Kindererziehungszeit Gibt es die "Mütterrente" auch für Väter?

"Mütterrente" war ein zentraler Begriff der Union im Bundestagswahlkampf 2013. Politisch schwer umstritten, aber letztlich trat sie 2014 in Kraft. Auch im neuen Koalitionsvertrag spielt die Mütterrente eine Rolle: Knapp drei Millionen Rentnerinnen sollen für Kinder, die sie vor 1992 geboren haben, noch einmal mehr Geld bekommen. Das beschäftigt MDR AKTUELL Hörer Ole Manninger: "Meine Mutter bekommt jetzt zum zweiten Mal eine Rentenerhöhung, mein Vater nicht. Ist das gerecht?"

Häufig wiederholt, mehrfach CSU-Wahlkampfhit gewesen, trotzdem falsch: Es gibt keine Mütterrente. Die sogenannte "Anerkennung von Kindererziehungszeiten auf die gesetzliche Rente" kann sowohl an Männer als auch an Frauen gehen. Der entscheidende Grundsatz heißt:

Die Kindererziehungszeit kann nur ein Elternteil angerechnet bekommen. Das ist jedoch nicht automatisch die Mutter. Sondern der Elternteil, der das Kind überwiegend erzogen hat.

Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund

Und was, wenn sich das nicht so genau sagen lässt? "Erziehen die Eltern ihr Kind gemeinsam, erhält grundsätzlich die Mutter die Erziehungszeit", so von der Heide.

Nur die wenigsten Väter bekommen Kindererziehungszeiten

Ein Blick in die Statistik: Immerhin rund 127.000 Männer erhalten derzeit eine höhere Rente wegen anerkannter Kindererziehungszeiten. Diesen 127.000 Männern stehen allerdings rund acht Millionen Frauen gegenüber. Also gehen mehr als 98 Prozent aller Kindererziehungszeiten an Frauen. Und das erklärt dann auch den Begriff Mütterrente.

Wie die Mütterrente es überhaupt in den Wahlkampf geschafft hatte, lag an folgender Ungerechtigkeit: Für jedes Kind, das nach 1992 geboren wurde, erhielt ein Elternteil zusätzliche drei Rentenpunkte – oder ganz praktisch ausgedrückt: pro Monat 96 Euro mehr Rente im Westen, 92 Euro mehr im Osten. Wurde das Kind jedoch vor dem Jahr 1992 geboren, gab es nur einen zusätzlichen Rentenpunkt: statt 96 Euro also nur 32 Euro Rente mehr pro Monat.

Das wurde 2014 mit einem weiteren sogenannten Kindererziehungsjahr abgemildert. Folgen könnte nun auch der dritte Rentenpunkt, allerdings für Mütter oder Väter mit drei oder mehr Kindern.

Aber warum nicht gleich konsequent sein und statt der faktischen Mütterrente grundsätzlich halbe-halbe machen? Obwohl er sonst fast immer was zu kritisieren hat, diese Änderung fände selbst Matthias W. Birkwald falsch. Er ist Rentenexperte der Linken im Bundestag und sagt: "Wenn in Zukunft bei einem modernen Paar der Mann seine Arbeitszeit reduziert, dann soll er sich natürlich auch den Ausgleich dafür über die Kindererziehungszeiten in der Rente holen. Wenn aber die alte 'Hausfrauenehe' weitergeführt wird, also die Frau zu Hause bleibt und der Mann arbeiten geht, warum soll der Mann dann Kindererziehungszeiten bekommen?"

Wo man sich informieren kann

Wie so häufig bei Rententhemen sind auch die Kindererziehungszeiten im Detail ziemlich kompliziert. Der ganz praktische Tipp von Linken-Politiker Birkwald lautet: "Sich bei der Rentenversicherung informieren. Da gibt es das Formblatt V0810. Es hat sechs Seiten und dann ist man informiert. Und danach sollte man sich den Antrag V0820 runterladen. Mit diesem Antrag kann man festlegen, ob für die Mutter oder den Vater die Kindererziehungszeiten berücksichtigt werden." Nur aufteilen lässt sich die Mütterrente auch künftig nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. April 2018 | 06:21 Uhr

