Online-Betrug Fake Shops im Internet: Mehrere aktuelle Fälle in Thüringen

Ob Kleidung, Schmuck oder Technik: Immer häufiger werden Käufer über falsche Online-Shops mit Schnäppchenangeboten geködert. Sie zahlen, bekommen aber keine Ware. In Thüringen und anderswo häufen sich diese Fälle.

Ihre Masche ist simpel: Fake-Shops locken auf professionell und seriös wirkenden Internetseiten Käufer mit attraktiven Preisen. Auf die Auslieferung der Bestellung warten sie allerdings umsonst. Denn die Ware wurde nie versandt.

Melanie Pusch
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Auch Melanie Pusch aus Thüringen wartet bis heute vergebens auf einen Trockner, den sie online beim Versandhaus Vettel bestellt hatte: "Die Seite an sich sah sehr seriös aus. Es war von der Präsentation her wirklich aufgemacht wie ein normaler Onlineshop. Es war jetzt nichts, was ich im ersten Moment hätte sehen können."

Auf den ersten Blick nicht zu erkennen

Fake Shop Versandhaus Vettel
Melanie Pusch Vettel fiel auf diesen Fake Shop herein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anders als noch von einigen Jahren sind Fake-Shops heute von seriösen Händlern kaum noch zu unterscheiden. Im Impressum werden beispielsweise deutsche Firmen als Inhaber genannt. Deren Adressen haben die Betreiber allerdings gestohlen. Die Käufer bezahlen meist per Vorkasse, Überweisung oder Kreditkarte. In den aktuellen Fällen wurden vor dem Kauf mehrere Zahlungsmöglichkeiten angeboten. Kam es aber dann zum Kauf, verlangen die Fake-Shops immer Vorkasse.

Aufgrund der vermeintlichen Seriosität schöpft Melanie Pusch auch keinen Verdacht, als sie die 479 Euro für den Trockner an eine IBAN in Irland überweist. Nach einigen Tagen wundert sie sich jedoch darüber, dass sie noch keine Versandbestätigung erhalten hat: "Ich habe dann die Firma kontaktiert per E-Mail und hab dann relativ schnell die E-Mail als unzustellbar zurückbekommen." Melanie Pusch forscht im Internet nach und findet schnell Hinweise, dass es sich beim Versandhaus Vettel um einen Fake-Shop handelt. Daraufhin erstattet die 36-Jährige Anzeige.

Fälle häufen sich

Laut Angaben der Polizei lässt sich aktuell eine Häufung von Anzeigen zu Betrugsfällen dieser Art feststellen. Polizeioberkommissarin Julia Neumann von der Polizei Erfurt sagte "Kripo live": "Wir gehen davon aus, dass es sich hier nicht nur um einen Einzeltäter handelt, denn es sind sehr, sehr viele ausländische Bankverbindungen mit denen gearbeitet wird und es tauchen auch im Internet verschiedenste Shops auf, die nicht nur durch eine Person betrieben werden können."

In Suchmaschinen oben

Die Websiten werden so optimiert, dass sie bei Produktsuchen über Suchmaschinen stets weit oben erscheinen. Damit erreichen die Betreiber der Shops, dass der Fake-Shop von möglichst vielen Internetnutzern aufgerufen und auch genutzt wird. So profitieren die Betrüger auch dann, wenn die Shops nur wenige Tage online sind.

Polizeioberkommissarin Julia Neumann von der Polizei Erfurt
Polizeioberkommissarin Julia Neumann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass die Betrüger mittlerweile sehr raffiniert vorgehen, kann Polizeioberkommissarin Neumann bestätigen: "Viele Fakeshops sind nur so kurz online, weil natürlich Ermittlungen durchgeführt werden, sobald die ersten Menschen darauf reinfallen und das bei der Polizei anzeigen. In dem Moment schalten diese Betreiber ihre Homepage schon wieder ab, so dass die Ermittlungen ins Leere verlaufen. Die Täter gehen dann mit anderen Seiten online und machen dort ihr Spiel weiter."

Wie hoch der Schaden durch Betrüger im Netz genau ist, lässt sich nicht beziffern. Fake-Shop-Fälle werden in der Kriminalstatistik unter dem Oberbegriff "Warenbetrug" erfasst. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik von 2018 gab es zuletzt mehr als 117.000 Fälle von Warenbetrug mit einem Gesamtschaden von über 90 Millionen Euro.

Was Verbraucher tun können, um sich vor Fake-Shops zu schützen, lesen Sie in diesem Verbraucher-Tipp.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo live | 17. November 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2019, 06:00 Uhr