Lauschen Konzerne mit, um besser werben zu können?
Lauschen Konzerne mit, um besser werben zu können? Bildrechte: dpa

Werbung in sozialen Netzwerken Hören Facebook, Google & Co. mit?

Anzeigen in sozialen Netzwerken sind manchmal unerklärlich. Wieso zeigt mir Facebook Werbung für Schuhe, über die ich mit der Nachbarin sprach? Oder Kopfhörer, nach denen ich im Elektromarkt fragte? Hört das Handy mit?

von André Seifert, MDR AKTUELL

Lauschen Konzerne mit, um besser werben zu können?
Lauschen Konzerne mit, um besser werben zu können? Bildrechte: dpa

User von sozialen Netzwerken berichten immer wieder, dass ihnen Werbung für in Privatgesprächen erwähnte Produkte angezeigt wird. Und das, ohne nach diesen Produkten gegoogelt oder irgendwo im Internet auf sie geklickt zu haben. Wie kann das sein? Lauschen die Handy-Apps von Konzernen wie Facebook, Amazon und Google mit? Oder gibt es andere Erklärungen?

Eines gleich vorweg: Experten halten Lauschangriffe zu Werbezwecken für sehr unwahrscheinlich. Georg Schnurer vom IT-Magazin c’t sagt, das Abhören über das Handy sei zwar theoretisch machbar, doch personell wie technisch ein Riesenaufwand. Dieser stünde in keinem Verhältnis zu dem Ertrag, der durch eventuelle Werbeeinnahmen zu erwarten sei. Zudem verstoße dies nicht nur gegen Gesetze, sondern richte bei einem Auffliegen auch einen großen Imageschaden an.

Abhören kostet "irrsinnig viel Speicherplatz und Rechenzeit"

Werbe-Lauschangriffe über das Handy - technisch möglich, aber zu aufwändig.
Werbe-Lauschangriffe über das Handy - technisch möglich, aber zu aufwändig. Bildrechte: dpa

Wenn überhaupt, dann sei eine Auswertung von über das Handy abgehörten Daten in engen Grenzen nur vollautomatisch möglich: "Es lässt sich allenfalls nach bestimmten Schlüsselworten filtern", so Schnurer im Gespräch mit MDR AKTUELL. Das koste dann allerdings "irrsinnig viel Speicherplatz und Rechenzeit". Für Geheimdienste sei dies kein Problem. Für Werbetreibende sei Abhören jedoch "totaler Bullshit".

Was aber steckt dann hinter der Werbung? Wieso erscheint auf meinem Bildschirm bei Instagram eine Anzeige für die schicke Kuscheldecke, die mir erst vor wenigen Tagen eine Freundin empfohlen hat? Weshalb macht Facebook Werbung für die Designerlampe, über die ich mit einem Arbeitskollegen gesprochen habe?

Konzerne legen "Werbe-Schubladen" an

Die Gründe dafür können verschieden sein. Die einfachste Antwort ist, "dass ich mir das Produkt selbst im Internet angeguckt habe", sagt c't-Experte Schnurer. "Dann werden sogenannte Cookies hinterlassen, die Informationen über mich enthalten. Auf meinem Computer ist dann gespeichert, dass ich mich dafür interessiere." Das gilt auch für soziale Netzwerke. Wer bei Instagram sehr oft auf Katzenbilder klickt, erhält mit großer Sicherheit irgendwann Werbung für Katzenfutter.  

Eine weitere Möglichkeit ist, dass ein Verwandter, Freund oder Bekannter nach dem Produkt geschaut hat. Der Hintergrund: Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Twitter nutzen die Infos, die sie über ihre Nutzer gewinnen. Sie kategorisieren User nach ihrem Verhalten im Internet und auch nach ihren Freunden oder Followern. Sie stecken sie in Schubladen, um individuell zugeschnittene Werbung anzeigen zu können.

In sozialen Netzwerken wird nicht nur Werbung für Produkte angezeigt, die ich mir selbst angeguckt habe, sondern auch für Produkte, nach denen andere geschaut haben.

Georg Schnurer c't Magazin

Die Folge: Stöbert jemand nach einem bestimmten Artikel, erscheint später nicht nur bei ihm oder ihr Werbung dafür, sondern auch bei allen anderen Personen in der Schublade. "Facebook weiß, mit wem ich befreundet bin. Diese Menschen sortiert Facebook in dieselbe Gruppe ein. Alle die da drin sind, sind dann Kandidaten für die entsprechende Werbung", erklärt Georg Schnurer.

Vorsicht vor dem Facebook-Like-Button

Das geht noch weiter: Facebook nutzt den Like-Button, um Informationen abzugreifen. Der Besuch einer Webseite mit dem bekannten Daumen-hoch-Bild reicht aus. Experte Schnurer: "Wenn ich zum Beispiel bei Facebook eingeloggt bin und parallel irgendwo auf einer anderen Webseite surfe, auf der ein Like-Button eingebaut ist, dann wird mein Surfverhalten auf dieser Webseite automatisch an Facebook übertragen."

Das heißt also: Es genügt unter Umständen, wenn ein Bekannter im Internet nach Produkten recherchiert - und schon erhalte ich selbst Werbung für das Produkt. Es könnte sogar sein, dass ein Vater in einer Werbeanzeige den Weihnachtswunsch des Sohnes sieht, noch bevor dieser überhaupt mit ihm gesprochen hat. "Wir raten deshalb dazu", so Georg Schnurer, "sich immer nach einer Sitzung bei Facebook oder anderen Netzwerken abzumelden, bevor man andere Webseiten besucht."

MDR AKTUELL RADIO

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 06:49 Uhr

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1 Kommentar

13.11.2018 15:56 Fragender Rentner 1

Wieso nur hören, die können doch auch auf die Dinger schauen, also auch sehen.