Rasenpflege So wird der Rasen schön

Unkrautfrei, strapazierfähig, dicht und mittelgrün: Das ist der Lieblingsrasen des Gärtners. Bloß, wie kriegt er den hin? Was wird gesät? Wie wird gewässert? Wie oft geschnitten? Und welche Rolle spielen Sonne und Schatten? Rasen-Professor Wolfgang Prämaßing weiß, wie das Grün am besten wächst.

Frühjahrskur für Ihren Rasen

Sieht der alte Rasen insgesamt unschön aus, ist vermoost, verunkrautet oder wachsen die falschen Grasarten, so ist eine gründliche Regenerationsmaßnahme sinnvoll. Seit vielen Jahren hat sich die Methode "Rasenerneuerung ohne Umgraben" in der Praxis bewährt. Die umfassende Erneuerung bietet sich im Frühjahr (April/Mai) an.


Schritt 1

Tiefschnitt des Rasens

Rasenmäher
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Der alte Rasen wird in der niedrigsten Schnitteinstellung des Rasenmähers so tief wie möglich herunter gemäht. Auf diese Weise wird die Konkurrenzkraft des Altbestandes geschwächt, so dass für die neuen Rasengräser bessere Startchancen entstehen. Das Mähgut muss in jedem Falle komplett aufgenommen werden.


Schritt 2

Vertikutieren des Bestandes

Auf einer Rasenfläche sind mehrere vertikale Rillen, die mit einem Vertikutierer gemacht wurden
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Der kurze Rasen wird nun gründlich vertikutiert und zwar intensiv in Längs- und in Querrichtung. Je gründlicher das geschieht, umso besser. Auf diese Weise bekommt der neue Rasensamen bei der Nachsaat überall Bodenkontakt und hat gute Keim- und Entwicklungsbedingungen.

Nach dieser Bearbeitung der Fläche lassen sich, falls notwendig, kleinere Korrekturen von Bodenunebenheiten durch Auf- oder Abtrag von Oberboden, beziehungsweise Verwendung von Rasenerde vornehmen.


Schritt 3

Startdüngung als Basis

Rasen
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Auf die vorbereitete Fläche wird jetzt ein spezieller Starter-Dünger (phosphorbetonte Nährstoff-Formel) gleichmäßig ausgebracht und leicht eingeharkt. Zur sicheren, fachgerechten Ausbringung sollte am besten ein Streuwagen oder bei kleinen Flächen ein Handkreisel-Streuer genutzt werden, so wird das Saatbeet für die Gräser einheitlich aufgedüngt.


Schritt 4

Nachsaat zur Verjüngung

Rasensamen in einer Hand
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Ebenfalls mit dem Streuwagen bzw. Kreiselstreuer wird anschließend die spezielle Nachsaatmischung ausgebracht. Bei einem sehr geringen Restbestand des Altrasens sollte bevorzugt ein Gebrauchsrasen (Spielrasen) zum Einsatz kommen.

Für Schattenlagen sollte in der Mischung ein Anteil von 5 Prozent der Grasart Poa supina enthalten sein. (Siehe Information auf grünem Saatgut-Etikett am Boden der Packung.)
Alternativ bietet sich ein Nachsaatrasen mit einem hohen Anteil an Lolium perenne an.


Schritt 5

Abdecken der Saat

Für einen guten Bodenschluss des Saatgutes wird abschließend die gesamte Fläche mit einem ungedüngten Substrat (Kompost-/Sandmischung oder Rasenerde) gleichmäßig bis maximal 10 mm Stärke abgedeckt. Die Verteilung erfolgt mit einem Rechen. Das Saatgut ist auf diese Weise geschützt und wenn die Substratabdeckung hell wird, sollte die neue Rasenfläche wieder beregnet werden.


Schritt 6

Beregnung zur Keimung

Ein Mann mit einem grauen T-Shirt gießt den Rasen mithilfe einer Gartensprenganlage. Im Vordergrund sind violette Blumen zu sehen.
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Die Keimung der verschiedenen Rasengräser in einer Mischung verläuft unterschiedlich lang. Während Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) innerhalb einer Woche keimt, benötigt Rotschwingel (Festuca rubra) fast zwei Wochen und Wiesenrispe (Poa pratensis) gut drei Wochen. Für den Keimvorgang und die anschließenden Wochen nach der Aussaat ist eine geregelte Wasserversorgung entscheidend für den Erfolg.

Die obere Bodenschicht muss stets genügend Feuchtigkeit enthalten, damit die empfindlichen feinen Rasenkeimlinge nicht austrocknen. Daher muss bei trockener Witterung mehrfach täglich für circa zehn Minuten beregnet werden. Bereits nach vier bis sieben Tagen starten die ersten Gräser mit zarten, grünen Trieben. Bis zur Etablierung der Gräser (Wurzelausbildung) muss die Bewässerung kontinuierlich weitergeführt werden.


Schritt 7

Folgepflege

Mann mit Rasenmäher
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Der erste Schnitt erfolgt bei einer Aufwuchshöhe von ca. sieben Zentimetern bei einer Schnitthöhe von vier Zentimetern. Etwa sechs Wochen nach der Rasenerneuerung sollte eine Etablierungs-Düngung mit einem Rasenlangzeitdünger erfolgen. Diese Nährstoffzufuhr ist sehr wichtig für die jungen Rasengräser, damit sie sich weiter bestocken, Blattmasse bilden und den Rasen dicht machen. Die weiteren Pflegemaßnahmen Mähen, Düngen, Wässern werden jetzt nach Bedarf ausgeführt.

Viel Erfolg bei der Frühjahrskur für Ihren Rasen!

Quellen

Quelle: Wolfgang Prämaßing, Deutsche Rasengesellschaft; Autor: Dr. Klaus Müller-Beck, Ehrenmitglied Deutsche Rasengesellschaft e. V. (Text für den MDR leicht gekürzt)

Unser Experte

Wolfgang Prämaßing
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Prof. Dr. Wolfgang Prämaßing

Prof. Dr. Wolfgang Prämaßing

Wolfgang Prämaßing von der Hochschule Osnabrück ist Deutschlands erster Rasenprofessor. Der Experte weiß, wie das Grün am besten wächst.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 18. Mai 2020 | 17:00 Uhr