Der Ausschnitt der Internetseite eines Online-Shops
Wer im Internet Neuware kauft, sollte sich auch drauf verlassen können, dass es Neuware ist. Wenn nicht, kann der Artikel auch nach 14 Tagen zurück gegeben werden. Bildrechte: dpa

Verbraucherrecht Online-Händler beklagen enorme Schäden bei Rücksendungen

MDR-AKTUELL-Hörer Jürgen Kinder hat sich ein neues Smartphone gekauft. Nach dem Auspacken und Einschalten stellt er fest, dass schon Telefonbucheinträge und Fotos drauf sind. Offenbar hatte das Handy schon einmal einen Besitzer. Er hat mehrere Fragen. Was macht der Handel mit zurückgegebenen Artikeln? Darf der Handel umgetauschte Ware als Neuware verkaufen? Wie kann ich mich als Verbraucher schützen und sicherstellen, dass es sich bei der gekauften Ware tatsächlich um unbenutzte Neuware handelt?

von Christian Werner, MDR AKTUELL

Der Ausschnitt der Internetseite eines Online-Shops
Wer im Internet Neuware kauft, sollte sich auch drauf verlassen können, dass es Neuware ist. Wenn nicht, kann der Artikel auch nach 14 Tagen zurück gegeben werden. Bildrechte: dpa

Besuch im Logistikzentrum von Cyberport in Siebenlehn. Das ist eine halbe Autostunde von Dresden entfernt. Hier landet die von den Kunden zurückgegebene Ware. Für das weitere Vorgehen ist es egal, ob das Gerät in einem Geschäft oder Online gekauft wurde.

Kunden bekommen innerhalb von zwei Tagen Geld zurück

Markus Rehm ist Teamleiter des Reklamationsmanagements von Cyberport: "Zunächst prüfen wir, ob uns der Kunde das richtige Gerät zurückgeschickt hat. Weiterhin schauen wir, ob das Gerät vollzählig ist oder irgendwelche Schäden hat. Wenn das nicht der Fall ist, können wir dem Kunden innerhalb von ein bis zwei Tagen sein Geld zurückerstatten."

Die zurückgegebenen Artikel werden auf Gebrauchsspuren untersucht und gereinigt. Besonderes Augenmerk liegt auf eventuell noch vorhandenen Daten, die der kurzzeitige Besitzer nicht gelöscht hat: "Wir überprüfen grundsätzlich jeden Artikel hinsichtlich seiner Daten. Wir setzen den Artikel auf Werkseinstellung zurück und löschen diese Daten. Dabei verwenden wir je nach Hersteller, Betriebssystem oder Speichermedium unterschiedliche Löschverfahren und Methoden."

Kurz benutzte Artikel gelten als Neuware

Trotzdem empfiehlt es sich, hier selbst als Kunde Sorgfalt walten zu lassen. Katja Henschler vom Verbraucherschutz Sachsen: "Zunächst muss derjenige, der ein Gerät zurückbringt und benutzt hat, selbst dafür sorgen, dass er alle Daten löscht. Danach ist aber der Verkäufer dafür verantwortlich, dass beim Weiterverkauf eines einmal benutzten Gerätes alle Daten gelöscht sind. Wenn das nicht der Fall ist, begeht der Verkäufer einen Datenschutzverstoß."

Dass zurückgegebene Ware als Neuware wieder in den Handel kommt, ist zumindest bei den größeren Einzelhandelsketten untypisch. Allerdings gibt es keine gesetzlich festgelegte Definition, wann eine Ware neu und wann sie gebraucht ist. Ein Laptop, der nur kurz getestet und ohne Gebrauchsspuren zurückgeht, gilt nach derzeitiger Rechtssprechung noch als Neuware.

Großzügige Rabatte für zurückgeschickte Artikel

Bemerkt ein Kunde, dass ein von ihm gekauftes Gerät keine Neuware ist, kann er es zurückgegeben. Das kann auch nach den 14 Tagen Widerrufsrecht erfolgen. Bei einem solchen Fall greift das Gewährleistungsrecht. Allerdings sollte man bedenken, dass ein Nachweis nach längerer Zeit recht schwierig ist.

Meistens jedoch werden bereits einmal verkaufte Artikel deutlich preiswerter angeboten. Noch einmal Markus Rehm von Cyberport: "Die bei uns eigegangene Retourware bieten wir als sogenannte B-Ware im Webshop an. Wir gewähren dann Rabatte zwischen zehn und 30 Prozent."

Jede zweite Rücksendung ist beschädigte Ware

Allerdings klagt vor allem der Onlinehandel mittlerweile darüber, dass fast jede zweite Rücksendung durch Kunden beschädigte Ware sei.  Die Händler gehen von 17 Prozent Umsatzverlust durch minderwertige Retouren aus. Sie können diese Ware nur noch mit hohen Abschlägen verkaufen. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Februar 2018 | 06:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.