Umschau-Quicktipp Ebay-Kleinanzeigen: So handeln Sie sicher im Netz

So funktioniert es

Im Grunde ist ebay-Kleinanzeigen ein Flohmarkt im Internet. Ebay stellt dabei lediglich die Plattform zur Verfügung. Im Unterschied zum klassischen ebay-Verkauf fallen bei den Kleinanzeigen für Sie als Verkäufer im Normalfall keine Gebühren an. Sie geben direkt den von Ihnen gewünschten Preis für Ihre Ware ein und los geht‘s. Im besten Fall werden die Geschäfte mit Barzahlung direkt von Käufer zu Verkäufer abgewickelt und die Ware persönlich übergeben. Erst wenn Sie mehr als 50 Anzeigen in 30 Tagen einstellen, bezahlen Sie eine kleine Gebühr in Höhe von 0,95 Euro.

Gewerblich oder Privat

Wichtig für Sie als Verkäufer ist die Frage, ob Sie rein privat verkaufen oder die Sache gewerblich betreiben, denn dann kann das Finanzamt Ihnen das als Einnahmequelle anrechnen. Es werden unter Umständen Steuern fällig. Die Unterschiede sind im Normalfall klar zu erkennen:

Privatkäufer/Verkäufer veräußern nur ab und zu Dinge, die sie nicht mehr brauchen, oft nur als Einzelstücke oder in kleinen Stückzahlen. Und Sie kaufen nur Dinge, die sie für sich selbst oder als Geschenk wollen, aber nicht, um sie weiter zu verkaufen.

Gewerbliche Händler kaufen und verkaufen regelmäßig größere Posten, die auch mal durchweg aus Neuware bestehen können. Sie bieten oftmals immer wieder die gleichen oder ähnliche Produkte an. In der Regel sind sie gleich mit vielen Angeboten online.

Wenn Sie sich bei ebay-Kleinanzeigen anmelden, müssen Sie angeben, ob Sie privat oder gewerblich handeln. Das ist einerseits fair gegenüber Ihren Handelspartnern, damit die wissen, mit wem sie es zu tun haben. Andererseits werden die Fragen von Gewährleistung und Rückgaberecht bei gewerblichen Händlern viel strenger geregelt. Sind Sie sich nicht sicher, in welche Kategorie Sie zählen, fragen Sie bei ebay nach.

So verkaufen Sie richtig

Bieten Sie Ihre Ware klar, eindeutig und transparent an. Geben Sie alle Daten an, die wichtig sind, wie z.B. Farbe, Größe, Herstellungsjahr und natürlich den aktuellen Zustand. Schreiben Sie, warum Sie den Artikel verkaufen. "Verschweigen Sie keine Mängel oder Gebrauchsspuren, geben Sie alles ehrlich an. Wenn Sie mit Neuware werben und dann fährt ein Interessent 50 Kilometer weit und stellt fest, Ihr Angebot ist doch schon ganz schön abgenutzt, dann kann er von Ihnen die Fahrtkosten einfordern", warnt Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Er rät bei der Bebilderung der Handelsware: "Fotografieren Sie selbst, verwenden Sie keine Bilder aus dem Internet. Damit könnten Sie Urheberrechte verletzen und das kann teuer werden. Textbausteine aus Gebrauchsanweisungen sind dabei nicht so problematisch, da die kaum einen kreativen Inhalt haben." Auf der sicheren Seite sind Sie aber immer, wenn Sie in Ihren eigenen Worten schreiben.

Neben einer neueren Tastatur liegt eine ältere Kamera.
Bildrechte: Colourbox.de

Verkaufen Sie nur Geräte, von denen Sie überzeugt sind und wissen, dass diese einwandfrei funktionieren – oder Sie geben ehrlich an, dass ein Gerät eventuell defekt ist. Werben Sie mit falschen Aussagen oder verschweigen Mängel, können Sie dafür haftbar gemacht werden. Im Ernstfall zieht ihr Kunde vor Gericht und verlangt Schadenersatz. Das kann auch bei niedrigpreisigen Produkten mit hartnäckigen Käufern durch Gerichts- und Anwaltskosten richtig teuer werden.

