Corona-Krise Bund macht Druck auf Airlines wegen Ticketerstattung

Die Fluggesellschaften sind nach EU-Recht verpflichtet, ihre Kunden die Tickets für die in der Corona-Krise ausgefallenen Flüge zu erstatten. Dafür haben sie sieben Tage Zeit. Doch auch Wochen nach ausgefallenen Flügen warten Kunden auf ihr Geld.

Ein Airbus A 350 der Lufthansa bei einem Trainingsflug auf der Nordbahn am Flughafen Leipzig - Halle.
Wegen zögerlicher Ticketerswtattung in der Kritik: Lufthansa. Bildrechte: IMAGO

Das Luftfahrt-Bundesamt macht Medienberichten zufolge Druck auf Fluggesellschaften, das Geld für ausgefallene Flüge zu erstatten. Die "Welt am Sonntag" schreibt, die Behörde habe zunächst diverse Airlines verwarnt. Zudem seien Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden. Im Ergebnis könnten Bußgelder verhängt werden.

"Spiegel": Mehr als eine Million Anträge bei Lufthansa offen

Der "Spiegel" berichtete, die Lufthansa habe Probleme bei der Bearbeitung der Erstattungsanträge eingeräumt. Das Magazin zitierte aus einer aktuellen Stellungnahme für das Luftfahrtbundesamt, wonach bei Lufhansa von rund viereinhalb Millionen Erstattungsanträgen noch 1,24 Millionen offen seien. Bei der Tochter Eurowings seien erst rund die Hälfte der 378.000 Anträge auf Erstattung bearbeitet worden.

Die "Welt am Sonntag" schreibt unter Berufung auf Recherchen des Reiserechtsportals Fairplane, dass bei den Lufthansa-Töchtern Eurowings und Swiss erst vier bzw. fünf Prozent der Kunden entschädigt worden seien.

Wirtschaftsstaatssekretär: Airline-Verhalten nicht nachvollziehbar

Wirtschaftsstaatsekretär Ulrich Nussbaum sagte dem "Spiegel", es sei nicht nachvollziehbar, dass die Lufthansa trotz der massiven staatlichen Hilfen ihren gesetzlichen Verpflichtungen bislang nicht nachkomme und den Kunden ihre Gelder nicht unverzüglich zurückzahle.

Schon bei den Verhandlungen über das Hilfspaket sei über dieses Thema gesprochen worden. Lufthansa erhält neun Milliarden Euro staatliche Hilfe zur Bewältigung der Corona-Krise.

Lufthansa: Bisher zwei Milliarden Euro ausgezahlt

Eine Sprecherin der Lufthansa erklärte, im Jahr 2020 seien für die gesamte Lufthansa-Gruppe bisher mehr als zwei Milliarden Euro an Erstattung ausbezahlt worden. Die Flüge aus den Monaten März und April seien weitestgehend abgearbeitet. Weniger als eine Milliarde Euro an Erstattungen stehe noch aus.

Die Lufthansa hatte für Ende Juli angekündigt, die automatisierten Erstattungssysteme wieder einzuschalten. Zuvor waren die Anträge zeitaufwändig einzeln bearbeitet worden. Vorstandsmitglied Harry Hohmeister hatte gesagt, die Airline sei von der Corona-Krise und den Folgen "überrollt" worden.

Erstattung muss binnen sieben Tagen erfolgen

Die Erstattung von Flugtickets bei Annullierung von Flügen ist im europäischen Fluggastrecht geregelt. Danach muss die Rückerstattung binnen sieben Tagen erfolgen. Die von Airlines nach den coronabedingten Stornierungen vielfach ausgestellten Gutscheine müssen Kunden nicht akzeptieren. Wenn sie den Gutschein abgelehnt haben, behalten sie Anspruch auf Kostenerstattung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. August 2020 | 13:30 Uhr