Umschau-Quicktipp Wanderschuhe: So finden Sie die richtigen Treter für Ihre Trekkingtouren

Vor jedem Kauf sollte klar sein, in welchem Terrain Sie die Schuhe überhaupt benutzten werden. Eine Einteilung, die von vielen Herstellern genutzt wird, ist das sogenannte Schuh-ABC, das auf den Unternehmer Alfons Meindl zurückgeht. Diese deckt vom Einsatz bei leichteren Wanderungen bis hin zum Bergesteigen alles ab.

Kategorie A: Es handelt sich dabei um leichte Wanderschuhe, meist Halbschuhe oder auch Multifunktionsschuhe, die auch für ausgedehnte Spaziergänge oder andere Outdooraktivitäten getragen werden können. Sie haben eine flexible Sohle, aber wenig Dämpfung. Sie kommen dann infrage, wenn man auf gut ausgebauten und ebenen Strecken mit wenig Gepäck wandert. Wird der Rucksack schwerer und die Strecken länger, brauchen Sie mehr Stabilität an den Füßen, da Muskeln und Bänder sonst ermüden. Sie könnten dann leicht umknicken.

Wanderinnen machen eine Pause im Gebirge
Bildrechte: IMAGO

Kategorie A/B: Modelle der Kategorie A/B sind knöchelhohe Leichtwanderstiefel. Sie eignen sich für Tagestouren auf weitgehend befestigten Wegen wie etwa in Mittelgebirgen. Durch ihr noch relativ geringes Gewicht bieten die A/B-Stiefel einen hohen Tragekomfort. Die Sohle ist etwas dicker als die der Kategorie A, aber noch in sich verdrehbar, also so weich, dass sie mit dem Gelände mitgeht. Das fühlt sich für den Fuß beim Laufen komfortabler an. 

Kategorie B: In die B-Kategorie fallen klassische Wander- oder Trekkingstiefel, die bis zum Knöchel reichen und auch auf anspruchsvolleren Touren getragen werden können. Sie erfüllen ihren Zweck auf ausgebauten, aber auch unbefestigten Bergstrecken und bieten durch den hohen Schaft guten Schutz vorm Umknicken. Das Begehen von vorhandenen Wegen im alpinen Gelände oder ausgedehnte Touren mit schwerem Gepäck ist mit B-Stiefeln gut möglich. Diese Modelle rollen noch gut ab, sind aber deutlich weniger verdrehbar, oder anders gesagt, sie sind verwindungssteifer als Leichtwanderstiefel. Je verwindungssteifer ein Wanderschuh ausfällt, desto anspruchsvoller kann das Terrain sein. Durch eine Zwischensohle sind die Schuhe gut gedämpft.

Outdoor und Trekking Stiefel,
Bildrechte: imago/Agentur 54 Grad

Kategorie B/C: Diese Schuhe sind schwerere Trekkingstiefel mit steifer Sohle und tiefem Profil. Sie haben einen hohen festen Schaft und dadurch eine noch höhere Stabilität. Diese Trekkingstiefel sind für Touren in unwegsamem, steilem Gelände geeignet. Sie schützen gerade auf steinigem Terrain auch die Haut an Füßen und Knöcheln. Bei den meisten Modellen können Steigeisen angelegt werden.

Kategorie C und D: Für das extreme Hochgebirge oder Bergtouren auf groben, steilen Untergründen abseits von Wegen taugen Bergstiefel beziehungsweise Expeditionsstiefel. Die Kategorie C ist dabei ohne Abstriche fürs Hochgebirge und selbst schlechteste Wege geeignet. Steigeisen können hier teilweise verwendet werden. Schuhe der Katgorie D sind verhältnismäßig schwer, sind aber extrem robust verarbeitet und voll steigeisentauglich. Sie sind für extremstes Gelände und für den Einsatz auf Expeditionen gedacht. Zum eigentlichen Wandern sind diese Schuhe nicht mehr geeignet, da sie in keiner Weise abrollen. Auf langen Strecken drohen Muskelschmerzen und Blasen.

