Umschau-Quicktipp So leben Sie bienenfreundlicher!

Bienen sind unverzichtbar für die Landwirtschaft: Sie bestäuben rund 80 Prozent unserer Pflanzen. Monokulturen, Pestizide und Krankheiten setzen den Völkern zu. Jeder von uns kann Bienen das Leben wieder leichter machen!

Biene auf Blüte 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Würde man die Arbeitsleistung der Bienen in Geld umrechnen, erwirtschafteten Bienen allein in Deutschland jedes Jahr zwei Milliarden Euro! Das Bienensterben trifft nicht nur die Honigbienen. Zwar sterben den deutschen Imkern jedes Jahr Völker weg, unter anderem wegen des Befalls durch die Varroa-Milbe. Doch passionierte Imker können den Bestand ihrer Tiere nach und nach wieder aufbauen.

Mehr als 580 Wildbienenarten in Deutschland

ine seltene Holzbiene sitzt auf einer Blüte und sammelt Nektar.
Die Blaue Holzbiene ist eine seltene Wildbienenart. Bildrechte: dpa

Die Honigbiene allein reicht aber nicht aus, um all die Pflanzen zu bestäuben, die es in unserer Natur gibt. Besonders emsige Arbeiterinnen sind die Wildbienen. Mehr als 580 Arten von ihnen gibt es in Deutschland. Die Hälfte von ihnen ist vom Aussterben bedroht, hauptsächlich aufgrund der Monokulturen der Landwirtschaft, dem Flächenfraß, dem Einsatz von Pestiziden und einiger Krankheitserreger.

Der Einzelne kann gegen diese massiven Gefährdungen für die Bienen kaum etwas ausrichten – aber immerhin dafür sorgen, dass die verbliebenen Insekten einen sicheren Ort zum Nisten und genügend Nahrung finden. Und man kann sich beim Einkauf bewusst für bienenfreundliche Produkte entscheiden.

Nisthilfen für Wildbienen

Niströhre in einem Bienenhaus.
Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Insektenhotels enthalten meist verschiedene Materialien, die Insekten als Nisthilfe dienen sollen. Es gibt sie in verschiedenen Größen: Die kleinsten Modelle passen auch auf den Balkon, größere können mehrere Meter hoch und ein Blickfang im Garten sein. Viele Modelle sind mittlerweile in jedem Baumarkt erhältlich, doch nicht alle Produkte sind wirklich hilfreich. So wird oftmals frisches Holz verwendet, in das Löcher gebohrt wurden. Wenn das Holz trocknet, entstehen dann Risse, die Wildbienen meiden. Auch werden bei einigen Modellen Ziegelsteine eingebaut. Diese besiedeln die Bienen ebenfalls nicht.

Naturschützer empfehlen, lieber selbst eine gute Nisthilfe zu bauen, statt ein unnützes Insektenhotel zu kaufen. Einfach Bauanleitungen bieten der NABU und der BUND. Auch hilft es, abgestorbene, hohle Pflanzenstängel im Garten stehen zu lassen, um sie als Nistplatz anzubieten. Die meisten Wildbienenarten nisten übrigens im Boden. Sie mögen am meisten sandige, lehmige, ungedüngte Böden, die trocken und nur wenig bewachsen sind sowie reichlich Sonne abbekommen. Wer in seinem Garten solch eine Ecke einplanen kann, bieten damit auch vielen Arten Rückzugsmöglichkeiten.

Bienenfreundliche Blumen auf dem Balkon und im Garten

Bienen lieben Streuobstwiesen und wilde, unberührte Weiden mit unzähligen Blüten. Da können die meisten mit ihren Gärtchen oder Balkons kaum mithalten. Dennoch helfen auch kleine, blühende Flächen, die insbesondere Wildbienen wertvolle Nahrung bieten. Ein Balkonkasten oder ein Beet im Hinterhof sind schon ein Anfang. Wer hier den Bienen etwas Nahrhaftes anbieten möchte, sollte nektarreiche Pflanzen säen oder anpflanzen.

Ringelblumen sind bienenfreundliche Blüher.
Bildrechte: IMAGO

Wichtig ist, vor allem ungefüllte Blumen zu verwenden. Gefüllte Arten - wie einige Rosen, Chrysanthemen oder Dahlien - wurden so gezüchtet, dass sie besonders hübsch anzusehen sind, aber kaum noch Nektar enthalten und wenn, dann ist der für die Bienen aufgrund der Blütenfülle nicht mehr erreichbar. Andere Blumen verströmen zwar einen verführerischen Duft für Bienen, haben jedoch gar keinen Nektar zu bieten. Geranien, Pelargonien oder Forsythien sind Beispiele dafür. Wer kann, sollte lieber bienenfreundliche Blumen anpflanzen. Darunter zählen auch die Blüten von Kräutern, weshalb beispielsweise Basilikum, Minze, Thymian oder Salbei nicht immer vor der Blüte zurückgeschnitten werden sollten. Bienen erfreuen sich auch an den wilden, nicht gepflegten Teilen des Gartens – wo Unkraut wächst und blüht, da fühlen sich Insekten wohl.

Gerade an heißen, trockenen Sommertagen brauchen Bienen auch dringend etwas zu trinken. Eine Bienentränke bietet sich im schattigen Teil des Gartens oder Balkons an und ist schnell gebaut: einfach eine flache Schale mit ein paar Steinen und etwas Wasser füllen.

Mehrere Bienen an Blüten der Bienenweide. 3 min
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Bewusst einkaufen, heimische Bienen unterstützen

Wer Honig beim Imker kauft, unterstützt heimische Bienenvölker.
Bildrechte: imago/Frank Sorge

Auch beim Einkauf kann jeder Einzelne etwas für die Bienen tun, beispielsweise durch den bewussten Kauf von regionalen Bio-Lebensmitteln. Landwirte, die sich dem ökologischen Anbau verschrieben haben, verzichten weitestgehend auf den Einsatz von insektenfeindlichen Pestiziden. Fleisch, das aus Freilandhaltung stammt, begünstigt ebenfalls indirekt den Lebensraum der Insekten, denn die Weiden, auf denen beispielsweise die Rinder oder Schafe grasen, lassen auch genug Platz für Wildblumen. Honig sollte am besten vom Imker aus der Region gekauft werden, um damit die heimischen Honigbienenvölker zu unterstützen. Und auch der Kauf von Apfelsaft kann etwas bewirken: Stammt er von Streuobstwiesen, trägt der Kauf dazu da, ein Stück dieser Bienen-Idylle zu erhalten.

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Umschau Di 26.02.2019 20:15Uhr 04:00 min

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Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 20. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2019, 00:10 Uhr