Neu ab 2020 Gesundheit und Medizin

Grippeschutzimpfungen können auch von Apothekern durchgeführt werden. Chronisch Kranke können Mehrfach-Rezepte bekommen. Und das sind längst nicht alle Neuerungen, die 2020 im Bereich Gesundheit auf Verbraucher zukommen.

Patient beim Arzt.
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Terminservicestellen: zentrale Notdienstnummer und erweitertes Angebot

Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen sind vom Jahresbeginn an zentral unter der bundesweit einheitlichen Notdienstnummer 116 117 rund um die Uhr zu erreichen. Außerdem vergrößert sich ihr Aufgabengebiet. Dieses besteht weiterhin in der Vermittlung von Facharztterminen an Versicherte mit einer entsprechenden Überweisung. Die Wartezeit sollte dabei nicht länger als vier Wochen betragen und die Arztpraxis in zumutbarer Entfernung liegen. Einen Anspruch auf eine bestimmte Ärztin oder einen bestimmten Arzt gibt es aber nicht.

Die Telefonnummer 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes ist auf dem Display eines Smartphones zu lesen.
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Neu ist, dass die Terminservicestellen nunmehr auch bei der Suche nach Terminen bei Haus-, Kinder- und Jugendärzten tätig werden, darunter auch zu den sogenannten U-Untersuchungen für Kinder, die an vorgegebene Zeiträume gebunden sind. Darüber hinaus werden Patientinnen und Patienten in Akutfällen von den Servicestellen an Praxen, Kliniken oder Notfallambulanzen vermittelt. Die Wartezeit auf eine psychotherapeutische Akutbehandlung wird auf zwei Wochen verkürzt.

Wiederverwendbare Rezepte für chronisch Kranke

Ein Rezept und ein Stempel
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Ärzte können chronisch kranken Patientinnen und Patienten von 2020 an eine sogenannte Wiederholungsverordnung ausstellen. Dabei handelt es sich um ein Rezept, das mehrmals eingelöst werden darf. So kann ein verschriebenes Medikament nach der ersten Abgabe bis zu drei weitere Male in der Apotheke geholt werden. Die Abgabe erfolgt dabei jeweils immer in der gleichen Packungsgröße. Die Gültigkeit des Rezepts liegt bei drei Monaten, kann aber vom Arzt oder der Ärztin über einen entsprechenden Vermerk verlängert werden. 

Als chronisch krank gelten Menschen, die zum einen wegen ihrer Krankheit mindestens einmal im Vierteljahr einen Arzt aufsuchen müssen. Zum anderen muss eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Es liegt Pflegegrad 3, 4 oder 5 vor, bzw. der Grad der Behinderung oder die Minderung der Erwerbsfähigkeit liegen bei 60 Prozent.
  • Es wird dauerhaft medizinische Versorgung nötig, weil ansonsten nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die von der Krankheit verursachte Gesundheitsstörung zu erwarten ist.

Bis zu 75 Prozent Festzuschuss für Zahnersatz

Hände halten eine Zahnbrücke
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Im Oktober 2020 soll der Zuschuss der Gesetzlichen Krankenkassen für Zahnersatz steigen. Für die Regelversorgung bei Brücken, Kronen oder Prothesen steigt der Festkostenzuschuss von 50 auf 60 Prozent. Noch höher fällt er bei einem lückenlos geführten Bonusheft aus: Wer damit regelmäßige Zahnarztbesuche in den letzten fünf Jahren nachweisen kann, bekommt 70 Prozent, bei zehn Jahren ohne Unterbrechung sind es sogar 75.

Der Zuschuss bezieht sich dabei immer auf die Basisbehandlung. Wer sich für ein Implantat oder andere Materialien wie Gold oder Keramik entscheidet, bekommt den Zuschuss nicht. Die Differenz, die aus eigener Tasche bezahlt werden muss, liegt bei den teureren Behandlungen dann entsprechend höher.