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7 Kommentare

10.04.2018 09:27 Ev Robert 7

Meine Mütterrente kassiert der Arbeitgeber (eine öffentlich-rechtliche Anstalt) in Form einer dadurch niedrigeren Betriebsrente. Ein Ausgleich dafür findet trotz Nachfrage nicht statt. Frauen, die keine Kinder groß gezogen haben, haben demzufolge mehr Rente. Freude über die staatliche Anerkennung für Mütter hat in meinem Fall nur der Arbeitgeber - nicht die Mutter, die Einbußen wegen Kindererziehungszeiten hat und zu deren Ausgleich diese Mütterrente gedacht war. Ist das in Ordnung bzw. was kann man dagegen tun ???
Ich bitte um Recherche
Kein Wunder, dass es in Deutschland immer weniger Kinder gibt ! Ev Robert

09.04.2018 20:13 Arbeitende Rentnerin 6

Zu 5. Arbeitspflicht stimmt nicht ganz, aber es war üblich und meist auch notwendig. Besser aber allemal, als beim Staat betteln zu müssen. Ich hatte mich auch zu früh gefreut, da ich zu dem Beschlusszeitpunkt noch nicht in Rente war, sind mir die Mütterjahre auch gegengerechnet worden, Gesetz eben nur für Westhausfrauen, nach uns Ostfrauen kräht nun mal kein Hahn, unsere Lebensleistung ist eben weniger wert

09.04.2018 19:41 Atheist aus Mangel an Beweisen 5

Mütterrente ist kein Thema für den Osten, weil alle Frauen die Arbeitspflicht hatten.
Im Gegenteil ich werde auch noch dafür bestraft nach einen halben bzw einem Jahr wieder arbeiten zu müssen.
In meinem Rentenbescheid steht das ich für 2Kinder 3 Jahre angerechnet bekomme, in Wirklichkeit dürfte ich aber nur insgesamt 1,6 Jahre zu Hause bleiben.
Wie werden die fehlenden Jahre berechnet?
Die Rentenkasse könnte mir das nicht erklären.

09.04.2018 17:11 Wandere aus, wenn Du (was) kannst. 4

Bei Beschäftigung Älterer top, beim Rentenniveau flop: So steht Deutschland laut der OECD-Rentenstudie im internationalen Vergleich deutlich unter dem Schnitt vieler Industriestaaten. Und weil das so ist, übernimmt der Deutsche Rentner mit seinen Beiträgen auch noch die Finanzierung der Müterrente - die eigentlich eine staatliche Sozialleistung ist und über Steuern finanziert gehört - auch gleich noch für die berufsständigen Versorgungswerke u.a. mit. Danke.

09.04.2018 16:43 Fragender Rentner 3

Die sogenannte Mütterrente muß über die Steuer finanziert werden, ansonsten plündern sie die Rentenkasse !!! :-(((

Der 1. Rentenpunkt für das Kind wird doch auch über die Steuer finanziert.

Kein Wunder wenn diese Parteien an Stimmen bei den Wahlen verlieren!

09.04.2018 16:26 Pfingstrose 2

Mütterrente für Väter klingt zwar widersprüchlich, doch können auch Väter Anspruch auf Entgeltpunkte für Kindererziehungszeiten haben. Hier erfahren Sie, welche Voraussetzungen dafür gegeben sein müssen. Die Mütterrente an sich ist keine eigenständige Rente, sondern eine Erweiterung der anrechenbaren Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder. Aus diesem Grund kann die Mütterrente für Väter nicht einfach eingerichtet werden. Vielmehr muss der gesamte Anspruch auf die Anrechnung der Erziehungszeiten für ein Kind übertragen werden. Obwohl immer häufiger beide Elternteile gemeinsam Zeit für die Erziehung eines Kindes in den ersten Lebensjahren in Anspruch nehmen, ist die Mütterrente für Väter noch immer ein Sonderfall. Grundsätzlich werden die Kindererziehungszeiten der leiblichen Mutter automatisch angerechnet. Wenn nichts Gegenteiliges vereinbart wird, bleibt das bis zum Renteneintritt auch so . Der Anspruch muss bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt werden.

09.04.2018 11:59 wolle1 1

Ich lach mich schlapp. " Bei der Rentenversicherung informieren....." Ich hab seit mehreren Jahren keine Renteninfo bekommen und hab diesen Verein bereits mehrfach angeschrieben. Das einzige was ich 14 Monate! nach meiner letzten Anfrage bekam war: " wir bemuehen uns zeitnah zu antworten..." und das war letzten Februar