Digitalisierung Telekom-Kunden können auf gedruckter Rechnung bestehen

Immer häufiger werden Telefonrechnungen digital anstatt auf dem Postweg verschickt. Wer kein Internet hat, kann seine Rechnungen dann nicht mehr einsehen, kritisiert eine MDR-AKTUELL-Hörerin. Kunden ohne Internetanschluss können jedoch unter gewissen Voraussetzungen auf den Postversand bestehen.

von Michael Voß, MDR AKTUELL

Telekom Rechung
Wer seine Rechnung per Post erhalten möchte, muss eventuell die Kosten dafür tragen. Bildrechte: imago images / imagebroker

Viele Unternehmen verschicken ihre Rechnungen nur noch digital via E-Mail und sparen Papier und Porto. So auch die Deutsche Telekom. Doch was geschieht mit älteren Leuten, die keinen Internetzugang haben? Das möchte auch MDR-AKTUELL-Hörerin Frau Scholz aus Uhlstedt-Kirchhasel bei Rudolstadt wissen. Sie befürchtet, dass ihre Mutter nicht mehr an ihre Telekom-Rechnung kommt, und fragt: "Gibt es Telefonrechnungen nur noch in digitaler Form oder werden sie Kunden auch noch per Post zugeschickt?"

Empfänger kann Rechnung auf Papier verlangen

Für den Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke, der sich auf digitale Themen spezialisiert hat, ist die Frage klar zu beantworten: "Im Umsatzsteuergesetz steht, dass eine Rechnung entweder auf Papier oder in elektronischer Form ausgestellt werden darf. Wenn allerdings der Rechnungsempfänger gerne eine Papierform wünscht, dann kann er das auch explizit verlangen", sagt Solmecke. Der Empfänger müsse für den Erhalt in Papierform allerdings bezahlen.

Diese Gebühren werden aber nur fällig, wenn die Firma ein reines Online-Angebot hat. Die Telekom bietet ihren Service auch in normalen Ladengeschäfte an – und deshalb gibt es die Rechnung immer kostenfrei, bestätigt Unternehmenssprecher Markus Jodl:

Telekom-Kunden können auf Wunsch ihre Telefonrechnung nach wie vor ohne Mehrkosten auf Papier und per Post erhalten. Das gilt für Festnetz- und Mobilfunkkunden.

Markus Jodl, Pressesprecher Deutsche Telekom

Telekom bevorzugt digitalen Rechnungsversand

Doch, wie das aktuelle Beispiel unserer Hörerin zeigt, ist diese Möglichkeit nicht immer offensichtlich. "Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn immer mehr Kunden auf die Papierrechnung verzichten, die Rechnung digital abspeichern und gar nicht mehr ausdrucken", sagt Jodl.

Rund 90 Prozent aller Rechnungen werden laut Telekom bereits digital verschickt. Das Interesse des Unternehmens daran ist verständlich, denn durch den digitalen Versand per E-Mail wird Porto gespart. Wie viel eingespart wird, dazu gibt es keine Zahlen. Nachhaltigkeit und Schutz von Ressourcen stehen im Vordergrund, sagt Jodl.

Rechnungssteller kann Versand vertraglich festlegen

Zurück jedoch zum juristischen Aspekt: Rechtsanwalt Christian Solmecke weist auf eine für Kunden wichtige Sondersituation hin: Jeder Rechnungssteller könne vorab im Vertrag vereinbaren, dass er Rechnungen nur in digitaler Form verschickt. "Dann kann der Rechnungsempfänger nachher auch nicht mehr umswitchen und sagen, er möchte jetzt noch die Papierform haben", sagt Solmecke.

Bei Familie Scholz aus Uhlstedt-Kirchhasel hat sich das Problem inzwischen gelöst. Die Telefonrechnung kommt wieder als gedruckter Brief an - ganz analog und ohne das Internet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. September 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. September 2019, 05:00 Uhr

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