Apotheken: Notdienstzuschlag, Grippeimpfung, Aut-Idem-Regelung, Botendienste

Apotheken dürfen auch bei privat Krankenversicherten, bei Privatrezepten, die von den Patientinnen und Patienten selber bezahlt werden müssen, sowie bei Beihilfeempfängern die sogenannte Aut-idem-Regelung anwenden. Sie erlaubt, statt des verschriebenen Medikaments ein anderes (preiswerteres) mit den gleichen Wirkstoffen zu ersetzen (lateinisch "aut idem": "oder das Gleiche").

Das Apotheken-A hängt an einer Apotheke.
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Ärztlich geschulte Apothekerinnen und Apotheker sollen bald Menschen ab 18 Jahren gegen Grippe impfen dürfen - vorausgesetzt, die Apotheke verfügt über geeignete Räume und die passende Impfausstattung. Die Regelung soll für einen breiten Impfschutz gegen Grippe sorgen. Sie wird allerdings vorerst nur in ausgewählten Apotheken erprobt. Die Probephase ist zunächst auf fünf Jahre angesetzt.

Auch neu: Apotheken dürfen Botendienste jetzt jederzeit anbieten. Sie sind bereits seit Oktober 2019 möglich – allerdings nur in Ausnahmefällen.

Apps auf Rezept

Gesundheits-App, die die Daten eines Fitnessarmbandes anzeigt und auswertet.
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Voraussichtlich im zweiten Quartal des Jahres 2020 sollen Ärzte Rezepte für Gesundheits-Apps, die von der Krankenkasse bezahlt werden, ausstellen können. Die Apps können zum Beispiel der Dokumentation von Symptomen dienen, Verhaltenstipps geben oder Blutzuckerwerte speichern. Bis es soweit ist, müssen jedoch noch Sicherheitsfragen geklärt und die App-Hersteller zertifiziert werden.

Produkte, die allein auf Lifestyle und Wellness abzielen, sollen laut GKV nicht finanziert werden. Gemeint sind etwa Schrittzähler, Fitnesstracker, Ernährungs- und Bewegungs-Apps.

Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

Frauenärztin impft 2007 eine Jugendliche gegen Gebärmutterhalskrebs
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Ab Januar 2020 können Frauen ab 35 Jahren alle drei Jahre den sogenannten Ko-Test durchführen lassen, ein kombiniertes Screening aus zytologischer Untersuchung und HPV-Test. Bei auffälligen Befunden wird auch eine Wiederholung des Tests oder eine Abklärungskolposkopie von der Krankenversicherung bezahlt. Frauen zwischen 20 und 34 Jahren haben wie bisher Anspruch auf eine zytologische Untersuchung pro Jahr.

Neu ist auch, dass Frauen zwischen 20 und 65 alle fünf Jahre von ihrer Krankenversicherung zu einer Gebärmutterhalskrebs- Früherkennungsuntersuchung eingeladen werden.

Hämophilie-Medikamente nur noch aus der Apotheke

Patientinnen und Patienten mit Hämophilie (Bluterkrankheit) müssen ihre Medikamente vom 15. August 2020 an wieder aus der Apotheke beziehen. Die bisherige Ausnahme, die den Bezug der Arzneimittel über Ärzte und Krankenkassen direkt vom Hersteller zuließ, wird zurückgenommen. 

Fettabsaugung für Lipödem-Kranke

Unter einem Lipödem leiden vor allem Frauen. Die Störung, bei der es zu einer krankhaften Fettvermehrung an den Armen und Beinen kommt, kann bis hin zu Bewegungseinschränkungen und starken Schmerzen führen. In diesem dritten Stadium bezahlen die Krankenkassen Betroffenen eine Fettabsaugung. Die Voraussetzungen dafür sind allerdings eng gefasst: Neben der entsprechenden ärztlichen Diagnose muss vorher eine sechs Monate andauernde konservative Behandlung erfolgt und ohne eine signifikante Linderung der Beschwerden verlaufen sein.

Erst danach darf der Arzt oder die Ärztin eine Fettabsaugung beantragen. Sie kommt vorerst nur für Patienten mit einem Body Mass Index (BMI) bis 40 infrage, ab einem BMI von 35 muss zusätzlich noch eine Adipositas-Behandlung durchgeführt werden. Die Fettabsaugung selbst durchführen müssen Fachärzte für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie sowie alle operierende Ärztinnen und Ärzte, die die Anforderungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erfüllen.

