Umschau-Quicktipp Wenn Friseur oder Tätowierer einen Fehler machen

Haareschneiden und Tätowieren sind Vertrauenssache und für manch einen eine sensible Angelegenheit. Viele Kunden haben genaue Vorstellungen, wie sie aussehen möchten. Wenn dann etwas schief geht, kann ein sprichwörtlich haariger Streit entbrennen - als Ultima Ratio endet er vor Gericht, wenn der entstellte Kunde auf Schadenersatz oder gar Schmerzensgeld klagt. Die gute Nachricht: Kunden haben in beiden Fällen Verbraucherrechte.

Keine offenen Rechnungen

Auch wenn es schmerzt und Sie mit dem Ergebnis unzufrieden sind, sollten Sie dem Impuls widerstehen, wütend davonzulaufen und nicht zu bezahlen. Verbraucherschützer raten dazu, die Rechnung erst einmal zu begleichen. Juristisch gesehen wäre es Unrecht, für die erbrachte Leistung nicht zu zahlen. Doch wie bei handwerklichen Dienstleistungen auch muss nachgebessert werden, wenn das Ergebnis nicht stimmt. Dafür sollte man sofort reklamieren, wenn etwas schief geht. Wichtiger Tipp: Dokumentieren sie das misslungene Ergebnis mit Fotos.

Jeder hat eine zweite Chance verdient

Eine Frau bekommt einen Haarschnitt
Bildrechte: dpa

Man sollte dem Friseur die Chance geben, das Ergebnis zu verbessern. Anderenfalls läuft man Gefahr, seine Ansprüche auf Schaden­ersatz und Schmerzensgeld zu verlieren. Nur wenn der Salon eine Nachbesserung verweigert oder der zweite Rettungsversuch scheitert, dürfen Verbraucher zur Konkurrenz gehen und dem Schadenverursacher die Kosten danach in Rechnung stellen. Bei misslungenen Tattoos gilt dieses Prinzip im Grundsatz auch, allerdings nur für kleinere Korrekturen.

Beschwerden sofort anbringen

Warten Sie nicht mit Ihrer Reklamation, sondern sprechen Sie es direkt vor Ort beim Friseur oder Tätowierer an, wenn etwas nicht stimmt. Sonst könnten spätere Beschwerden ins Leere laufen. Ein Beispiel aus der juristischen Praxis: Eine Frau verlangte Schmerzensgeld von ihrem Friseur, weil er ihr Haar so geschnitten hatte, dass die Kopfhaut durchschien. Dabei hatte sie vorab extra darauf hingewiesen, dass ihr Haar sehr dünn sei und es deshalb nur sehr vorsichtig gekürzt werden solle. Doch das Amtsgericht entschied gegen sie. Der Grund: Sie hatte sich nicht sofort beschwert, sondern erst nach zwei Tagen.

Rekordschmerzensgeld von 18.000 Euro

Haare wachsen nach. Schlimmer sind bleibende äußere Veränderungen. Deshalb geht es vor Gericht meist nicht um hässliche Haarschnitte, sondern um gravierendere Fälle: wenn zum Beispiel Haare oder Haut durch Chemikalien geschädigt wurden. In einem besonders folgenreichen Fall bekam ein Mädchen ein Rekordschmerzensgeld von 18.000 Euro zugesprochen, weil ihre Kopfhaut zum Teil abgestorben war. Ein Färbemittel war vom Friseur falsch angewendet worden.

Hohe Entschädigungen werden aber nur selten gezahlt, und zwar, wenn Kunden erhebliche Schmerzen erdulden mussten oder so entstellt sind, dass Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Meist geht es um kleinere Summen. So bekam eine Frau 50 Euro Schmerzensgeld, weil das Färben ihrer Haare nicht geklappt hatte. Sie wünschte sich einen bunten Farbverlauf, für den ihr Haar aber zu dunkel war. Nach mehreren Versuchen war ihr Haar so angegriffen, dass es abgeschnitten werden musste. Sie zog vor Gericht, bekam die Friseurkosten von 200 Euro erstattet und 50 Euro Schmerzensgeld obendrauf.

Ungeschützte Berufsbezeichnung

Friseur/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk mit dreijähriger Ausbildung. Etwas anders verhält es sich beim Tätowierer. Um ein Tattoo-Studio zu eröffnen, braucht man in Deutschland einen Gewer­beschein und muss volljährig sein. Eine Ausbildung ist hingegen nicht vorgeschrieben. Deshalb sollte man sich vorab genau informieren, wo man sich ein Tattoo stechen lässt.

Wenn das Tattoo von der Vorlage abweicht

Wenn der Tätowierer unsauber arbeitet oder von der besprochenen Vorlage abgewichen ist, haben Betroffene unter Umständen Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Hier nehmen es Juristen mitunter sehr genau. So wollte ein Vater die Geburt seines Sohnes auf die Minute genau auf seiner Haut verewigen. Doch die dann tätowierte Taschenuhr ging fünf Minuten vor. Ein Gericht sprach dem Vater deshalb 1.500 Euro Schadenersatz zu.

Kosten einer Tattoo-Entfernung

Tattoo-Entfernung mit einem Laser
Bildrechte: imago/biky

Ein Tattoo wieder entfernen zu lassen, ist deutlich teurer als das Stechen. Ab Ende 2020 sollen nur noch Ärzte Tattoos per Laser entfernen dürfen, so will es ein Gesetzentwurf. Doch wer trägt die Kosten für die Entfernung? Im Fall eines misslungenen Blumen-Tattoos entschied ein Richter zugunsten der Kundin. Die Linien und Farben ihres Tattoos waren verlaufen, weil es zu tief gestochen worden war. Der Tätowierer musste in der Konsequenz nicht nur die Laser-Entfernung des Tattoos durch einen Mediziner bezahlen, sondern auch noch 750 Schmerzensgeld. Doch manchmal liegt es nicht an schlechter Arbeit,  wenn die Farben eines Tattoos verlaufen oder verblassen. So entschied ein anderes Gericht gegen einen unzufriedenen Kunden, weil er sich dem Rat seines Tätowierers widersetzt hatte und mit seinem frischen Tattoo in die Sonne gelegt hatte.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 15. November 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 00:10 Uhr