Hygieneschutzmaßnahmen Gut gemeint, schlecht gemacht: Hygiene-Fails in der Corona-Krise

In der Corona-Krise reichen manch einem ausreichend Abstand halten, regelmäßiges Händewaschen und das Gesicht nicht zu berühren, nicht aus. Dann wird gern zu medizinischen Einweghandschuhen oder Desinfektionsmittel gegriffen. Doch das hat seine Tücken. Denn gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht – ganz im Gegenteil.

Desinfektionsmittel, Tücher, Gummihandschuhe, Atemschutzmasken, Seife
In Corona-Zeiten heiß begehrt: Nur bringen Desinfektionsmittel und Co. nicht so viel wie das Händewaschen. Bildrechte: imago images/Jochen Tack

Unser wichtigstes Mittel im Kampf gegen das Coronavirus SARS-Cov-2 ist die Seife: Wir müssen regelmäßig unsere Hände mit Seife waschen, betont Iris Chaberny immer und immer wieder. Und sie muss es wissen: Die Professorin ist die Direktorin des Instituts für Hygiene, Krankenhaushygiene und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. In ihrem Institut habe sie keinen Patientenkontakt. Und auch hier gebe es nur Wasser und Seife.

Einweghandschuhe führen zu Handschuhsaft

Chaberny wiederholt das so oft, weil es offenbar immer noch nicht alle Menschen glauben und stattdessen aufrüsten: Vor allem in Supermärkten sieht man viele Kunden mit Einweghandschuhen, wie sie normalerweise Ärzte benutzen. Die Hygiene-Professorin hält das für eine äußerst schlechte Idee: Sobald man auch nur eine Sache anfasst, sind die Handschuhe kontaminiert.

Außerdem sind sie porös und bieten nur kurzfristigen, groben Schutz. Außerdem hätten in diesen Handschuhen die Hände keine Möglichkeit zu "atmen". "Das heißt, da hab ich nachher ein richtig schönes feuchtes Gefühl da drin. Das heißt nämlich wirklich auch Handschuhsaft. Und wenn ich eine Hand darin habe, die ja nie hundertprozentig rein ist ohne Bakterien, dann hab ich in kürzester Zeit in diesem Handschuhsaft auch so richtig meine Bakteriensoße. Das heißt, ich treibe quasi den Teufel mit dem Belzebub aus“, warnt die Professorin.

Wischen statt sprühen

Im medizinischen Alltag müssen deshalb die Hände vor und nach jedem Tragen von Einweghandschuhen ordentlich desinfiziert werden, erklärt Chaberny. Also zur Sicherheit doch lieber auf Desinfektionsmittel setzen? Auch das hat seine Tücken: Wenn die Supermarkt-Kassiererin Desinfektionsmittel über den Tresen sprüht und dann fix alles trocken wischt, macht das nichts besser. Zum einen atmet sie beim Herumsprühen die schädlichen Chemikalien von Flächendesinfektionsmitteln ein, erläutert Hygiene-Professorin Chaberny.

Zum anderen würde das Sprühen Dreck noch mehr zerstäuben. "Deshalb ist sprühen bei uns in der Klinik nicht gewollt, sondern wenn wir Flächen desinfizieren, dann wischen wir. Dann machen wir einen Lappen feucht und wischen das und sprühen nicht, weil Sprühen ist eher kontraproduktiv.“

Seife ist die beste Medizin

Korrekt wäre also: Desinfektionsmittel auf den Lappen, feucht wischen und dann warten bis das Mittel getrocknet ist. Diese Mittel ergeben nur Sinn, wenn sie auch richtig angewendet werden. Und außerhalb von medizinischen Einrichtungen braucht man sie auch gar nicht, ergänzt Chaberny. An der Supermarktkasse oder anderen Arbeitsplätzen reiche ein Eimer Seifenwasser völlig aus, um dem SARS-Cov-2-Virus den Garaus zu machen.

Wer trotzdem nicht wenigstens auf ein Handdesinfektionsmittel verzichten will, sollte darauf achten, dass es einen ausreichend hohen Alkoholanteil oder mindestens die Aufschrift begrenzt viruzid hat, damit es auch tatsächlich gegen Viren hilft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. April 2020 | 16:11 Uhr

3 Kommentare

Karol vor 33 Wochen

P.S
Mann kann die Luft in einen Krankenzimmer nicht wischen!
Richtig ist, das Zimmer wird erst mit einen Desinfektionsmittel vernebelt. Nach eine Einwirkungszeit werden alle Gegenstände mit eine Desinfektionslösung abgewischt.

Karol vor 33 Wochen

Wenn das alles wahr sein soll, wunder ich mich nicht, warum ich nach eine sechs stündliche Herz-op vier Monate in der Klinik lag weil ich eine Infektion (Cholera Bakterien) an meine Wunde hatte.

In OP werden die gleichen Nasen-Mund Schutz und Gummihandschuhe benutzt. Und glauben mir, ich als Krankenpfleger weis, das Ärzte während eine 5 Stündige OP die Nasen-Mund Masken NICHT wechseln.

Hier versucht jeder sich wichtig zu machen. Meine Devise ist:
---- Nützt es nichts, so schadet es auch nicht! ----
Wir wissen zwar nicht, ob wir erfolgreich sein werden – probieren es aber trotzdem aus. Tragen Sie was sie wollen. Jeder soll sein bestes geben.

Bleiben Sie Gesund

Karol vor 33 Wochen

Korrektur: Nicht Cholera Bakterien aber coli Bakterien = Darmbakterien