Fahrraddiebstahl Tipps der Polizei zum Kauf gebrauchter Fahrräder

Jährlich werden zehntausende Fahrräder in Deutschland gestohlen. Allein in Sachsen waren es im Vorjahr laut Landeskriminalamt 21.021 Fahrräder. Ein Teil der gestohlenen Fahrräder wird verkauft, zum Beispiel auf Online-Plattformen. Wie können Käufer wissen, ob es sich um ein Schnäppchen oder Diebesgut handelt?

Fahrrad auf einem Weg
Der Handel mit gestohlenen Rädern im Netz blüht. Ullrich Kroemer aus Leipzig fand sein Fahrrad auf einem Kleinanzeigen-Portal wieder, gab sich als interessierter Käufer aus und schickte die Polizei zur Übergabe. Hier sein Fahrrad. Bildrechte: MDR/Lisa Kettwig

Ein erster Hinweis sei der Preis, erklärt Patrick Martin, Erster Polizeihauptkommissar der Polizei Thüringen. Wird ein hochwertiges Rad oder auch Teile zu einem niedrigen Preis verkauft, sollte man vorsichtig sein. Weitere Warnsignale sind, wenn das Fahrrad nicht zum Verkäufer passt, zum Beispiel wenn die Rahmenhöhe zu groß ist. Wer ganz sicher gehen wolle, könne ein gebrauchtes Fahrrad auch bei einem Fachhändler erwerben.

Grundsätzlich sei es für potentiellen Käufer nur schwer ersichtlich, ob ein Fahrrad gestohlen wurde, betont Martin. Deswegen sollen Kunden genau die Angaben zum Fahrrad und zum Verkäufer prüfen und sich Kaufbelege zeigen lassen.

LKA Sachsen empfiehlt schriftlichen Kaufvertrag

Dirk Möller vom Landeskriminalamt (LKA) hat noch einen weiteren Tipp. Sei das Fahrrad codiert, sollten man sich auch dazu die entsprechenden Unterlagen übergeben lassen. Der Erste Kriminalhauptkommissar rät, grundsätzlich sollten Kunden beim Kauf eines gebrauchten Rades einen schriftlichen Kaufvertrag abschließen. Vordrucke dazu findet man zum Beispiel auf den Seiten des ADFC. "Wichtig ist dabei, dass die Daten des Verkäufers anhand seines Ausweises geprüft werden. Ein seriöser Verkäufer wird keine Einwände dagegen haben."

Sollten sich Käufer unsicher sein, raten Möller und Martin, sich an die Polizei zu wenden. Auf der nächstgelegenen Polizeidienststelle könnten die Beamten anhand der Rahmennummer feststellen, ob das Rad als gestohlen gemeldet wurde. Möller verweist zudem auf nicht offizielle Datenbanken im Internet. "Diese haben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit."

Was, wenn das Fahrrad gestohlen ist?

Sollte ein Käufer feststellen, dass er ein gestohlenes Fahrrad erworben hat, sollte er unbedingt die Polizei einschalten. Käufer, die vorsätzlich Hehlerware erwerben, machen sich strafbar, erklärt Martin.

Deswegen sei es wichtig, dass Käufer sich den Ausweis des Verkäufers zeigen ließen. So könne später bei der Polizei ein möglicher Verdacht ausgeräumt werden, dass man das Fahrrad gestohlen oder Hehlerware erstanden habe. Kennen Nutzer die Identität des Verkäufers, könnten sie in diesem Fall gegen diesen auch Schadenersatzansprüche geltend machen.

Was wird aus dem gestohlenen Fahrrad?

Ein gestohlenes Fahrrad bleibt Eigentum des ursprünglichen Besitzers, betont Dirk Möller vom LKA Sachsen. Das Rad müsse an diesen zurückgegeben werden.

Welche Tipps hat die Polizei für Fahrradbesitzer?

Ein angeschlossenes Fahrrad
So ist es richtig: Fahrrad und Einzelteile sind mit einem hochwertigen Schloss an einem festen Gegenstand angeschlossen. Bildrechte: MDR/PR Texlock GmbH

"Schließen Sie Ihr Fahrrad nicht nur ab, sondern an festen Gegenständen an", rät Patrick Martin. Das gilt auch in Kellern oder Hausfluren. Ein hochwertiges Schloss sei wichtig. Er weist darauf hin, dass viele, billige Schlösser von Dieben in Sekunden geöffnet werden könnten. Dirk Möller rät dazu, auch Einzelteile wie Sättel oder Laufrad anzuschließen. Bei Pedelecs sollten teure Zusatzteile wie Akkus nicht am Fahrrad gelassen werden.

Rahmennummer, Marke und besondere Merkmale sollten Besitzer in einem Fahrradpass vermerken. Diesen gibt es auch als App in den jeweiligen App-Stores. Auch empfiehlt Möller eine Rahmen-Codierung. Diese nimmt zum Beispiel der ADFC vor. Und natürlich sollte man Unterlagen wie den Kaufvertrag aufbewahren. Schon allein für den Fall, dass man das Rad später einmal verkaufen möchte.

Dieses Thema im Programm: MDR EXAKT | 27. Juli 2020 | 15:40 Uhr