Möglicher Missbrauch Wie sicher ist kontaktloses Zahlen mit Bankkarten?

Mit immer mehr Bankkarten ist kontaktloses Bezahlen möglich. Karte ans Lesegerät, piep und fertig. Ein MDR-AKTUELL-Hörer, der anonym bleiben möchte, sorgt sich um die Sicherheit. Denn ein Abschalten der Funktion ist nach Aussage seiner Hausbank nicht möglich. Er fragt daher, ob es Betrüger zu leicht haben, wie oft es zu Missbrauch kommt und wie man sich schützen kann.

von Manuela Lonitz, MDR AKTUELL

Near Field Communication Karte Bank
Near Field Communication - so nennt sich kontaktloses Zahlen. Bildrechte: Andrea Warnecke

Fast jede neu ausgegebene EC- oder Kreditkarte hat jetzt standardmäßig einen NFC-Chip für kontaktloses Zahlen. NFC steht für Nahfeld-Kommunikation. Bis zu 25 Euro bei Giro- und bis zu 50 Euro bei Kreditkarten können ohne Pin einfach durch Heranhalten der Karte an ein Lesegerät bezahlt werden. Aber: Solch ein drahtloses Lesegerät kann sich jeder im Internet schon für 29 Euro bestellen. Und: Das Computermagazin "c’t" hat in einem Experiment getestet, dass sich damit sogar durch Portemonnaies und dicke Jeanshosentaschen Kartendaten abfischen lassen. Lässt sich so Geld klauen?

Die Bedenken seien nicht gerechtfertigt, sagt Sylvie Ernoult, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Banken. Dieses Lesegerät muss nach ihren Worten bei einem Netzbetreiber registriert sein: "Um sich da aber überhaupt registrieren zu können, müssen Sie ein Händler sein. Und erst dann können Sie das ganze Prozedere starten. Also einfach nur ein Terminal kaufen und dann damit in die U-Bahn gehen oder Ähnliches, damit können sie noch absolut keine Zahlung generieren."

Lässt sich die Funktion abschalten?

Im Geldfach eines Schüttportemonnaies liegen neben Scheinen und Münzen auch zwei Kreditkarten.
Ein Abschalten der NFC-Funktion ist selten möglich. Bildrechte: IMAGO

Direkt Geld stehlen geht also nicht. Aber mit den abgefischten Daten wie Kreditkartennummer und Gültigkeitsdatum können Diebe versuchen, im Internet einzukaufen.

Dazu das Bundeskriminalamt: "Diese Daten versetzen die Täter in die Lage, betrügerische Bestellungen bei Online-Händlern vorzunehmen. Dies ist immer dann möglich, wenn der Händler den auf dem Unterschriftstreifen befindlichen dreistelligen Sicherheitscode nicht abfragt. Es gibt Online-Händler, welche den nicht überprüfen. Hundertprozentiger Schutz ist nur durch das Abschalten der NFC-Funktion gewährleistet." Dem Bundeskriminalamt sind allerdings bislang keine Missbrauchsfälle bekannt geworden.

Nicht alle Banken bieten Abschalten an

Abschalten sei technisch möglich, heißt es vom Bankenverband. Doch nicht alle Banken böten das an. Kunden der Volksbanken können ihre Kontaktlos-Funktion sogar selbst an den bankeigenen Geldautomaten deaktivieren und wieder aktivieren.

MDR AKTUELL hat auch bei verschiedenen Banken nach konkreten Zahlen gefragt. Die Deutsche Bank gibt sie grundsätzlich nicht heraus. Bei ING-Bank und Volksbank Magdeburg liegen keine Missbrauchsfälle vor. Eine Sprecherin der Sparkasse Leipzig schreibt, bislang hätten nur wenige Kunden kontaktlose Zahlvorgänge reklamiert. Die Schäden seien zudem minimal gewesen und vom Haftungsverbund der Sparkassen-Finanzgruppe reguliert worden.

Bestimmte Schutzhüllen blockieren NFC

Auch Marieke Einbrodt von Stiftung Finanztest wertet kontaktloses Zahlen als sicher. Verbrauchern rät sie aber zu zusätzlichem Schutz. "Sie haben die Möglichkeit, sich eine Schutzhülle zu kaufen, die die NFC-Technologie dann blockiert. Und es gibt noch einen anderen Trick, nämlich wenn man mehrere NFC-Karten im Geldbeutel hat, denn dann gibt es mehrere Signale und ein Bezahlvorgang wird abgebrochen."

Das funktioniert übrigens auch mit dem neuen Personalausweis. Auch die Banken haben weitere Sicherheitsstufen eingebaut. So können maximal 100 Euro in 25-Euro-Schritten kontaktlos bezahlt werden, dann muss wieder eine PIN eingegeben werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. April 2019 | 06:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2019, 08:05 Uhr

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20 Kommentare

09.04.2019 18:09 NRW-18 20

@ 19 Gaihadres
Sie, die Skandinavier, die Japaner und die anderen vermutlich leicht Beeinflussbaren können sich gerne unter obskuren Vorwänden ausspähen lassen und jeden ausgegebenen Cent einsehbar machen. Das Thema Negativzinsen habe ich bereits in in (13) erwähnt.
Ich mache das nicht mit und zahle nur bar.
Noch nie hatte ich Falschgeld und kriminell bin auch nicht.
Heute habe ich im SWR gehört, dass selbst zum "Handyparken" Kennzeichen, GPS-Daten und teilweise auch Rufnummer notwendig sind, die dann online abgefragt werden. Daher bin ich froh, dass ich kein Smartphone habe und zwar aus Überzeugung und nicht wegen Armut.

