Leere Flaschen aus Plastik
Mehrwegflaschen aus Plastik Bildrechte: dpa

Klimaschutz Sind PET-Flaschen besser als Glas?

18,7 Millionen Tonnen Verpackungsmüll sind hierzulande 2017 angefallen. Vor allem der Kunststoff-Verbrauch war dem Umweltbundesamt zufolge so hoch wie nie. Ein Getränkehersteller verteidigt das: PET habe eine viel bessere Ökobilanz als Glas? Doch stimmt das? Ein Faktencheck.

von Birgit Raddatz, MDR AKTUELL

Leere Flaschen aus Plastik
Mehrwegflaschen aus Plastik Bildrechte: dpa

Grundsätzlich gilt: Eine Glasflasche lässt sich bis zu 50 Mal wiederbefüllen, eine Polyethylen-Mehrwegflasche – kurz PET – etwa halb so oft. Aber: Plastik ist leichter als Glas. Beim Transport wird also weniger Rohöl verwendet. Das lasse die PET etwas besser dastehen als Glas, sagt Gerhard Kotschik vom Umweltbundesamt.

Das hängt sehr stark davon ab, über welche Transportmöglichkeiten wir  sprechen.

Gerhard Kotschik Umweltbundesamt
Umweltbundesamt in Dessau
Das Umweltbundesamt in Dessau.. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Wenn man den Transport in der Region habe, dann schnitten PET-Mehrweg und Glas-Mehrweg beide sehr gut ab. Je weiter die Transportentfernungen seien, je stärker schlage in der Ökobilanz zu Buche, dass die Glasflasche schwerer ist und beim Transport mehr Belastungen verursacht werden, erklärt Kotschik.

Als klaren Gewinner würde Kotschik die PET-Flasche trotzdem nicht sehen. Denn ob eine Flasche aus Glas oder Plastik besteht, ist nicht die alles entscheidende Frage. Wichtig ist laut Bundesumweltamt, dass es sich auch eben um eine Mehrweg-PET-Flasche handelt. Denn Einwegflaschen ließen sich zwar recyceln, müssten aber extra hergestellt werden.

"Der große Kritikpunkt ist, dass unnötige Verpackungen anfallen, denn wir sollten zuerst die Verpackungen vermeiden und erst die Verpackung, die nicht vermieden werden kann, da setzt dann das Recyceln an", sagt Kotschik.

Besser Mehrweg als Einweg

Indra Enterlein vom Naturschutzbund plädiert deshalb dafür, die Einwegflasche ganz wegzulassen. Zwar habe sich ihre Ökobilanz verbessert, zum Beispiel, weil leichteres und weniger Material eingesetzt werde. Die Mehrwegflasche werde aber trotzdem gespült und wiederbefüllt und nicht geschreddert und neu hergestellt wie die Einwegflasche.

Der Trend geht in eine andere Richtung. 2017 wurden noch rund 40 Prozent der Getränke in Mehrwegbehältnissen abgefüllt. Anfang der 90-er Jahre waren es noch fast 90 Prozent. Die großen Discounter setzen besonders bei Wasser auf Einwegflaschen.

Enterlein erklärt: "Das ging ganz klar über den Preis. Eine 1,5 Liter Flasche Wasser wird quersubventioniert und kostet zwischen 15 und 19 Cent, und deshalb kaufen Verbraucher die günstigste Variante. Da diese Flasche bepfandet ist, glauben ganz viele, dass das doch Mehrweg ist, weil ich hab ja Pfand drauf und dass dieses System nicht stimmt, das muss auch kommuniziert werden."

Umdenken findet statt

Außerdem lasse sich mit dem Weiterverkauf von PET Geld verdienen, sagt Indra Enterlein vom Nabu. Erkennen lässt sich die Einwegflasche zum Beispiel daran, dass sie immer mit 25 Cent Pfand einhergeht, die Mehrwegflasche ist dagegen oft aus dickerem Plastik.

Ein Umdenken hat aber offenbar stattgefunden: Zwar werden PET-Einwegflaschen immer noch vorwiegend genutzt. Der Umsatz damit ist in den zwölf Monaten bis Ende September 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum allerdings um mehr als zehn Prozent eingebrochen. Denn immer mehr Verbraucher greifen wieder zur Glasflasche oder trinken ihr Wasser gleich aus dem Hahn. Anfang des Jahres startete zudem das neue Verpackungsgesetz in Deutschland, dann sollen innerhalb von drei Jahren mindestens 70 Prozent der Getränke in Mehrwegflaschen verkauft werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 05:00 Uhr

8 Kommentare

kennemich vor 2 Wochen

Hatte ich das gestern Abend bei einem Fernsehsender richtig gehöt?

Deutschland soll im letzten Jahr ca. 100 Mio. Tonnen Plastikmüll exportiert haben ? :-(((

ULoessl vor 3 Wochen

Es artet je länger je mehr in halbbatzige Glaubenskriege mit ideologischer Prägung aus was die Themen Mineralwasser - Leitungswasser und Glas - und PET - Flaschen betrifft. Die Faktenlage wird zum teil bewusst oder unbewusst unterschlagen und der Satz der fast jeden Beitrag beendet lautet...am besten gleich Leitungswasser trinken. Natürlich kann man Leitungswasser genauso trinken wie Mineralwasser. Der wesentliche und zumindest für mich entscheidende Unterschied ist der Ursprung. Mineralwasser muss von Natur aus nachgewiesen rein sein. Leitungswasser muss so gut wie immer erst entsprechend aufbereitet werden, damit es überhaupt rein wird. Das hat zumindest mit Natur dann nicht mehr viel zu tun. Jeder hat naürlich andere Ansprüche an das was er seinem Körper zuführt, meiner ist bei Natur vom Ursprung her. Was die Verpackung betrifft...es gibt nicht eine ökologisch vertretbare Lösung. Glasmehrweg , PET - Mehrweg und genauso auch PET - Einweg aus 100% Altmaterial ...alles Daumen hoch.

part vor 3 Wochen

Den selbsternannten Experten scheint die Gesundheitsgefährdung die durch PET- Flaschen ausgeht weitestgehend egal zu sein, wo sie doch vergessen haben die möglichen nachfolgenden Gesundheitskosten nicht in die Ökobilanz mit einzurechnen. Das Antimon(III)-Oxid, das bei der Hestellung verwendet wird und danach auf den Inhalt übergehen kann wird als möglicherweise krebserregend eingestuft. Acetaldehyd und Weichmacher mit hormoneller Wirkung runden das Bild von der sauberen Alternative zur Glasflasche. Einem führenden Großkonzern in der Hestellung von Zuckerwässern wird dies natürlich egal sein, er wird weiterhin weltweit auf Einweggebinde setzen.