Verbrauchertest Pilze im Supermarkt oft schlecht

Erst tödliche Keime in Wurst, dann Bakterien in Milch und Kunststoffteile im Toastbrot. Die Liste der Lebensmittel-Verunreinigungen wird länger. Nun sind es Speisepilze, die Experten auf den Plan rufen. Ein Test des RBB ergab, dass Pilze in Supermärkten oftmals schlecht bis gesundheitsbedenklich sind.

Pilze in einem Supermarkt.
Champignons kommen im Verbrauchertest noch am besten weg. Bildrechte: IMAGO

Ein großer Supermarkt im Leipziger Südosten. Gleich am Eingang, im Frischebereich, werden Pilze angeboten: Kräutersaitlinge, Champignons, Shiitake-Pilze. Glaubt man einem Test des RBB-Verbrauchermagazins "Super.Markt", sollte man vorsichtig sein. Denn laut RBB sind viele Pilze, die zum Verkauf angeboten werden, schlecht.

Zusammen mit einem Pilzberater hatte der Sender 15 Proben aus Supermärkten und Wochenmärkten untersucht – das Ergebnis: Elf waren nach Ansicht des Experten zum Teil vergammelt oder verschimmelt. Eine Käuferin im Leipziger Supermarkt ist deswegen verunsichert, was den Pilzkauf angeht: "Was soll ich machen, die Pilze hier sind eingeschweißt, ich kann die noch nicht mal angucken."

Schlechter Zustand von Pilzen im Handel nicht unüblich

Champignons kamen in dem Test glimpflich davon. Pfifferlinge dagegen fielen komplett durch, waren zum Teil schon matschig. In einigen Steinpilzen vom Wochenmarkt waren sogar Maden. Die Ergebnisse des Tests kann Harry Andersson gut nachvollziehen. Er ist Experte für Pilze im Lebensmittelhandel bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, hat selbst schon derartige Tests mit Supermarktpilzen durchgeführt und kam auf ähnliche Ergebnisse.

Dass Pilze im Handel schlecht sind, kommt natürlich vor. Denn die Pilze haben in der Regel ja eine lange Reise hinter sich.

Harry Andersson, Pilzexperte

Es hänge aber auch davon ab, um welche Art es sich handele und wie die Bedingungen bei der Ernte gewesen seien. Beim Sammeln unter feuchten Bedingungen seien auch die Pilze feucht und würden dann schneller verderben, meint Andersson.

Verbraucherzentrale Thüringen kritisiert Verkaufsbedingungen

Die im Handel angebotenen Pilze könnten oftmals sogar eine Lebensmittelvergiftung hervorrufen, sagen die Experten weiter. Das heißt also Übelkeit bis Erbrechen. Bei kleinen Kindern, älteren oder geschwächten Menschen könnten sie aber auch richtig gefährlich werden.

Petra Müller von der Verbraucherzentrale Thüringen
Petra Müller von der Verbraucherzentrale Thüringen. Bildrechte: Verbraucherzentrale Thüringen

Oftmals liege das auch an ungünstigen Verkaufsbedingungen im Handel, weil Pilze z.B. zu lange im Regal gelassen werden, sagt Petra Müller vom Fachbereich Lebensmittel von der Verbraucherzentrale Thüringen.

"Man kann z.B. dafür Sorge tragen, dass die Pilze so verpackt sind, dass der Kunde sie gut in Augenschein nehmen kann", meint Müller. "Dass sich kein Kondenswasser bilden kann, was passiert, wenn die Ware unter Folie gepackt ist. Das sollte nicht passieren." Man könne die Ware kühl stellen und es gebe bestimmt auch noch andere Möglichkeiten.

Die Faustregel bei Pilzen lautet: Ist das Fleisch weiß, ist der Pilz lecker. Die Finger sollte man von matschigen oder fleckigen Pilzen lassen, sagt Pilzexperte Andersson. Wer also z.B. Steinpilze kauft, sollte den Händler bitten, den Pilz durchzuschneiden, um einen Blick ins Innere werfen zu können. Das Beste allerdings bleibt, die Pilze selber zu sammeln.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Oktober 2019 | 05:54 Uhr

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