09.04.2019 13:04 Gaihadres 19

Eigentlich ist es schon beinahe traurig, wie sehr sich der Deutsche Michel gegen jede technische Revolution sperrt. Unsere Altvorderen würden im Grabe rotieren, wenn sie wüssten was aus dem Deutschen Glauben an die Kraft der Innovation geworden ist. Also im Ernst Herrschaften, in vielen anderen Ländern stehen selbst Rentner den technischen Möglichkeiten sehr viel aufgeschlossener gegenüber. In Japan oder Skandinavien würde man über ihre Aussagen verwundert mit den Kopf schütteln. Etwas mehr Mut würde Ihnen nicht schaden - beschäftigen Sie sich mit den Möglichkeiten, dann werden Sie sehen das viele Ihrer Annahmen ein Irrglaube sind.

09.04.2019 09:56 Wo geht es hin? 18

Es gibt eine ganz einfache Antwort auf die Frage des Hörers: benutzen Sie Bargeld. Und man kann @mark nur beipflichten.

08.04.2019 23:50 mark 17

@8 Wenn ich das Geld passend gebe , bin ich genauso schnell. Bei Wechselgeld dauert es vielleicht 3,5 Sekunden länger. Wenn ich diese Zeit nicht mehr habe, würde ich mich in die Klinik einweisen lassen. Die ganzen technischen Spielerreien machen die Menschheit irre . Echtzeitüberweisung , kontaktloses Bezahlen , Hochfrequenzhandel , Multivernetzt usw. muss man haben , wenn Sie das erstmal haben ,werden Sie merken , das es Sie nicht Zufriedener gemacht hat .

08.04.2019 23:27 mark 16

@10 Amerikanische Software oder Kreditkartenfirmen , social Media usw. , das sind doch keine Menschenfreunde . Die wollen den grossen Reibach machen. Auch Sie bezahlen dafür . Klar kostet ein Bargeldsystem auch Geld . Aber hier behalten wir noch unsere Bürgerrechte und Freiheit !!! Denkt an Griechenland, die waren froh das sie noch Bargeld hatten. Mit einen Klick könnten Grosskonzerne oder ein Staat , den Bürger entmündigen und zum Bittsteller oder Bettelmann machen.

08.04.2019 23:04 Querdenker 15

Unsicherer „Elektroschrott“ den sich mutmaßlich Kapitalisten ausgedacht haben, um den Konsumwahn zu frönen, Profite zu vermehren und die Abschaffung des Bargeldes voranzutreiben (siehe „welt Bargeld: So könnte eine stille Enteignung über Negativzinsen funktionieren“). Das es dafür Schutzhüllen gegen Missbrauch gibt, sagt eigentlich schon alles.

Zitat: "Um sich da aber überhaupt registrieren zu können, müssen Sie ein Händler sein.“

Papalapap, die Kartenterminals waren auch schon Ziel von Betrügern.

siehe „faz Gefährliche Schwachstelle an EC-Karten-Terminals“
Zitat „Kriminelle müssen sich auf Ebay ein gebrauchtes Kartenterminal kaufen. Dann bauen sie eine Verbindung zum Kartenzahldienst auf und geben ihr den Auftrag, Geld auf ihr Konto zu überweisen. Dabei geben sie sich als Händler aus.“

08.04.2019 21:41 w.a. 14

Jacob@8 Wenn sich bei uns eine Schlange an der Kasse gebildet hat, macht man eine neue auf und zahlt selbstverständlich bar.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

08.04.2019 18:45 NRW-18 13

Meine EC-Karte mit deaktiviertem NFC-Chip nutze ich nur, um am Schalter Geld abzuholen. Nur ein Teil bleibt für Abbuchungen ect. auf dem Konto. Ansonsten schließe ich mich den Kommentaren 1,2,3, 5 und weiteren an.

Die Finanzelite will das Bargeld abschaffen, damit es als Giralgeld auf den Konten verbleibt und früher oder später mit Negativzinsen, also mit einer Strafgebühr für nicht ausgegebenes Geld belegt wird. Um die Bürger zur elektronischen Zahlung zu bewegen, wird das Märchen erzählt, dass angeblich nur Kriminelle bar zahlen und so viel Falschgeld unterwegs sei.
Gegen die Bargeldabschaffung sollten die Menschen demonstrieren und nicht wegen einem natürlichen Klimawandel.
Bargeldabschaffung macht noch gläserner und kostet Arbeitsplätze!

08.04.2019 18:06 MuellerF 12

@10: Ich nutze Bezahlautomaten nur dann, wenn es nicht anders geht. Auch ist deren Vorhandensein kein Argument für noch mehr Automatisierung. Und ich finde schon, dass Jobverlust durch Technisierung ein relevantes Thema ist. Ich habe Verwandte, die im Einzelhandel arbeiten und dann wahrscheinlich von H4 bis zur erzwungenen Frühverrentung (mit Abzügen) sicher nicht begeistert wären.

08.04.2019 15:31 Geht auch 11

Früher war alles schlechter - aber nicht sicherer. Es schadet den Neunmalklugen nicht, wenn sie auf diese Weise um ihr Geld geprellt werden.
Stellt Euch vor: Man kann auch noch in Scheinen und Münzen zahlen.