Klare Preise

Preisen Sie Ihre Produkte eindeutig aus. Haben Sie ein Konvolut, also eine Sammlung von Einzelstücken, anzubieten, dann ist es irreführend, auf der Startseite einen Preis von einem Euro anzugeben und dann im Kleingedruckten zu erklären, dass die Einzelpreise Verhandlungssache sind. Auch das kann im Ernstfall gegen Sie verwendet werden. Es ist auch nicht zulässig, den Preis für ein und dasselbe Produkt immer höher zu treiben, nur weil Sie merken, dass es begehrt ist. In der Praxis kommen Sie nur solange damit durch, bis Sie einem Interessenten eine schriftliche Zusage gemacht haben oder eine Vereinbarung vor Zeugen getroffen wurde. "Und da reicht auch schon eine E-Mail, in der Sie den Preis vereinbart haben. Danach geht es rechtlich nicht mehr, den Preis doch nochmal hoch zu treiben", so Michael Hummel. Sollte Ihnen ein potenzieller Käufer ein schriftliches Angebot für Ihre Ware machen, ist das ein bindendes Angebot. Dazu nochmal unser Experte Michael Hummel: „Sie sind dann in einer Vorvertragsverhandlung. Der Preis, der hier vereinbart wurde, kann nicht von nur einer Seite später korrigiert oder neuverhandelt werden."

Ihre Gewährleistungspflicht

Sie können in Anzeigen immer wieder lesen, dass es sich um einen privaten Verkauf handelt und dadurch keine Ansprüche auf Garantie oder Gewährleistung bestehen. "So ist das aber nicht wirklich", sagt Experte Michael Hummel: "Als Verkäufer haben Sie immer eine Gewährleistung anzubieten. Das gilt nur dann nicht, wenn Sie nur ab und zu ein einzelnes Produkt verkaufen." Dazu müssen Sie aber extra auf diesen Umstand hinweisen und dann auch nur mit dieser Formulierung: "Ich schließe jede Haftung für Sachmängel aus." Wenn der Käufer glaubt, er kauft ein intaktes Produkt und dann funktioniert es nicht, sind Sie als Verkäufer natürlich in der Pflicht. Hat die Ware also Mängel, die Sie nicht genannt haben, müssen Sie Schadenersatz leisten. Sie müssen aber nicht garantieren, dass das Produkt lange hält oder ähnliches. Bei Verkäufen über mehrere hundert Euro sollten Sie immer einen Augenzeugen bei der Übergabe dabei haben. Führen Sie das Produkt und seine Funktion am besten vor.

So kaufen Sie richtig

Auch als Käufer müssen Sie in Sachen Preis und Kaufzusage fair sein. Haben Sie also mit dem Verkäufer beides vereinbart, sind Sie auch verpflichtet, die Ware so zu kaufen. Allerdings: "In der Praxis ist schwer nachzuweisen, dass Sie telefonisch einem Kauf zugesagt haben. Wenn Sie es sich kurze Zeit später anders überlegen, hat der Verkäufer schlechte Karten, Sie zum Kauf zu zwingen", so unser Experte. Sollte eine Ware nicht so bei Ihnen ankommen, wie sie beschrieben wurde, haben Sie das Recht, sie zurückzuschicken. In der Praxis haben Sie aber gerade bei privaten Händlern und kleineren Preisen oft das Nachsehen und müssen entscheiden, ob sich ein gerichtlicher Kampf gegen unfaire Verkäufer lohnt. Das gilt auch bei eigentlich bindenden schriftlichen Zusagen. Wenn der Andere sich daran nicht halten will, geht die Klärung nur über den Anwalt. Neuerdings haben Sie wenigstens die Möglichkeit, miese, aber auch gute Verkäufer auf deren ebay-Seite entsprechend zu bewerten.

