Rechte und Pflichten Nebentätigkeit: Was beim Nebenjob zu beachten ist

Ob als Aushilfe oder als Kellner: Immer mehr Deutsche üben eine Nebentätigkeit aus. Wer seinen Verdienst mit einem Nebenjob aufbessern will, muss einige Fallstricke beachten. Experte Gilbert Häfner klärt auf.

Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Euro Geldmünzen im Wert von 8,50.
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Benötigt man die Zustimmung seines Arbeitgebers, um eine Nebentätigkeit aufzunehmen?

Solange er die Nebenbeschäftigung nicht während der vereinbarten Arbeitszeiten im Hauptarbeitsverhältnis ausübt, steht es dem Arbeitnehmer grundsätzlich frei, mit einem anderen Arbeitgeber ein Arbeitsverhältnis zu begründen. Der Arbeitnehmer muss seinem Arbeitgeber die Aufnahme einer Nebentätigkeit grundsätzlich auch nicht anzeigen. Anderes gilt, wenn der Arbeitsvertrag oder der Tarifvertrag ein Zustimmungserfordernis bzw. eine Anzeigepflicht vorsieht. Auch wenn sich der Arbeitgeber die Zustimmung zur Aufnahme einer Nebentätigkeit vorbehalten hat, darf er deren Erteilung nur verweigern, wenn durch sie die Gefahr begründet wird, dass der Arbeitnehmer seinen arbeitsvertraglichen Pflichten nicht mehr uneingeschränkt nachkommt.

Welche Einschränkungen gelten in Bezug auf Art und Umfang einer Nebentätigkeit?

Mit seiner Nebentätigkeit darf der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber keine Konkurrenz machen. Dies gilt unabhängig davon, ob die Nebentätigkeit selbständig oder in einem Arbeitsverhältnis ausgeübt wird. Auch darf die werktägliche Arbeitszeit zehn Stunden nicht überschreiten, wobei innerhalb eines Zeitraums von sechs Kalendermonaten oder von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden nicht überschritten werden dürfen.

Gibt es bei Nebenjobs Verdienstgrenzen zu beachten?

Man darf auch mit mehreren Arbeitsverhältnissen so viel verdienen, wie man kann und möchte. Von Interesse ist aber, dass bei einem als Nebentätigkeit ausgeübten Minijob mit einem Arbeitsentgelt bis zu 450 Euro monatlich die hierauf anfallenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge allein vom Arbeitgeber getragen werden. Lediglich zur Rentenversicherung muss auch der Minijobber einen Anteil leisten; er kann sich hiervon jedoch befreien lassen.

Darf man zwei Nebentätigkeiten nebeneinander haben?

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Auch für die Anzahl der Nebentätigkeiten gibt es keine Grenze. Neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung kann man aber nur eine Nebentätigkeit als 450-Euro-Minijob ausüben. Nimmt der Arbeitnehmer noch einen oder mehrere weitere 450-Euro-Jobs auf, wird das hieraus bezogene Arbeitsentgelt mit demjenigen aus der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet und ist, von der Arbeitslosenversicherung abgesehen, versicherungspflichtig.

Welche steuerlichen Freibeträge gelten für eine Nebentätigkeit als Übungsleiter oder in ehrenamtlicher Funktion in einem Verein?

Steuerfrei sind Einnahmen

  • als nebenberuflicher Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder aus vergleichbaren nebenberuflichen Tätigkeiten,
  • aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten oder
  • aus der nebenberuflichen Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen,

bis zur Höhe von insgesamt 2.400 Euro im Jahr (sog. Übungsleiterpauschale), und zwar jeweils auch dann, wenn diese Nebentätigkeit außerhalb eines Vereins ausgeübt wird.

Hinweisschild -Freundliche Aushilfe gesucht!-
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Steuerfrei sind ferner Einnahmen, die aus einer Nebentätigkeit in einer Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke, beispielsweise in einem gemeinnützigen Verein, herrühren, bis zu einer Höhe von insgesamt 720 Euro im Jahr (sog. Ehrenamtspauschale).

Die beiden Befreiungen können miteinander kombiniert werden: Wer beispielsweise als Nebentätigkeit in einem Sportverein gegen ein jährliches Entgelt von 2.400 Euro die Jugendmannschaft trainiert und gegen ein Entgelt von 720 Euro im Jahr als Schatzmeister im Vereinsvorstand fungiert, erhält die Summe von 3.120 Euro steuerfrei. Zahlt der Verein hingegen dem nebenberuflichen Schatzmeister ein Entgelt von 1.000 Euro jährlich, so wird dieses Beschäftigungsverhältnis, soweit es die über den Freibetrag von 720 Euro hinausgeht, als Minijob behandelt. Der Verein muss dann somit auf einen Entgeltanteil von 280 Euro Abgaben für geringfügige Beschäftigung entrichten.

Welche Folgen drohen demjenigen, der seine Haushaltshilfe "schwarz" beschäftigt?

Wer als Arbeitgeber Dienstleistungen ausführen lässt, ohne die sich daraus ergebenden steuerlichen Pflichten oder sozialversicherungsrechtlichen Melde-, Beitrags- oder Aufzeichnungspflichten zu erfüllen, macht sich strafbar. Steuerhinterziehung ist mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bedroht. Entsprechendes gilt für das Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen.

Erleidet die "schwarz" arbeitende Haushaltshilfe einen Arbeitsunfall, kommt zwar für ihre Behandlungskosten die gesetzliche Unfallversicherung auf. Wegen seiner diesbezüglichen Aufwendungen kann sich der Versicherungsträger aber bei dem Arbeitgeber schadlos halten.

Darf man einer Nebentätigkeit nachgehen, wenn man krankgeschrieben ist?

Eine ärztliche Krankschreibung begründet kein Beschäftigungsverbot. Der Arbeitnehmer kann – und muss sogar – zur Arbeit erscheinen, sobald er wieder arbeitsfähig ist. Ein tatsächlich arbeitsunfähig erkrankter Arbeitnehmer ist wiederum arbeitsvertraglich verpflichtet, sich so zu erhalten, dass er bald wieder gesund wird und an seinen Arbeitsplatz zurückkehren kann. Eine schwerwiegende Verletzung dieser Rücksichtnahmepflicht kann sogar eine Kündigung rechtfertigen. Eine derartige Pflichtverletzung liegt vor, wenn der kranke Arbeitnehmer den Heilungserfolg dadurch gefährdet, dass er seiner Nebentätigkeit nachgeht. Ein solches Verhalten kann darüber hinaus ein Indiz dafür sein, dass die Arbeitsunfähigkeit nur vorgetäuscht ist. Ein krankgeschriebener Arbeitnehmer ist daher gut beraten, allenfalls solche Nebentätigkeiten auszuüben, die ersichtlich einer baldigen Wiedergenesung nicht abträglich sind.   

Bürgertelefon für Arbeitsrecht Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
Telefon: 030 221911004, montags bis donnerstags von 8 Uhr bis 20 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 28. März 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2019, 21:26 Uhr