Die Regelung ist vorerst bis 2024 befristet.

Menthol-Zigaretten verboten

Ein Raucher ascht in einen transportablen Aschenbecher
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Ab 20. Mai 2020 dürfen in der EU keine Menthol-Zigaretten mehr verkauft werden. Das Verbot für bestimmte aromatisierte Zigaretten gilt eigentlich schon seit 2016. Für mentholhaltige Zigaretten mit einem höheren Marktanteil galt eine Ausnahme, die jetzt endet.

Kinderbetreuung nur mit Masern-Impfung

Bunte Strümpfe einer Kindergartengruppe
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Damit ein Kind in einer Kindertagesstätte, eine Schule oder eine andere Gemeinschaftseinrichtung aufgenommen werden kann, müssen die Eltern ab 1. März 2020 nachweisen, dass es gegen Masern geimpft ist oder dass das Kind die Masern bereits einmal überstanden hat. Für Kinder, die bereits eine Einrichtung besuchen, muss der Nachweis bis zu 31. Juli 2021 erfolgen. Auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Einrichtungen sowie Tagesmütter und -väter müssen vom 1. März 2020 an den entsprechenden Impfnachweis erbringen. Dies gilt für alle, die nach 1970 geboren sind. Bei Verstößen droht ein Bußgeld bis zu 2.500 Euro, nicht nur Eltern, sondern auch Kitas.

Eine Masern-Impfpflicht gilt darüber hinaus ab März für Pflegekräfte sowie für alle Bewohnerinnen und Bewohner von Asylbewerber- und Flüchtlingsunterkünften und für die dort Beschäftigten.

Schädliche Substanzen in Kassenbons, Textilien und Kunststoffen

Eine Frau trinkt aus einer Trinkflasche.
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Im Laufe des Jahres 2020 wird der Einsatz verschiedener Chemikalien verboten oder eingeschränkt. So dürfen vom 2. Januar 2020 an keine Bonrollen und Waagenetiketten aus Thermopapier, das den Stoff Bisphenol A (BPA) enthält, mehr verwendet werden. BPA kann in das menschliche Hormonsystem eingreifen und ist unter anderem bereits in Trinkflaschen, Lebensmittelverpackungen oder Bodenbelägen verboten.

Vom 7. Juli 2020 an dürfen die vier Phtalate DEHP, DBP, BBP und DIBP nur noch in ganz geringen Mengen als Weichmacher in Kunststoffprodukten für den Alltag - wie etwa Fußbodenbeläge, Duschvorhänge, Kabel, Kunstoffgeschirr oder auch Lacke - verwendet werden. Erlaubt ist dann nur noch eine Menge von insgesamt maximal 0,1 Prozent. Die Stoffe haben ebenfalls eine negative Auswirkung auf das Hormonsystem.

Vom 1. November 2020 gelten für 33 Substanzen, die erwiesenermaßen oder wahrscheinlich krebserregend sind, strengere Grenzwerte für den Einsatz in Textilien. Dabei handelt es sich insbesondere um Cadmium, Chrom, Arsen, Blei und deren Verbindungen sowie um Benzol und weitere Stoffe.

Mehr Transparenz und Effektivität beim Medizinischen Dienst

In einem OP-Saal steckt ein Arzt an einem Tisch mit Operationsbesteck mit einer Hand, die in einem sterilen Gummihandschuh steckt, einen Tupfer in eine Zange.
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Die Medizinischen Dienste der Krankenkassen werden ab 2020 in eine neue Struktur überführt. Sie sind dann für sich selbst verantwortlich - als eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die neue Unabhängigkeit soll die Arbeitseffektivität erhöhen und zu mehr Transparenz beitragen. Bundesweit soll es dann einheitliche Regelungen geben, auf Grund dessen die Medizinischen Dienste arbeiten. Darüber hinaus soll die Überprüfung von Krankenhäusern neu geregelt werden. Kontrollen sollen seltener, aber dafür gezielter durchgeführt werden. Das soll sich für beide Seiten lohnen: Gute Buchführung bei den Abrechnungen senken die Kontrollrate im Krankenhaus.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 31. Dezember 2019 | 19:30 Uhr

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