Umschau-Quicktipp Gepäck am Fahrrad verstauen: Welche Tasche ist die richtige?

Junger Mann fährt mit seinem Mountainbike der Marke - Bauer 1 min
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Welche Tasche soll es sein?

Je nach Zweck kann man sich für Taschen unterschiedlicher Machart und aus verschiedenen Materialien entscheiden. Wer die Tasche braucht, um seine Utensilien für die Arbeit zu transportieren, greift eher auf eine besonders stabile, starre Tasche zurück, die innen mehrere Fächer hat. Diese Taschen sind meist aus Textil und nicht komplett wasserdicht. Für den Transport des Einkaufs oder von allem, was für eine Radtour benötigt wird, eignen sich Fahrradtaschen aus Lkw-Plane. Diese sind wasserdicht. Gute Fahrradtaschen sind nicht billig und in Tests schneiden häufig die Produkte der Marktführer Ortlieb und Vaude am besten ab. Fahrradtaschen gibt es in verschiedenen Größen mit bis zu 23 Liter Fassungsvermögen und zum Anbringen an verschiedenen Fahrradteilen.

Taschen für das Hinterrad
Fahrradtaschen für hinten können einzeln oder im Doppelpack erworben und angebracht werden. Als einzelne Taschen werden sogenannte City-Taschen immer populärer. Sie sind außen härter und innen gepolstert und für den Transport von Laptops und leichten Unterlagen geeignet. In Funktion und Aussehen sind sie so entworfen, dass sie einfach abgenommen und als normale Arbeitstasche mit ins Büro genommen werden können. Einige Modelle lassen sich auch in Rucksäcke verwandeln. Allerdings muss man hier meistens auf den üblichen Rucksackkomfort wie z.B. gepolsterte Trageriemen und Hüftgurte verzichten.

Wer mehr Gepäck am Hinterrad zu verstauen hat, sollte die Last auf zwei Taschen verteilen. Das ist wegen des Gleichgewichts beim Fahren besser. Angeboten werden auch solche Taschen, die durch einen Steg miteinander verbunden sind und über den Gepäckträger gelegt werden. Die Fahrradtaschen sollten grundsätzlich nicht zu weit vorn sitzen, damit man beim Treten nicht daran stößt. Beim Kauf von Taschen für das Hinterrad sollte man auf gute Reflektoren achten, denn die Taschen selbst verdecken einen Teil des abstrahlenden Rücklichts.

Taschen für das Vorderrad
Sollen Fahrradtaschen am Vorderrad angebracht werden, empfiehlt es sich auch hier, jeweils eine rechts und links anzubringen. Dabei sollten sie auch ausgewogen bepackt sein. Außerdem sollten diese Taschen nur genutzt werden, wenn auch Taschen am Gepäckträger befestigt sind, da sich sonst der Schwerpunkt des Rades nach vorn verlagert und das Gleichgewicht beim Fahren gefährdet ist. Zum Anbringen der Taschen ist eine spezielle Halterung, ein sogenannter Lowrider nachzurüsten. Er wird entweder an der Fahrradgabel oder an der Achsschraube angebracht.

Gepäckträgerboxen und Topcases
Gepäckträgerboxen sind abschließbar, fest auf dem Gepäckträger montiert und bieten Gepäck Schutz vor Witterung und Diebstahl. Wird das Fahrrad abgestellt, kann man den Helm in der Box einschließen. Sogenannte Topcases sitzen zusätzlich zu den seitlichen Packtaschen auf dem Gepäckträger. Sie werden an den beiden seitlichen Taschen befestigt und sind insbesondere für längere Fahrradtouren gedacht, bei denen mehr Gepäck transportiert werden muss.

FahrradTasche; FreizeitSportArtikel
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Lenkertaschen
Lenkertaschen sind Fahrradtaschen mit geringerem Fassungsvermögen, die meist mit einem Klettverschluss oder einem Klickadapter, wie man ihn auch von Fahrradlampen kennt, an der Lenkstange befestigt werden. Sie dienen zum Transport wichtiger persönlicher Gegenstände. Häufig kann auf ihrem Deckel eine Fahrradkarte wasserdicht befestigt werden.

Rahmentaschen
Fahrradtaschen für den Rahmen sind eher klein und dienen in der Regel zum Unterbringen von Werkzeug, Luftpumpe und Schloss. Sie können bei Herrenrädern per Klettverschluss an der Querstange hängend oder darauf sitzend angebracht werden. Die Taschen können nicht sehr breit bepackt werden, da sonst das Treten erschwert würde. Entscheidet man sich für eine größere Rahmentasche, ist das Anbringen einer Flaschenhalterung am unteren Teil des Rahmens nicht mehr möglich. Da viele Radler inzwischen lieber mit dem Smartphone über Apps ihre Touren navigieren, bieten die Hersteller auch wasserdichte Smartphonetaschen an. Diese werden ebenfalls auf der Querstange oder auch am Lenker angebracht.

