Hausnebenkostenabrechnung
Um eine Nebenkostenabrechnung zu überprüfen, braucht man etwas Zeit, Geduld - und am Besten einen Taschenrechner. Bildrechte: dpa

Ratgeber Nebenkosten kontrollieren lohnt sich

Einmal im Jahr findet sie jeder Mieter in seinem Briefkasten: Die Nebenkostenabrechnung des Vermieters für das abgelaufene Jahr. Der Vermieter listet die im Verlauf eines Jahres angefallenen Betriebskosten von der Müllabfuhr bis zum Wasserverbrauch auf. Bei Nebenkostenabrechnungen sollte man nach der Devise verfahren: Kontrolle ist besser als Vertrauen. Wir klären auf, welche Kosten der Vermieter umlegen kann und worauf man besonders achten sollte.

von Klaus Deuse, MDR AKTUELL

Hausnebenkostenabrechnung
Um eine Nebenkostenabrechnung zu überprüfen, braucht man etwas Zeit, Geduld - und am Besten einen Taschenrechner. Bildrechte: dpa

Nebenkosten- und Heizkostenabrechnungen sollte man grundsätzlich prüfen, sagt Mietervereinssprecher Aichard Hoffmann. Und zwar auch dann, wenn man keine hohe Nachzahlung habe. "Denn nach unseren Erfahrungen sind diese Abrechnungen sehr häufig falsch, und zwar immer zum Nachteil des Mieters."

Warmwasserwerte oft falsch berechnet

Nach einer Untersuchung des Verbraucherportals Finanztip kann das unter anderem daran liegen, dass viele Vermieter den Energieverbrauch für warmes Wasser falsch berechnen, indem sie nur die Wassermenge messen und daraus den Energieverbrauch ableiten. Für Klarheit sorgt nur ein Warmwasserzähler.

Kommunale Gebühren muss der Mieter zahlen

Müllmänner bei der Arbeit.
Die Kosten für die Müllabfuhr kann der Vermieter von seinen Mietern verlangen. Bildrechte: IMAGO

Umlegungsfähig sind alle kommunalen Gebühren, wie zum Beispiel für Straßenreinigung, Müllabfuhr, Wasser, Entwässerung und Grundsteuer. Hinzu kommen, so Aichard Hoffmann, weitere Ausgaben für den Betrieb eines Mietshauses: "Beispielsweise der Schornsteinfeger oder der Hausmeister, die Aufzugswartung oder Grünpflege - Dinge, die regelmäßig anfallen. Das ist ein wichtiges Kriterium."

Aufgaben des Hausmeisters teilweise umlegbar

Führt aber ein Hausmeister Reparaturen durch oder übernimmt Verwaltungsaufgaben, könnten diese Kosten nicht auf die Mieter umgelegt werden, erläutert Dr. Stephanie Vornholz vom Haus- und Grundeigentümerverein. Dies ginge nur, wenn der Hausmeister bestimmte Aufgaben übernehme. Als Beispiele nennt Vornholz die Bedienung und Kontrolle der Heizung oder des Aufzugs, Überwachungs-, Reinigungs- und Gartenpflegearbeiten. "Dann kann man die Kosten für den Hausmeister abrechnen - und zwar inklusive allem, was anfällt: Also inklusive Lohnkosten, Lohnnebenkosten und Steuern."

Achtung beim Verteilerschlüssel

Auch bei der Abrechnung des Wassergeldes sollte man genau hinschauen. Dabei kommt es nach den Worten von Stephanie Vornholz auf den im Mietvertrag festgelegten Verteilerschlüssel an. Typischerweise sei der Verteilerschlüssel an der Zahl der Personen oder einer Verteilung nach Punkten festgelegt. Das heißt, Personen und Räume werden kombiniert. Wenn nichts festgelegt ist, gelte eine Verteilung nach den Quadratmetern Wohnfläche.

Alle Unterlagen müssen einsehbar sein

Eine junge Frau arbeitet an einem Schreibtisch zwischen zwei Aktenbergen
Mieter sollten Nebenkostenabrechnungen drei bis vier Jahre aufbewahren. Bildrechte: IMAGO

Zur Überprüfung der Nebenkostenabrechnung haben Mieter ein Jahr Zeit. Und sie hätten das Recht, alle Unterlagen einzusehen, betont Aichard Hoffmann. Und über alles, was in den Nebenkostenabrechnungen steht, muss es Rechnungen geben. "Und die müssen auch so aufbereitet sein, dass man die als Mieter mühelos zuordnen kann. Es geht nicht, dass der Vermieter zwei dicke Aktenordner auf den Tisch klatscht und sagt: Hier, suchen Sie sich das Passende raus."

Erst nach der Überprüfung zahlen

Sollten sich Fehler herausstellen, muss die Abrechnung korrigiert werden. Hat man Bedenken, dass sie nicht stimmt, sollte man nicht gleich zahlen. Denn durch die Zahlung erkennt man letztlich den geforderten Betrag an.

In Zweifelsfällen rät Aichard Hoffmann darum bei einer Zahlung zu dem ausdrücklichen Hinweis: nur unter Vorbehalt. "Dann kann ich auch später, wenn ich glaube, mit meiner Überprüfung fertig zu sein, eventuell Rechtsmittel einlegen."

Nachrechnen lohnt sich

Bei Stichproben des Verbraucherportals Finanztip stellte sich heraus, dass über die Hälfte der Heizkostenabrechnungen Mängel aufwiesen. Sparen könnte man danach pro Jahr 100 Euro oder mehr. Auch wenn es mühsam ist, kann es sich mitunter lohnen, die einzelnen Positionen einer Nebenkostenabrechnung genau zu prüfen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Januar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2019, 05:00 Uhr

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5 Kommentare

19.01.2019 17:43 Ricarda 5

deshalb nehmen städtische Großvermieter gerne Leute wo Sozialamt Miete übernimmt. Da gibt es nie Probleme, weder Widersprüche noch Mietminderung und für betreutes Wohnen zahlen Sozialämter 1500 pro Person

19.01.2019 17:39 Jonathan 4

hartzIV betrifft das nicht die vollversorgten machen nicht mal treppe - da kommt jetzt putzfirma - toller sozialstaat

19.01.2019 17:37 VERÄNGSTIGTE 3

da gibts mietervereine die sowas nachrechnen für bequeme die es selber nicht wollen

19.01.2019 14:04 Pfingstrose 2

Ich habe auch so einen windigen Vermieter der nicht umlegbare Kosten auf die Mieter umlegt. Er erfindet immer neue Ausreden um nicht den Betrag zubezahlen den er unberechtigt eingenommen hat.
Deshalb Vorsicht bei Betriebskostenabrechnungen. Vetrauen ist gut , Kntrolle ist besser.

19.01.2019 10:59 Jakob 1

Ein Eldorado für Pfennigfuxer und Querulanten. Ich meine, solange die Nebenkosten nicht völlig außerhalb des allgemein Üblichen liegen, lohnt es sich nicht, sich mit den Belegen und Abrechnungsmethoden auseinanderzusetzen. Lieber die Nerven schonen und statt dessen was Angenehmes unternehmen. Was dieser Zugewinn an Lebensqualität in Geld bemessen nämlich Wert ist, ignoriert der Pfennigfuxer gerne. Zu seinem eigenen Nachteil.