So bezahlen Sie sicher

Ein Mann gibt einem Anderen 50-Euro-Scheine
Bildrechte: imago/imagebroker

Am allerbesten und sichersten ist die Barzahlung. Lassen Sie sich immer bestätigen oder quittieren, dass Sie Ware bekommen oder übergeben haben, am sichersten nur von der Person, mit der Sie auch die Bezahlung abwickeln. Regeln Sie keine Geschäfte über dritte Personen. Lassen Sie sich nie mit Schecks bezahlen. Bei Überweisungen werden von Betrügern schon mal Kommas falsch gesetzt und auf Ihrem Konto landen statt 50 glatt 5.000 Euro. Dann bittet man Sie, das Geld zurück zu überweisen. Das ist ein beliebter Trick zur Geldwäsche, bei dem Sie sich unter Umständen mit strafbar machen. Sollte Ihnen soetwas unterkommen, informieren Sie am besten die betroffene Bank und die Polizei. Auch die vermeintlich sichere PayPal-Bezahlmethode hat ihre Tücken. Geben Sie dort deshalb ausschließlich die Zahlungsoption „Waren und Dienstleistung“ an. Nur in diesem Fall können Sie später auf den Käuferschutz von PayPal zugreifen. Zahlen Sie nur an Verkäufer, bei denen Verkäufer, Konto und Absender den gleichen Namen tragen. Andere Fälle können gut gehen, müssen es aber nicht.

Wo Sie Recht bekommen   

Im Grunde hält sich ebay bei Streitigkeiten komplett raus. Sie sind also, egal ob als Käufer oder Verkäufer, auf sich allein gestellt. "Das liegt einfach daran, dass ebay seine Kleinanzeigen eher als eine Art öffentliche Pinnwand versteht", so unser Experte von der Verbraucherzentrale. Nun gibt es, seit kurzem auch europaweit einheitlich, Angebote zur Streitschlichtung. Die online-Streitbeilegung der Europäischen Kommission soll Ihnen schnell und unproblematisch helfen. Die Vor- und Nachteile benennt Michael Hummel: "Das ist gut gedacht. Sie finden hier schnell einen sogenannten Ombudsmann oder auch Streitschlichter für Ihr Problem in Ihrem Gebiet. Aber: Die Teilnahme an so einem Schlichtungsverfahren ist freiwillig. Wenn der Andere nicht mitmachen will, kann ihn niemand zwingen." Hinzu kommt, dass der Spruch der Schlichtungsstelle für niemanden bindend ist, also auch nicht vor Gericht zählt. Dort müssen Sie aber hin, wenn Sie es mit einem Betrug oder einem unfairen Handel zu tun haben. "Aber auch von den Gerichten gibt es höchst unterschiedliche Urteile. Da können Sie sich nie auf vorangegangenen Prozesse verlassen", so der Experte.

Fazit

Ebay-Kleinanzeigen sind kein rechtsfreier Raum. Trotzdem können Sie hier übers Ohr gehauen werden und es danach schwer haben, Ihr Recht durchzusetzen. Handeln Sie als Verkäufer oder Käufer selbst immer fair, wickeln Sie die Bezahlung nur bar oder über ein Zahlsystem mit Kundenschutz ab. Bei größeren Summen nehmen Sie sich einen Zeugen mit zur Bezahlung und Übergabe der Ware. Prüfen Sie bei Problemen mit eher preiswerten Produkten, ob sich ein Rechtsstreit wirklich lohnt. Machen Sie von ihrer Möglichkeit Gebrauch, unseriöse Verkäufer auch dementsprechend zu bewerten beziehungsweise bei ebay zu melden.      

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 18. September 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2019, 00:10 Uhr