Spezialfall Barfußwanderschuhe

Sie sind noch ein Nischenprodukt, aber für geübte Wanderer oder Läufer, die ihren Füßen am Ende eines langen Weges eine Erholung gönnen wollen, genau das richtige. Barfußwanderschuhe haben kein Gefälle im Inneren und keine Fußunterstützung sondern lediglich eine Sohle und ein dünnes Fußbett, welche den Fuß vor rauem und nassem Untergrund schützen. Der Schuh ermöglicht dabei ein fast natürliches Lauferlebnis. Achtung: Barfußschuhe sind nichts für eine Extremwanderung mit viel Gepäck. Wanderanfänger sollten damit zunächst maximal 15 Minuten am Tag und nur einen kleinen Restteil der Wanderung bestreiten. Es drohen sonst Zerrungen und Muskelkater. Zwischen 60 und 120 Euro müssen Sie für gute Barfußwanderschuhe ausgeben.

Synthetik oder Leder

Eine Anforderung, die unabhängig von der Wanderstrecke für alle Wanderschuhe gilt, betrifft vor allem das Fußklima. Damit Schuhe vor eindringendem Wasser geschützt werden, sind sie oft mit einer wasserdichten und atmungsaktiven Membran ausgestattet. So bleiben Füße selbst bei stundenlangen Regentouren trocken. Allerdings haben Schuhe mit Membranen auch Nachteile: An warmen oder heißen Tagen schwitzt man deutlich mehr als in einem membranfreien Schuh, da dann die Atmungsaktivität der Membran an ihre Leistungsgrenze kommt. Wer auf angenehmes Fußklima nicht verzichten möchte, aber dennoch so gut wie wasserdicht unterwegs sein will, kann alternativ auf einen Volllederstiefel ohne Membran ausweichen. Richtig gepflegt und gründlich mit Wachs imprägniert, halten sie problemlos einige Stunden im Regen trocken und bewältigen auch kurze Bachquerungen. Allerdings sind Volllederschuhe mit einem Preis ab 200 Euro oft teurer als Synthetikstiefel und zudem meist etwas schwerer am Fuß. Gute, halbhohe Wanderschuhe der Kategorie A bekommen Sie ab circa 130 Euro. Sie können aber abhängig von Ausstattung und Marke auch bis 180 Euro kosten. Zuverlässige A/B-Leichtwanderstiefel und B-Wanderstiefel gibt es ab circa 170 Euro, wobei ein moderner Textilschuh genau wie ein Lederschuh auch über 200 Euro kosten kann.

Tipps für den Einkauf

Bestellen Sie Wanderschuhe nicht im Internet. Gerade wenn Sie längere Wanderstrecken planen, muss der Schuh optimal sitzen. Deshalb müssen Sie die Schuhe ausgiebig anprobieren und testen. Lassen Sie sich dabei von einem Fachverkäufer beraten. Wanderschuhe kaufen Sie am besten am Nachmittag, weil die Füße im Tagesverlauf immer etwas anschwellen, was auch beim Wandern der Fall ist. Morgens kauft man unter Umständen eine Nummer zu klein. Zum Schuhkauf nehmen Sie Ihre persönlich bevorzugten Wandersocken mit, denn nicht jede Socken-Schuh-Kombination passt zueinander. Die Socken sollten atmungsaktiv sein, schnell trocknen und gut polstern. Tragen Sie keine Baumwollsocken, die speichern Schweiß und können Blasen verursachen. Kaufen Sie nie zu klein, lieber eine halbe bis eine Nummer größer.

Wer neue Wanderschuhe kauft, sollte genau überlegen, bei welchen Wetterbedingungen er wandert, in welcher Region und wie lange bzw. mit wieviel Gepäck er unterwegs sein wird. Entsprechend der genannten Modellkategorien wird dann eine zuverlässige Einordnung möglich. Bei immer mehr Markenherstellern gibt es mittlerweile verschiedene Leistensysteme, also beispielsweise schmale, normale, breite oder Spezialleisten wie etwa für den Hallux Valgus, einer krankhaften Fehlstellung der Zehen.

