Kriminalität Anzeigenbetrug über drei Ecken

Wer etwas zum Verkauf im Internet inseriert, sollte beim Geld-Ware-Tausch vorsichtig sein. Kriminelle nutzen die Daten gerne als Trittbrettfahrer. Und der eigentliche Verkäufer steht dann als Betrüger - und ohne Geld da. Die Masche ist auch ebay Kleinanzeigen bekannt. Aber man kann sich auch einfach davor schützen, wenn man ein paar Regeln beachtet. Welche, erklären wir hier.

Der Deal schien für Jannik Neumann perfekt: Der Student hatte für 200 Euro ein paar gebrauchte Turnschuhe bei ebay Kleinanzeigen inseriert. Eine Interessentin erklärte drei Tage später per Mail, die Schuhe noch am selben Tag zum angebotenen Preis erwerben zu wollen. Jannik Neumann übermittelte seine paypal-Daten, damit der Handel wie vereinbart abgewickelt werden konnte. Am Abend kam schon ein vermeintlicher Freund der Käuferin vorbei, um die Schuhe in Empfang zu nehmen. Da ging Jannik Neumann davon aus, dass die Schuhe schon bezahlt wurden.

Ein Krimineller + zwei Opfer

Doch stattdessen wurden seine paypal-Daten wiederum in einer Anzeige, in der angeblich Kopfhörer zum Verkauf angeboten wurden, als Kontaktdaten angegeben. Das Geld landete auf seinem Konto, so dass Jannik Neumann denken musste, die Schuhe seien damit bezahlt worden. Einige Tage später meldet sich eine Frau per E-Mail bei ihm, um die Kopfhörer einzufordern. Der Student, der die Schuhe inseriert hatte, und die Frau, die die angeblichen Kopfhörer kaufen wollte, wurden beide Opfer des sogenannten Dreieckbetruges.

Jannik Neumann erstattete Anzeige. Doch das Verfahren wurde eingestellt, denn ein Täter konnte nicht ermittelt werden. Das hatte ihm die Polizei auch zuvor schon signalisiert. "Man hat mir nicht unfreundlich, aber man hat mir bestimmt gesagt, dass ich lieber von der Anzeige absehen sollte. Das wäre nur unnötig verschwendete Zeit", erklärt Jannik Neumann.

Eine Hand hält eine Lupe vor einen Monitor, auf dem die Website von Ebay Kleinanzeigen angezeigt wird. 1 min
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MDR JUMP Mo 27.04.2020 02:10Uhr 01:10 min

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Sicherheitstipps von ebay Kleinanzeigen

Die Masche des Dreiecksbetrugs ist auch ebay Kleinanzeigen bekannt. Da die Betrüger im Netz kaum Spuren hinterlassen, gibt es dagegen nur einen wirksamen Schutz, sagt Pressesprecher Pierre Du Bois: "Im Idealfall treffen sich Käufer und Verkäufer vor Ort und tauschen Ware gegen Geld. Das ist der entscheidende Punkt. Es gibt auch keinen Zahlungsdienstleister, auch wenn manche damit werben, sicher zu sein beziehungsweise sicherer zu sein oder hundertprozentige Sicherheit garantiert."

Opfer der Betrugsmasche sollten Anzeige erstatten und dem Anzeigenbetreiber den Vorfall melden. "Dann haben wir die Möglichkeit, dem nachzugehen und beispielsweise dafür zu sorgen, dass diese Identität nicht mehr missbraucht wird", so Pierre Du Bois. Tipps zur eigenen Sicherheit gibt ebay Kleinanzeigen auf jeder ihrer Internetseiten mit an die Hand, erklärt der ebay Pressesprecher. "Da schließe ich etwa 80-90 Prozent aller Maschen von vornherein aus und bin schon ziemlich sicher unterwegs."

Drei Grundregeln - Keine Vorkasse
- Direkter Kontakt
- Persönliche Übergabe von Geld und Ware

Vorsicht auch vor Geschäftskunden aus dem Ausland

Ebay Kleinanzeigen rät auch bei Geschäftskontakten aus dem Ausland zur Vorsicht. Hier sollte man zum einen hellhörig werden, weil die Versandkosten mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu einem gleichwertigen Verkauf in der Gegend im Verhältnis stünden, so Pierre Du Bois. "Wir sind dafür gedacht, dass man lokal in seiner Nachbarschaft handelt", betont er.

Hinter einem angeblichen Michael Brennet aus London etwa steckt offenbar ein ausgeklügeltes Betrügernetzwerk. "Man kann auch davon ausgehen, dass diese Postanschrift wahrscheinlich auch nur eine Briefkastenanschrift ist und dass eine Weitersendung eingerichtet worden ist", schätzt Dirk Hintermeier, Cybercrime–Experte vom Hessischen LKA, ein. Betreiber der Seite "online-warnungen.de"  haben bereits Tausende ähnliche E-Mails gesammelt. Personen hinter dem Pseudonym sind jedoch nur schwer greifbar.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 28. Juli 2020 | 20:15 Uhr