufs Grillgut. Dann erweitert sich das Repertoire der Dinge, die man grillen kann, um 95 Prozent", sagt Andreas Bräuer. Von Pizza über gegrilltes Eis bis hin zu großen Fleischstücken oder Fischen sei alles drin.

Fazit

Raucharme Grills erzeugen in der Regel aufgrund der Bauweise tatsächlich weniger Rauch. Der abgedeckte Holzkohlebehälter verhindert, dass abtropfendes Fett in der Glut verdampft. Der Unterschied zwischen dem teuren Markenmodell und den günstigen Kopien liegt vor allem in der Hitzeverteilung. Bei günstigeren Modellen ist diese nicht immer gleichmäßig, ergaben Tests. Geschmackseinbußen müssen Nutzer allerdings nicht hinnehmen, und mit etwas Geduld können auch größere Gruppen mit Grillgut versorgt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 24. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2019, 00:10 Uhr