Verschiedene Mülltonnen in Halle/Saale, Sachsen-Anhalt
Mülltonnen können im Sommer stark riechen. Grund sind Schwefelverbindungen, die besonders bei Zersetzungsprozessen in der Biotonne entstehen. Bildrechte: IMAGO

Biomüll Stinkende Mülltonnen - was tun?

Im Sommer können sich in Mülltonnen nicht nur unangenehme Gerüche entwickeln und verbreiten. Vor allem in der Biotonne fühlen sich Bakterien, Schimmel, Fliegen und andere Tierchen richtig wohl. Kann dagegen etwas getan werden?

von André Seifert, MDR AKTUELL

Verschiedene Mülltonnen in Halle/Saale, Sachsen-Anhalt
Mülltonnen können im Sommer stark riechen. Grund sind Schwefelverbindungen, die besonders bei Zersetzungsprozessen in der Biotonne entstehen. Bildrechte: IMAGO

Beate Tschucher ist auf ihre Nachbarn zurzeit nicht sonderlich gut zu sprechen. Die 34-Jährige wohnt in Leipzig  neben einem Restaurant, das täglich mehrere Kilogramm Essensabfälle in Biotonnen im Hinterhof wirft. Den Geruch aus diesen Tonnen könne sie an besonders heißen Tagen in ihrer Wohnung riechen, erklärt sie. "Wenn's bei Ihnen im Haus penetrant riecht, dann ist das nicht so gut." 

Entgegenkommen vom Verursacher

Nur zwei Mal pro Monat werden die Tonnen abgeholt. Dennoch zeigt Beate Tschucher viel Geduld: Mit dem Eigentümer des Restaurants habe sie über das Problem gesprochen, sagt sie. Manchmal komme er ihr entgegen und stelle die Tonnen in seinen Keller. "Wenn was ist, dass es wieder stinkt, rufe ich bei ihm an und sage, der Gestank ist nicht weniger geworden oder ist geblieben", erklärt Tschucher.

Es ist vor allem der Inhalt von Biotonnen, der in diesen heißen Tagen besonders schnell anfängt zu gammeln. Wenn die besonders prall gefüllt sind und kaum frische Luft an den Biomüll gelangt, dann sind das ideale Bedingungen für Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze, aber auch zum Beispiel Fliegenmaden.

Schwefelverbindungen riechen unangenehm

Beim Zersetzen der Reste entstehen Schwefelverbindungen und Säuren - und die stinken. Doch man kann die Gerüche etwas verringern, wenn man ein paar Regeln beachtet, erklärt Susanne Zohl von der Leipziger Stadtreinigung. Sie rät zum Beispiel, Bioabfall in Zeitungspapier einzuwickeln. "Indem nämlich der Abfall so drin liegt, kommen auch nicht so viele Fliegen da dran und können ihre Eier dran legen", erklärt sie.

Wichtig sei auch der Standort der Tonne. "Die Bürger sollten einen Schattenplatz wählen und nicht einen in der prallen Sonne. Was wir auch empfehlen, wenn die Tonne leer ist, werfen Sie unten etwas zerknülltes Zeitungspapier rein. Das bindet auch die Feuchtigkeit." Ein weiterer Tipp: Nicht auf den Rand der Tonne kleckern. Denn das ziehe natürlich die Insekten an.

Anti-Geruchs-Biotonne in Magdeburg

In Magdeburg bietet die Stadtreinigung gegen eine Extragebühr sogar spezielle Anti-Geruchs-Biotonnen an. Die haben Filter aus Kokosfasern eingebaut, deren Mikroorganismen Geruchsstoffe abbauen. 80 Prozent der Nutzer dieser Tonnen geben nach Angaben der Magdeburger Stadtreinigung an, dass sie selten oder nie Gestank feststellen können.

Doch nicht nur aus der Biotonne, auch aus der schwarzen Restmülltonne kann unangenehmer Geruch strömen, erklärt Susanne Zohl. "Deshalb empfehlen wir den Bürgern, wenn sie zum Beispiel ihre Binden oder von den Kindern die Windeln in die Restabfalltonne werfen, sollen sie vorher ihren Abfall in Plastetüten stopfen." Da werde der Abfall gebunden und könne nicht so einen starken Geruch entwickeln.

Hauseigentümer können Nachbarn verpflichten

Wenn der Mief aus der Tonne des Nachbarn ins eigene Haus zieht, ist nicht jeder so geduldig wie Beate Tschucher, die in Leipzig neben einem Restaurant wohnt. Es kann auch Streit geben. Und dann gibt es juristisch gesehen zwei Möglichkeiten: Wenn man selbst Hauseigentümer ist, kann man den Nachbarn rechtlich verpflichten, zum Beispiel die Mülltonnen umzustellen oder eine andere Lösung zu finden. Weigert er sich, Abhilfe zu schaffen, kann man ihn auf Unterlassung verklagen.

Wer dagegen nicht Eigentümer, sondern Mieter ist, für den ist die Situation eine andere. Rechtlich ist die Sache dann so, dass der Müllgestank des Nachbarn einen Mangel an der eigenen Mietwohnung darstellt. Als Mieter hat man in diesem Fall das Recht, sofort und eigenmächtig die Miete zu mindern, zum Beispiel um fünf Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. August 2018 | 06:23 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2018, 09:48 Uhr

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6 Kommentare

03.08.2018 15:08 Fragender Rentner 6

Unter Ostzeiten standen auch solche Kübel unweit vom Neubaublock und da kam die LPG hat hat sie abgeholt, weiß nur nicht mehr ob es mehr als einmal die Woche war.

Da hatten sich auch die Fliegen und Wespen an und in den Kübeln getummelt.

03.08.2018 14:33 Klaus Pfister 5

Muelltonnen regelmaessig entleeren , reinigen und im Schatten aufstellen

03.08.2018 11:46 Hr. Unterhuber 4

Wenn die Mülltonne einfach vor dem Haus steht, dann stinkt es im Sommer, im Winter friert der Deckel zu. Ich finde, Mülltonnen gehören grundsätzlich in ein Müll-Häuschen, geschützt vor den Wetterextremen. Die Politik sollte meiner Meinung nach entsprechende Gesetze verabschieden.

03.08.2018 11:19 Brennabor 3

Wir sind Weltmeister im Müll produzieren!
Da sollten wir anfangen mal drüber nach zu denken!

03.08.2018 10:30 lummox 2

es geht noch schlimmer, wenn mieter ihre müllbeutel in glühender hitze stundenlang in hausfluren stehen lassen und den weg bis zu den mülltonnen nicht schaffen. das ist ein eindeutig egoistisches verhalten den anderen mietparteien gegenüber, immer unter dem motto: hauptsache meine wohnung ist sauber. das ist nur ein beispiel, denn die müllentsorger tun ihr möglichstes.

03.08.2018 10:16 Fragender Rentner 1

Was wollt ihr nur, ist doch auch nur BIO und keine chem. Keule o.ä. !