Eine Brille auf einem Antrag zur Riesterrente
Die Riester-Rente gibt es seit 2002, drei Jahre später folgte die Rürup-Rente. Bildrechte: imago/Bernhard Classen

Altersvorsorge Wer profitiert wirklich von Riester- und Rürup-Verträgen?

Der Staat fördert die private Altersvorsorge für Arbeitnehmer. Die Steuervorteile bringen viele dazu, einen Vertrag abzuschließen. Auch MDR AKTUELL-Hörer Uwe Sauermann zahlt seit rund sechs Jahren in eine fondgebundene Rürup-Rente ein. Bei der Jahresabrechnung stellte er aber fest, dass die Fondsgesellschaft rund 38 Prozent seiner Beiträge für eigene Kosten einbehält. Er fragt sich, ob das seriös ist und wer hier tatsächlich gefördert wird.

von Damaris Diener, MDR AKTUELL

Eine Brille auf einem Antrag zur Riesterrente
Die Riester-Rente gibt es seit 2002, drei Jahre später folgte die Rürup-Rente. Bildrechte: imago/Bernhard Classen

Welche Kosten für private Rentenversicherungs-Verträge erhoben werden dürfen, regelt vor allem das Gesetz über die Zertifizierung von Altersvorsorge- und Basisrentenverträgen (AltZertG). Die Kosten eines Renten-Vertrags dürfen demnach aus drei Hauptkomponenten bestehen: aus Abschlusskosten des Vertrags, aus Vertriebskosten und aus Verwaltungskosten. Wenn der Verbraucher den Anbieter wechselt, können zusätzliche Kosten anfallen.

Überrascht von den Kosten

Der Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Thießen von der Universität Chemnitz hat verschiedene Rürup-Rentenverträge verglichen und war überrascht zu sehen, in welcher Höhe diese Kosten anfallen. "Wir hätten gedacht, dass man diese Produkte auch preiswerter hätte anbieten können. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die Verträge sehr lange laufen, das man nicht genau weiß, was passiert nach 20 oder 30 Jahren, sodass sich die Anbieter schon ein bisschen absichern müssen. Aber in Summe erscheinen die Kosten doch sehr hoch."

Je nach Vertrag können die Kosten stark variieren, Obergrenzen gibt es nicht. Seit letztem Jahr sind Finanzdienstleister gesetzlich dazu verpflichtet, jedem Kunden vor Vertragsabschluss ein Produktinformationsblatt zu geben. Auf diesem einen Blatt müssen alle Kosten eines Vertrags aufgeführt werden.

Die Finanzdienstleister tun dies auch. Thießen bemängelt aber, dass es in dem neuen Informationsblatt Angaben gäbe, die sehr schwierig zu interpretieren seien. "Es sind zwar alle Kosten aufgeführt, aber in unterschiedlichen Prozentsätzen. Und es ist sehr schwierig herauszufinden, wie hoch die Gesamtkosten dann sind."

Legales Vorgehen der Finanzdienstleister

Deshalb seien viele Verbraucher von den hohen Gebühren überrascht, sagt Thießen. In den untersuchten Verträgen zehren die Gesamtkosten eines Vertrags mit 35 Jahren Laufzeit mehr als 30 Prozent der Sparbeiträge auf. Und solange die Finanzdienstleister die Kosten angeben, ist das alles auch völlig legal.

Bernd Brückmann, Rentenexperte von der Stiftung Warentest, erklärt, wie Verbraucher, die Kosten von Rürup-Verträgen beurteilen können. Nämlich anhand der sogenannten Effektivkosten. Diese geben die durchschnittlichen jährlichen Kosten eines Vertrages in Prozent wieder. "Als grobe Orientierung sollten die Effektivkosten nicht nahe oder über zwei Prozent liegen. Weil dann werden Rürup-Verträge oder Riester-Verträge als besonders kostenintensiv beurteilt."

Problem seit Jahrzehnten

Der Chemnitzer Finanzwissenschaftler Thießen sieht hingegen Handlungsbedarf beim Gesetzgeber. "Das ist ein Problem, dass wir seit Jahrzehnten am Finanzmarkt haben. Der Gesetzgeber fördert irgendetwas aber er greift eigentlich selten in Kosten und Gebühren ein, die die Dienstleister verlangen."

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Kapschack ist Rentenexperte seiner Partei. Er sieht die Verantwortung nicht bei der Politik, sondern bei der Finanzindustrie. Weil die private Vorsorge staatlich gefördert werde, erwarte er von den Banken und der Versicherungswirtschaft endlich ein klar verständliches, standardisiertes Produkt mit realistischen Renditeerwartungen und akzeptablen Kosten. "Nur dann wird private Vorsorge wieder eine Zukunft haben."

Gesetzliche Renten als Alternative

Mit den Regeln der Finanzbranche müsse man sich als Verbraucher wohl oder übel arrangieren, sagt Brückmann von der Stiftung Warentest. Wem die Kosten der Rürup-Verträge zu hoch sind, dem empfiehlt der Rentenexperte, alternativ über einen freiwilligen Eintritt in die gesetzliche Rentenversicherung nachzudenken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. September 2018 | 05:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2018, 05:00 Uhr