Mutter-Kind-Sport Krankenkassen zahlen keine Kanga-Kurse

MDR-AKTUELL-Hörerin Susann Eichler ist Mutter von drei Kindern und wollte nach der Geburt ihres Jüngsten wieder an ihrer Fitness arbeiten. Und zwar bei einem Kanga-Kurs: einem Fitnessprogramm, bei dem Mütter mit ihren Kindern in Babytragen trainieren. Doch als die Hörerin bei ihrer Krankenkasse anfragt, heißt es, solche Kurse werden nicht mehr bezuschusst. Sie hat MDR AKTUELL gebeten, der Sache auf den Grund zu gehen.

Frauen mit Babys in Tragetaschen machen Sport.
So sieht ein Kanga-Kurs aus. Bildrechte: MDR/Manuela Lonitz

Kanga ist eine Mischung aus Yoga, leichtem Krafttraining und kleinen Tanzchoreografien. Das Gewicht der Babys intensiviert die Übungen. Die 99 Euro für den Kurs bei Kanga-Trainerin Anja Pohl in Halle müssen alle Mütter hier selbst zahlen. Unterstützung durch die Krankenkassen: Fehlanzeige. Die Kassen zahlen Präventionskurse nur dann, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Diese werden vom Gesetzgeber vorgegeben und für die meisten gesetzlichen Kassen von der "Zentralen Prüfstelle Prävention" geprüft.

Kassen sehen Verletzungsgefahr

Laut deren Vorgaben ist es nur dann möglich, Kinder zu Sportkursen mitzunehmen, wenn es für sie eine separate Betreuung gibt, heißt es vom Verband der Ersatzkassen (VDEK) schriftlich. "Diese Entscheidung beruht unter anderem auf der Einschätzung, dass die Aufmerksamkeit der Eltern im Präventionskurs [...] durch Kinder beeinträchtigt wird. Durch diese Abgelenktheit bestehen Verletzungsrisiken sowohl für die beteiligten Eltern als auch für die Kinder." Anja Pohl kann das nicht nachvollziehen:

Ich habe in sechs Jahren noch keine einzige Rückmeldung bekommen, dass sich irgendjemand verletzt hat. Im Gegenteil: Die Mütter gehen mit einem guten Gefühl hier raus.

Kanga-Trainerin Anja Pohl

Das Training sei so konzipiert, dass die Kinder fest und sicher am Körper der Mutter angebunden seien. Wie bei einem Känguru – daher kommt auch der Name Kanga.

Experten empfehlen Kanga-Kurse

Auch Marion Sulprizio, die Leiterin des Arbeitskreises Sport und Schwangerschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln, bedauert die Entscheidung der Kassen. An ihren Arbeitskreis wenden sich werdende und junge Mütter, wenn sie geeignete Sportarten suchen. Und Kanga gehöre nach Meinung des Expertenteams aus Ärzten, Hebammen, Physiotherapeuten und Psychologen dazu, sagt Marion Sulprizio.

Ihre Begründung: "Die Mutter-Kind-Bindung kann in diesem Fall sehr gut gefördert werden und die Frau kann was für sich machen." In anderen Sportkursen müssten sich die Mütter von ihren Babys entfernen. "Dann heulen die Kinder und die Frauen müssen ihr Training unterbrechen." Zudem sei Kanga ein besonders beckenboden-schonendes Training. Man müsse allerdings darauf achten, es bei ausgebildeten Trainerinnen zu absolvieren, sagt die Expertin.

Derzeit finden wegen der Coronavirus-Krise ohnehin keine Kurse statt. Danach bleibt Müttern nichts anderes übrig, als Kanga selbst zu finanzieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. März 2020 | 05:00 Uhr

14 Kommentare

Rumsdibums vor 8 Wochen

Durch welche Umstände soll ein bereits geborenes Kind eine Hüftgelenksdysplasie erleiden? Bzw. wie soll nach Ausreifung dieser in der Gebärmutter nach Fehllage, und nach der Geburt dem vorgebeugt werden?

SandyB vor 8 Wochen

Stimmt sicherlich hat mit der aktuellen Situation überhaupt nichts zu tun. Letztes Jahr wurde schon beschlossen das alle Krankenkassen ab Mitte 2020 das gleiche System zur Abrechnung nutzen müssen, aus diesem Grund zahlen es nun einige Kassen, die es bis jetzt bezahlt haben, auch nicht mehr. Es liegt nicht alles am Covid-19

SandyB vor 8 Wochen

Zur Vorbeugung von Hüftdysplasie wird bis heute immer noch empfohlen Neugeborene breit zu wickeln. Orthopäden empfehlen oft, den Nachwuchs im Tragetuch oder -sack zu tragen, weil die Beuge-Spreiz-Haltung das Reifen der Hüftgelenkpfannen fördert.

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