Rentnerpaar spaziert durch Park
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Neu ab Juli 2019 Der Monat der Erhöhungen

Die Renten werden erhöht. Auch das Kindergeld steigt, ebenso der Kinderzuschlag für einkommensschwache Familien. Die Post verteuert das Porto. Midijobber dürfen mehr verdienen und die Pfändungsgrenzen werden angehoben.

Rentnerpaar spaziert durch Park
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Renten steigen deutlich

Rentner bekommen ab Juli höhere Altersbezüge: Im Osten steigen sie um 3,91 Prozent. Im Westen sind es 3,18 Prozent.

Der Rentenwert in Ostdeutschland steigt damit auf 96,5 Prozent des Westniveaus. Bis 2024 soll er schrittweise auf 100 Prozent angehoben werden. Das sieht ein Gesetz von 2017 vor. Das bundesweite Rentenniveau steigt leicht auf 48,16 Prozent des durchschnittlichen Einkommens.

Die Rentenerhöhung orientiert sich an der Lohnentwicklung. 2018 stiegen die Löhne im Vergleich zum Vorjahr im Westen um 2,39 Prozent und im Osten um 2,99 Prozent.

Für tausende Rentner bedeutet die Erhöhung allerdings auch, dass sie künftig erstmals seit ihrem Renteneintritt steuerpflichtig werden.

Wichtig: Das Finanzamt schickt keinen Bescheid darüber, aber eine Mahnung, wenn keine Steuererklärung abgegeben wird.

Mehr Kindergeld

Auch das Kindergeld wird angehoben: Für das erste und zweite Kind gibt es ab Juli monatlich 204 Euro und damit zehn Euro mehr als bisher. Für das dritte Kind liegt der Satz künftig bei 210 Euro, für das vierte und alle weiteren Kinder sind es 235 Euro.

Plastikfiguren in Gestalt einer Mutter mit ihrem Kind stehen auf einem Münzenstapel vor einem Antrag auf Kindergeld.
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Für Unterhaltspflichtige heißt das, dass der Mindestunterhalt leicht sinkt. Zudem sinkt auch der Unterhaltsvorschuss durch den Staat. 

Hartz-IV-Empfängern bringt das höhere Kindergeld nichts. Das Plus wird zu 100 Prozent an die aktuellen Regelsätze angerechnet, die ihrerseits nicht erhöht werden.

Verbesserungen beim Kinderzuschlag

Beim Kinderzuschlag für Familien mit geringem Einkommen wird nachgebessert. So wird der Aufwand für den Antrag reduziert. Er stellte mit seinem komplexen und schwer verständlichen Aufbau bislang eine große Hürde dar. Zugleich wird der Betrag auf maximal 185 Euro erhöht. Vorübergehendes zusätzliches Einkommen der Eltern oder Kinder soll auch nicht mehr dazu führen, dass der Zuschlag entfällt. Vielmehr wird er nun grundsätzlich unabhängig von Veränderungen des Einkommens für sechs Monate gewährt.

Deutsche Post erhöht die Preise

Zu einer 70-Cent-Briefmarke wird eine 10-Cent-Briefmarke geklebt.
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Die Deutsche Post erhöht zum 1. Juli die Porto-Preise. Ein Standardbrief kostet dann 80 Cent statt wie bisher 70 Cent. Bei Postkarten sind es nun 60 Cent statt 45 Cent. Auch alle weiteren Briefarten werden deutlich teurer. Vorhandene Briefmarken erhalten ihre Gültigkeit und müssen nicht umgetauscht werden. Um das neue Porto exakt aufkleben zu können, bietet die Post unter anderem eine Zehn-Cent-Ergänzungsmarke an. Die neuen Preise sollen bis Ende 2021 gelten.

Übersicht über die neuen Preise
  ab 1. Juli bis 30. Juni
Postkarte 60 Cent 45 Cent
Standardbrief (bis 20 Gramm): 80 Cent 70 Cent
Kompaktbrief (bis 50 Gramm) 95 Cent 85 Cent
Großbrief (bis 500 Gramm) 1,55 Euro 1,45 Euro
Maxibrief (bis 1000 Gramm) 2,70 Euro 2,60 Euro
Maxibrief (bis 2000 Gramm) 4,90 Euro 4,80 Euro

Midijobber dürfen mehr verdienen

Sogenannte Midijobber dürfen ab Juli mehr verdienen. Midijobber war bislang, wer mehr als 450 Euro, aber weniger als 850 Euro brutto im Monat verdient. Nun wird die Obergrenze auf  1.300 Euro angehoben. Das ist deshalb wichtig, weil bis zu diesem Betrag nur reduzierte Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen. Neu ist auch, dass Arbeitnehmer in einem Midijob jetzt die volle Rentenanwartschaft erwerben. Dadurch müssen sie trotz der reduzierten Rentenversicherungsbeiträge nicht mehr aus eigenen Mitteln aufstocken, um später die vollen Rentenleistungen zu bekommen. Ziel der Bundesregierung ist es, Midijobs attraktiver zu machen und deren Zahl zu erhöhen.

Pfändungsgrenzen werden angehoben

Die Pfändungsgrenzen werden zum 1. Juli um rund vier Prozent erhöht. Damit haben Menschen, bei denen gepfändet wird, künftig mehr Geld zur Verfügung. Bei der Einkommenspfändung steht den Betroffenen auf unterster Stufe nun ein Freibetrag von 1.179,99 Euro im Monat zu. Beim Pfändungsschutzkonto sind jetzt 1.178,59 Euro geschützt. Auch die Freibeträge für Personen, denen Schuldner Unterhalt gewähren, wurden geändert. Der zusätzliche Freibetrag für die erste Person liegt ab Juli bei 443,57 Euro, für die zweite bis fünfte Person bei 247,12 Euro. Arbeitgeber müssen die neuen Pfändungsfreibeträge automatisch anpassen. Schuldner sollten sich aber sicherheitshalber beim Arbeitgeber oder ihrem Sozialleistungsträger vergewissern, ob das auch passiert ist, um zu verhindern, dass irrtümlich zu viel Geld an ihre Gläubiger überwiesen wird.

Steuererklärung bis 31. Juli abgeben.

Steuererklärung mit Kalenderblatt vom 31. Juli
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In diesem Jahr gelten für die Abgabe der Steuererklärung 2018 neue Fristen. Wer die Steuererklärung 2018 selber macht, sollte dafür sorgen, dass sie bis zum 31. Juli beim Finanzamt ist. Wer sich von einem Steuerberater helfen lässt, hat noch Zeit bis Ende Februar 2020. Für verspätete Steuererklärungen droht ein Zuschlag, der sich an der Höhe der festgesetzten Steuer orientiert, aber mindestens 25 Euro für jeden angefangenen Monat der Verspätung beträgt. Eine Fristverlängerung gibt es nicht mehr.

Berlin testet solidarisches Grundeinkommen

Berlin startet zum 1. Juli einen Modelversuch zum solidarischen Grundeinkommen. Zunächst nehmen 250 Arbeitssuchende, die noch kein Jahr arbeitslos sind, aber auf dem ersten Arbeitsmarkt keine reelle Vermittlungschance haben, daran teil. Die Teilnehmer werden nach Tarif- oder Mindestlohn bezahlt und sollen etwa als Mobilitätsbegleiter, für Hausmeister-Tätigkeiten oder als Unterstützung in Schulen und Pflegeeinrichtungen arbeiten. Sie werden von der Arbeitsagentur ausgewählt. Später soll die Zahl auf 1.000 erhöht werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 30. Juni 2019 | 19:30 Uhr