Satteltaschen
Auch Satteltaschen sind eher klein und nur zum Transport von Werkzeug oder, wenn sie etwas größer sind, von Regencape und Trinkflasche geeignet. Man befestigt sie direkt unter dem Sattel an der Sattelstütze mittels Klettverschluss, Klicksystem oder Anzugsriemen.

Wie werden die Taschen am Rad befestigt?

Die Befestigung der Fahrradtaschen am Rad erfolgt in der Regel mit Klippsystemen. Mit den Klipps, die an den Taschen befestigt sind, lassen sich diese ganz einfach an den Gepäckträgern oder an dafür vorgesehene horizontale Streben befestigen und auch einfach wieder lösen. Gepäckträgertaschen kann man meist noch mit einer Klemme an der Gepäckträgerstrebe festmachen. Das verhindert ein Abstehen der Taschen, wenn man um die Kurve fährt.

Wie packe ich Fahrradtaschen richtig?

Sind das Tourengepäck oder der Wochenendeinkauf in die Taschen verladen, wirkt sich das auf das Fahr- und Bremsverhalten aus. Eine falsche Gewichtsverteilung führt zu einem Ungleichgewicht, das beim Fahren gefährlich werden kann. Schwere Gepäckstücke gehören tief in die hinteren Fahrradtaschen, die wiederum beidseitig gleichmäßig bestückt werden sollten. Sind sie allerdings zu schwer bepackt, wird das Lenken des Rades erschwert, weil der Anpressdruck des Vorderrades sinkt. Wer viel transportieren möchte, verteilt sein Gepäck auf hintere und vordere Gepäcktaschen. Auch die vorderen Taschen dürfen nicht überladen werden, denn dann rutscht das Rad beim Lenken weg.

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Als Faustregel beim Packen gilt: Ein Drittel des Gepäcks gehört in die vorderen und zwei Drittel in die hinteren Fahrradtaschen. Die Zuladungsgrenze von Packtaschen darf dabei nicht außer Acht gelassen werden. Sie ist der Bedienungsanleitung der Taschen zu entnehmen. Ist das Rad bepackt, sollte man eine kleine Proberunde drehen, um ein Gefühl für das Fahrverhalten des Rades und die eigene Sicherheit zu bekommen. Dinge, auf die man unterwegs häufiger zugreifen muss, wie z.B. Geldbörse, Smartphone oder Getränke, bringt man am praktischsten an schnell zugänglichen Stellen unter.

Pflege und Reinigung

Neben sogenannten Hartschalen-Modellen werden Fahrradtaschen hauptsächlich aus zwei Gewebearten hergestellt: Polyestergewebe mit PVC-Beschichtung (sog. Lkw-Plane) und Polyestergewebe ohne diese Beschichtung. Genau wie Funktionskleidung sind Fahrradtaschen schon vom Hersteller imprägniert, was sie gegen Nässe und Schmutzanhaftungen schützt. Diese Imprägnierung hält allerdings nicht ewig und muss kontrolliert werden. Perlt kein Wasser mehr ab, ist die Imprägnierung zu erneuern. Das geschieht am besten mit Imprägniersprays aus dem Fachhandel.

Eine lächelnde und zwinkernde junge Frau hält Schwamm und Sprühflasche in die Kamera.
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Gereinigt werden imprägnierte Taschen mit etwas Spülmittel und einem feuchten Schwammtuch. Haben sich Schmutz oder Flecke tiefer ins Gewebe gesetzt, hilft Polsterreiniger, der entsprechend der Anleitung verwendet wird. Die Taschen können so sowohl außen, als auch innen gereinigt werden. Haben die Fahrradtaschen Metallteile, ölt man diese ab und zu mit einem Pflegeöl ein, um sie vor eventuellem Rost zu schützen.

Wie schütze ich meine Fahrradtaschen vor Dieben?

Gerade mit Rad und oft kostspieligen Fahrradtaschen ist man Ziel von Gelegenheitsdieben. Die wichtigsten Gegenstände gehören deshalb in einen Rucksack oder eine Lenkertasche, die man einfach abnehmen und wie eine Gürteltasche bei sich tragen kann. Wer auf seiner Tour das Rad mit Gepäck auch mal unbeaufsichtigt lassen möchte, sollte die Taschen sichern. Das geschieht am einfachsten mit dafür angebotenen Seilschlössern. Diese werden um die Taschen geschlungen, fest angezogen und dann verschlossen. Auch Seilschlösser lassen sich natürlich knacken, haben aber zumindest erstmal einen Abschreckungs- bzw. Verzögerungseffekt. Die Seilschlösser sind kostengünstig und leicht. Es gibt auch wesentlich teurere Sicherungssysteme, die dann allerdings auch entsprechend gewichtiger sind und das Fahren erschweren. Wer oft und viel mit bepacktem Rad reist, sollte sicherstellen, dass Fahrrad und Gepäck in der Hausratversicherung eingeschlossen sind.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 04. September 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2019, 00:10 Uhr