Richtig anprobieren

Damit der Schuh nicht drückt, Fersen sowie Knöchel Halt und die Zehen ausreichend Spiel haben, probieren Sie besser Modelle unterschiedlicher Anbieter. Fachgeschäfte bieten spezielle Wanderschuh-Teststrecken an. Dort können Sie auf verschiedenen Untergründen ansteigende beziehungsweise absteigende Passagen absolvieren und so das Verhalten der Schuhe am Fuß testen. Insgesamt muss der Schuh vor allem an der Ferse perfekt sitzen und gleichzeitig dürfen die Zehen nicht nach vorn in die Schuhspitzen hineinrutschen oder anstoßen. Moderne Wanderschuhe, egal ob aus Synthetik oder Leder, müssen nicht mehr eingelaufen werden, sie müssen von Anfang an passen. Man sollte keine Kompromisse eingehen, wenn der Schuh bereits im Laden nicht gut sitzt. Außerdem sollten Sie Ihre Schuhe vor der eigentlichen Tour einige Tage immer mal wieder anziehen und mit ihnen laufen, so bekommen Sie ein Gefühl dafür. Fragen Sie nach, ob es von Ihrem gewählten Modell spezielle Herren- oder Damenvarianten gibt. Der Bereich der Achilles-Sehne ist bei den Geschlechtern unterschiedlich gebaut. Damit der Schuh auch dort optimal passt, ist die Unterscheidung wichtig. Außerdem können Sie spezielle Schnürsysteme testen, mit denen sich einige Schuhe individuell an Ihre Füße anpassen.

Auch auf die Sohlen achten

Sohle löst sich beim wandern von dem Wanderschuh
Bildrechte: IMAGO

Wird ein Wanderschuh oft benutzt, läuft sich das äußere Sohlenprofil rasch ab. Wurde die Sohle direkt angespritzt, lässt sie sich weder reparieren noch auswechseln. Wer beim Kauf jedoch darauf achtet, dass ein Schuh neu besohlt werden kann, spart im Zweifel Geld. Für 50 bis 80 Euro je nach Aufwand und Modell können Sie eine neue Sohle anbringen lassen und kleinere Reparaturen beauftragen. Dazu nehmen Sie am besten Kontakt zum Hersteller auf und schicken den Schuh ein. Diesen Service übernehmen aber auch einige Outdoorgeschäfte für ihre Kunden.

Pflege

Grundsätzlich sollten Sie Wanderschuhe luftig und trocken lagern. Feuchte, Hitze und Kälte tun keinem Schuh gut. Zum Säubern der Schuhe nimmt man eine weiche Bürste und Wasser. Das stellt sicher, dass das Obermaterial nicht durch Schmutzpartikel in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch die Sohle gehört gereinigt, denn nur eine saubere Sohle ohne Verkrustungen garantiert den nötigen Halt beim Wandern. Schuhe trocknen am besten in einem warmen Raum. Wer die Einlegesohlen herausnimmt und Zeitungspapier hineinstopft, kann das Trocknen beschleunigen. Abzuraten ist es, feuchte Schuhe an der Heizung oder einer Feuerstelle zu platzieren, weil das Leder im Obermaterial so verhärtet. Der Schuh sitzt dann unter Umständen nicht mehr optimal. Das kann sich auf langen Wanderungen schmerzhaft bemerkbar machen. Schuhwachs hält Leder elastisch und Wasser ab. Öle und Fette eignen sich insofern nicht, da diese die Luftdurchlässigkeit des Leders verhindern, indem sie die Poren verstopfen. Synthetisches und textiles Material bedarf weniger Pflegeaufwand, dennoch muss es auch gereinigt und imprägniert werden. Hier hält der Handel Sprays oder Pasten bereit. Die Imprägnierung wirkt am besten, wenn sie einige Stunden vor dem Einsatz der Schuhe erfolgt.

Nichts hält ewig

Gute Wanderschuhe sollten bis zu 800 Kilometer Lauftrecke locker wegstecken. Wenn Sie eher kurze Wege im Urlaub absolvieren, dann sollten die Schuhe gute fünf bis sieben Jahre halten. Wichtig: Mit der Zeit zeigen sich auch bei den besten Modellen Ermüdungserscheinungen an den Nähten oder den Kunststoffen von Sohle und Oberschuh. Prüfen Sie also rechtzeitig vor der nächsten Tour, ob Ihr guter "alter" Wanderschuh wirklich noch etwas taugt.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 06. September 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2019, 00:10 Uhr