ein Schwein auf einer Wiese
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Sicherheit bei Fleisch und tierischen Produkten So funktioniert Tierleasing

Immer wieder machen Skandale aus der Massentierhaltung Schlagzeilen. Da vergeht vielen der Appetit. Sie wollen lieber genau wissen, woher das Fleisch auf ihrem Teller stammt. Diese Gewissheit soll Tierleasing bieten.

ein Schwein auf einer Wiese
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Altes Prinzip, neuer Name

"Die Idee ist nicht neu. Vor vielen Jahrzehnten hieß das Ganze Lohnmast: Wer in die Stadt zog und kein Tier mehr halten konnte, suchte sich für sein Schwein einen Bauern", sagt Britta Klein vom Bundeszentrum für Ernährung in Bonn. Heute trage das Ganze eben einen modernen Namen. Fürs Tierleasing schließen Verbraucher mit Bauern einen Vertrag über ein genau bestimmtes Tier ab. Das können sie manchmal vor Ort auch selbst aus der Herde aussuchen. Für das Kalb oder das Ferkel wird in der Regel am Anfang ein bestimmter Betrag fällig. Hinzu kommen die Futterkosten für die Lebenszeit des Tieres und am Ende die Kosten für die Schlachtung. Letztere werden meistens direkt an den zuständigen Fleischer bezahlt.

Kühe auf einer Wiese
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Das Tier selbst bleibt beim Bauern und wird dort versorgt. Für den Verbraucher gibt es dann je nach Tier regelmäßig Eier, ein Paket Käse oder eben nach dem Schlachten Dutzende Kilo Fleisch. Einen erheblichen Vorteil sieht Frigga Wirths vom deutschen Tierschutzbund dabei im deutlich bewussteren Umgang mit den so erzeugten Tierprodukten: "Bei dem Leasing hat der Käufer immerhin einen direkten Bezug. Er kauft das Fleisch nicht anonym ein, sondern er weiß, welches Tier von welchem Hof für ihn gestorben ist", sagt die Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft.

Preisbeispiel

Mit Kaufpreis und Pflegepauschale kostet ein Schwein derzeitig zwischen 700 und 900 Euro. Mit 1.600 bis 1.900 Euro sind Rinder noch einmal ein ganzes Stück teurer. "In der Regel zahlt man derzeit zwischen 14 und 25 Euro pro kg Rind.", so Britta Klein.

Zwei Hühner picken im Gras
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Bei Hühnern wird zwischen zwei Leasing-Modellen unterschieden: Einerseits können Hühner für einen festgelegten Zeitraum im eigenen Garten gehalten werden oder – ähnlich wie bei Rind und Schwein – eine Pauschale zur Pflege an einen Hof abgetreten werden. Inklusive Gehege, Futter und Transport liegen die Kosten für die Haltung im eigenen Garten zwischen 70 und 100 Euro pro Woche. Die Aufzucht am Hof ist deutlich billiger. Hier zahlt man etwa neun bis 40 Euro im Monat und erhält dafür zehn bis 30 Eier. Zur Abholung muss jedoch meistens der Hof aufgesucht werden.

Artgerechte Haltung

Hinter dem Konzept stehe die Idee von mehr Transparenz in der Landwirtschaft, sagt Britta Klein: "Für einen Betrieb spricht, wenn er offen ist für Besuche." Gleichzeitig könnten Verbraucher fast sicher sein, dass ihr Stück Fleisch nicht aus Massentierhaltung stammt. "Dafür ist das System gar nicht gemacht. Wer 400 Tiere im Stall stehen hat, wird den Aufwand für einzelne Verträge nicht auf sich nehmen", weiß Agraringenieurin Klein. Die Aufzucht erfolgt daher unter artgerechten Haltungsbedingungen mit ausreichenden Platz für die Tiere: "Tierleasing bieten meist Betriebe mit kleinen Herden an. Wenn Sie ein Tier eines Bio-Landwirts aussuchen, dann finden Sie dort Tiere, die fast immer Auslauf hatten."

Anna wird geschlachtet!

Schlachter wetzt sein Messer.
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Das sollten sich Verbraucher überlegen, bevor sie einen Tierleasing-Vertrag abschließen: Das Schwein oder das Rind wird am Ende geschlachtet, selbst wenn das Tier dem Kunden oder dessen Kindern ans Herz gewachsen ist. "Sonst sitzt ja ein Landwirt mit so einer Oldtimer-Schweineherde da, die er betreuen muss", sagt Britta Klein. Wer das Schlachten unbedingt abwenden wolle, müsse das Tier dann auf eigene Kosten etwa auf einem Gnadenhof unterbringen.

Fleischstück
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In der Regel wird aber geschlachtet – und das erfordert ebenfalls eine gewisse Vorbereitung: "Man sollte wissen, dass man am Ende des Vertrages ein großes Paket Fleisch bekommt" sagt unsere Expertin. Dafür müssten Kühlschrank oder -truhe groß genug sein oder man teilt mit Verwandten und Freunden. Zudem sind im großen Paket neben Steak und Filet in der Regel auch Fleischstücke, die der Verbraucher sonst nicht kauft. "Manche müssen erst einmal lernen, Gulasch zu kochen oder Suppe oder ganz neue Sachen ausprobieren. Heute kennen sich viele Haushalte nur noch mit Gehacktem oder Kurzgebratenem aus", weiß Britta Klein.

Alternativen

"Wer nicht gleich ein ganzes Schwein oder Rind leasen will, findet bei regionalen Direktvermarktern eine Alternative zur Massentierhaltung", empfiehlt Britta Klein. Bei diesen Bauern könnten Verbraucher auch den Betrieb besichtigen und sich die Haltung anschauen. Die Tiere würden in der Regel auf der Weide und nicht im engen Stall gehalten. Die Direktvermarkter schicken Kunden Fleischpakete mit 10 oder 20 Kilo Inhalt zu, wenn man sie nicht selber abholen kann. Auch Frigga Wirths sieht einen Nutzen für Landwirtschaft und Verbraucher: "Der Kunde weiß, woher das Produkt stammt, der Landwirt erhält die direkte Wertschätzung durch die Käufer und er kann hoffentlich zu einem höheren und fairen Preis verkaufen." Adressen von Direktvermarktern geben die Landesverbände der Landwirtschaft oder Bio-Verbände heraus.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 03. September 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. September 2019, 14:39 Uhr