Streitfall Smartphone Diese Rechte haben Lehrer im Umgang mit Schüler-Handys

An einer Schule in Halle hatte ein Lehrer seinem Schüler das Handy weggenommen, weil er den Schüler verdächtigt hat, Mädchen im Sportunterricht fotografiert zu haben. Der Junge musste auch seine PIN rausgeben. Doch wie weit dürfen Lehrer in solchen Fällen gehen?

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Handy
Smartphones im Unterricht sorgen immer wieder für Diskussionen. Bildrechte: Colourbox.de

Für die Schüler der Thomasschule in Leipzig ist eigentlich klar: Das Handy ist im Unterricht tabu, so steht es in der Schulordnung. Trotzdem lassen viele in den Schulstunden nicht die Finger davon. Mancher schaut mal schnell im Unterricht eine Nachricht nach, andere checken kurz die Uhrzeit. Viele sind der Meinung, dass es die Lehrer sowieso nicht schaffen, verbotene Blicke aufs Smartphone zu verhindern.

Handys sorgen an der Schule immer wieder für Ärger, sagen die Schüler. Viele Lehrer kassieren die Telefone dann ein. Ein Schüler hat sogar schon einen Schulverweis bekommen, weil er zu oft im Unterricht draufgeguckt hat. "Aber ich habe auch daraus gelernt und benutze mein Handy jetzt nicht so oft", sagt er.

Schulgesetze regeln Umgang mit Handys nicht

So wie an der Thomasschule läuft es an den meisten deutschen Schulen. Es gibt Verbote, gegen die aber regelmäßig verstoßen wird. Was können sich die Lehrer dann erlauben? Die Antwort müsste eigentlich in den Schulgesetzen der einzelnen Bundesländer stehen, erklärt der Leipziger Rechtsanwalt Jan Siebenhüner. Doch weder Sachsen, Sachsen-Anhalt noch Thüringen haben den Umgang mit Handys darin geregelt. Also gilt am Ende, was die Schulordnung vorschreibt.

Anwalt Siebenhüner erklärt: "Grundsätzlich ist die Benutzung des Handys geeignet, den Unterricht zu stören. Indem ich beispielsweise den Unterricht verwende, um zu spielen, mit dem Klingelton andere Mitschüler ärgere. Und dann können auch Disziplinarmaßnahmen ergriffen werden, wie die Wegnahme des Handys, und ein schriftlicher Verweis erteilt werden."

Spätestens am Ende des Unterrichts müsse das Handy aber an den Schüler zurückgegeben werden, erklärt der Rechtsanwalt.

Inhalte auf Handy für Lehrer tabu

Doch dürfen Lehrer auch in die Smartphones reinschauen, Nachrichten lesen oder Bilder angucken? Grundsätzlich nein, sagt Jan Siebenhüner. Was sich auf dem Handy befindet, ist privat und für Lehrer tabu. Doch es gibt eine Ausnahme.

Der Lehrer dürfe auf dem Handy spionieren, wenn es erstens entsperrt sei und wenn zweitens anzunehmen sei, dass der Schüler eine Straftat begangen hat, erklärt Siebenhüner. "Ein Beispiel wäre, der Schüler guckt sich dort Handy-Pornovideos an oder gewaltverherrlichende Sachen oder der Schüler macht Nacktaufnahmen von Mitschülerinnen oder Schülern. Wenn er da den Schüler auf frischer Tat erwischt, darf er auch reingucken."

Lehrer dürfen von Schülern nicht die PIN einfordern

Für unseren Fall an der Schule in Halle heißt das aber trotzdem nicht, dass der Lehrer alles richtig gemacht hat. Er hatte einen Schüler verdächtigt, Mitschülerinnen in der Umkleide gefilmt zu haben und das Handy an sich genommen. Dann aber verlangte der Lehrer offenbar die PIN für das Handy.

Das gehe zu weit, erklärt Jan Siebenhüner. Nach dem Strafgesetzbuch könne das Nötigung sein, so der Rechtsanwalt: "Sodass ich davon abrate, dass hier der Lehrer die Herausgabe der PIN fordert." Er sollte, wenn der Verdacht einer Straftat vorliegt, immer die Polizei einbeziehen. Sie könne Maßnahmen ergreifen, die vom Gesetz gedeckt seien.

Nach dem Vorfall an der Schule in Halle ermittelt nun die Polizei. Und zwar nicht nur, weil der Lehrer die PIN für das Schülerhandy verlangt hatte. Hinzu kommt auch, dass der Polizei nach einer Schlägerei zwischen dem Lehrer und dem Vater des Schülers Anzeigen wegen Körperverletzung vorliegen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Januar 2020 | 08:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 05:00 Uhr

26 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 5 Wochen

"Dann beantworte ich Ihnen mal diese Ihnen so wichtige Frage: Handys gehören heute genauso in die Schule, wie Gameboys in den 90gern -zum daddeln und zum unterhalten."

Den Paragraph im Schulrecht zeigen sie uns doch mal bitte wo drin steht das das erlaubt ist,ich bin echt gespannt.
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Ekkehard Kohfeld vor 5 Wochen

Nein sie wollen stänkern das ist alles.
Ich habe vor meinem Lehren oder dem Dofrplizisten keine Angst gehabt,sonder Respekt.
Wer Angst hatte,hatte da auch einen Grund,für welchen hatten sie den?
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Mueller vor 5 Wochen

Interessanter Artikel.
"Er hatte einen Schüler verdächtigt, Mitschülerinnen in der Umkleide gefilmt zu haben und das Handy an sich genommen"

Finde ich absolut richtig, mit allem anderen ging er aber zu weit.