Euromünze an Thermostat eines Heizkörpers
Heizen nur mit Strom kostet schnell das drei- bis vierfache im Gegensatz zur Ölheizung. Bildrechte: IMAGO

Umweltschutz Ist die Stromheizung eine Alternative zur Ölheizung?

Der Einbau von Ölheizungen soll ab 2026 verboten werden, in Gebäuden, in denen eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist. Der Austausch von alten Heizungen soll mit bis zu 40 Prozent gefördert werden. Doch wogegen tauscht man die alte Ölheizung? Ist das Heizen mit Strom eine Alternative und welche Möglichkeiten gibt es dabei?

von Therea Liebig, MDR AKTUELL

Euromünze an Thermostat eines Heizkörpers
Heizen nur mit Strom kostet schnell das drei- bis vierfache im Gegensatz zur Ölheizung. Bildrechte: IMAGO

Wer sich während der Debatte um CO2-Emissionen und Klimaschutz überlegt, eine mit Strom betriebene Heizung einbauen zu lassen, der wird schnell fündig. Selbst online kann man sich ab 30 Euro eine Elektroheizung versandkostenfrei nach Hause liefern lassen. Die sieht dann zwar aus, als würde man damit besser nur den Partykeller oder die Garage heizen, doch es gibt auch mit Strom betriebene Heizungen, die laut Produktbeschreibung zum Heizen des heimischen Wohn- oder Esszimmers geeignet sind.

Zwei Arten von Stromheizungen

Man steckt einfach den Stecker in die Steckdose, dreht die Heizung auf und es wird warm. Generell unterscheide man in der Regel zwei Typen beim Heizen mit Strom, erklärt Leonora Holling vom Bund der Energieverbraucher:

Das sei einmal die Heizung, die man als Schlange im Boden verlege, bei der tatsächlich mit Strom Wärme erzeugt werden. Und dann gebe es die Wärmespeicherstromheizung, die zu bestimmten Zeiten aufgeladen werde und dann zu bestimmten Zeiten Wärme abgebe. Die bekannteste Form dieser Wärmespeicherung ist die elektrisch betriebene Nachtspeicherheizung.

Heizen nur mit Strom viel zu teuer

Doch Holling rät davon ab, die eigene Wohnung rein mit Strom zu heizen. Der größte Nachteil der reinen Elektroheizung, die nicht irgendwelche Wärmespeicherstromöfen aufheizt, sei, dass diese wahnsinnig teuer sei. Sie sei im Verhältnis zu einer Öl oder Gasheizung im herkömmlichen Sinne beinah unerschwinglich. Man könne mit drei- bis vierfachen Kosten rechnen.

Das ist wohl einer der Gründe dafür, warum Heizen mit Strom in Deutschland kaum genutzt wird. Laut Erhebung des Bundesverbands der Energie-und Wasserwirtschaft aus dem Juli dieses Jahres liegt der Anteil von stromgeführten Heizsystemen bei 4,8 Prozent. Die Mehrheit der Heizungen, nämlich 48 Prozent, wird mit Erdgas betrieben, 26 Prozent mit Öl.

Wenn Strom, dann Wärmepumpe

Das will die Bundesregierung ändern und den Einbau von Ölheizungen verbieten. Auch Experten sind sich einig: Weg von Öl und Erdgas, ja. Aber elektrisch betriebene Heizungen sind auf keinen Fall die Alternative, sagt Christian Stolte, Energieexperte bei der Deutschen Energie Agentur. Wer dennoch Strom nutzen möchte, der könne aber eine sogenannte Wärmepumpe installieren lassen.

Christian Stolte erklärt, wie die funktioniert: "Eine Wärmepumpe ist stromangetrieben und nutzt Energie, die sie aus dem Erdreich zieht und transferiert sie auf ein höheres Wärmeniveau. Das heißt, ich kann mit Umweltwärme heizen und dadurch wird dieses ganze System sehr effizient."

Energieberater hinzuziehen

Es ist aber auch möglich, Luft für die Wärmepumpe aus der Umgebung anzusaugen oder verbrauchte Luft aus dem Haus. Dieser entzieht man ihre Wärme für die Heizung. Diese Möglichkeit ist zwar nicht so effektiv wie die Erdwärme, dafür entfällt hier die hohe Investition für Tiefenbohrungen. Diese sind bei Erdwärme nötig und kosten je nach Untergrundbeschaffenheit und Größe der Anlage um die 10.000 Euro.

Die Wärmepumpe selbst ist ähnlich teuer wie eine konventionelle Öl- oder Gasheizung. Eine generelle Empfehlung, wie man am besten heizt, hat der Energieexperte nicht. Er empfiehlt denjenigen, die umweltbewusst heizen möchten, sich mit einem Energieberater über die verschiedenen Möglichkeiten auszutauschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2019 | 16:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 17:02 Uhr

12 Kommentare

Hinz vor 3 Wochen

Es geht hier doch um Energieeinsparung.Ölheizung raus und bei gleichem Energieverbrauch in KWh/a eine andere Energiequelle rein?Wo ist dann Energieeinsparung?Also mein Vorschlag-mal die ca 200 Jahre Fehlentwicklung in der Heizungsbranche überdenken und im Kapitel Wärmelehre Physik nachlesen. Eine tatsächliche Energieeinsparung ist im Gebäudebestand durch Umstellung konvektiver Wärmeübertragung auf Wärmeübertragung durch Wärmestrahlung entsprechend den Gesetzen der Physik Max Planck,Boltzmann,Prof.Claus Meier problemlos von 50% und mehr möglich. Weshalb wird dieses einfache Gesetz der Physik nicht bzw. nicht mehr angewandt? Unsere hochdotierten Energieberater sind doch nicht ungebildeter als ein Fürst Rotschönberg 1573 oder die Bauherren von Jugendstil/Fabrikantenvillen.Jedoch bestehen Hemmnisse in unserer rein Umsatz orientierten Gesellschaft.Desweiteren stellen wir doch Öl auf das geförderte Pellet um-Dann erhalten wir mit Öl CO2 und mit Pellet CO2 neutral? Gestank und Feinstaub.

part vor 3 Wochen

Der Strompreis für die Kwh hat sich seit dem Jahr 2000 nahezu verdoppelt, weil angetrieben durch die Kartelle das Wettgeschäft an den Strombörsen im europäischen Verbund die Preissenkungen zurück gehalten wurden aber Preiserhöhungen um so schneller umgelegt wurden. Die Stromerzeugung im europäischen Verbund folgt aber nicht internationalen Richtlien sondern nutzt die nationalen Unterschiede um so weiter zu machen wie bisher, erneuerbare Energiegewinnung rückläufig. Wenn aber ein einzelner Eurofigter in einer Stunde Flugbetrieb so viel CO² erzeut wie eine dreiköpfige Familie in einem ganzen Jahr samt Auto, dann wird deutlich weshalb bei allen Debatten um den Klimaschutz Aufrüstung und Kriegsbeteiligung ausgespart bleiben durch fast alle Medien und auch Teile der Klimaschutzbewegung.

W.Merseburger vor 3 Wochen

An GerdMüller,
ich bin sehr erstaunt über den Tenor ihres Beitrages, da an anderer Stelle ein Umweltaktivist Gerd Müller gänzlich anders diskutiert hat. Es wäre vieleicht angebracht, dass man unter Gerd Müller bzw. GerdMüler sich für einen Nickname entscheiden sollte und den Zweiten dann wegen der Verwechslung nicht zulässt. Werter MDR, das hat nichts mit Ölheizung zu tun, sollte aber gesagt werden dürfen.