Rechte und Pflichten Liebe am Arbeitsplatz: Das sollten Sie beachten

Eine Beziehung am Arbeitsplatz? Das ist schon lange kein Tabu mehr. Doch immer noch besteht Unsicherheit darüber, was erlaubt ist und was nicht? Was muss der Chef wissen und was nicht? Welche Grenzen darf der Arbeitgeber setzen? Egal ob nur ein Flirt oder eine feste Liebesbeziehung, man sollte einige Ratschläge beherzigen.

Hand aufs Herz!

Laut Statistik soll es bei jedem dritten Deutschen schon einmal am Arbeitsplatz gefunkt haben. Elf Prozent haben sogar ihren Partner bei der Arbeit kennengelernt. Eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, wie viel Zeit seines Lebens man im Job verbringt. Jeder kennt Paare, deren Geschichte auf der Arbeit ihren Anfang nahm. Interessanterweise verlieben sich vor allem Männer im Büro. Doch darf unsere Arbeitswelt als Partnerbörse fungieren?

Ein Ja! für die Liebe

Liebe am Arbeitsplatz
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Private Beziehungen unter Kollegen sind in Deutschland selbstverständlich erlaubt, denn Beziehungen gelten als Privatsache. Gemäß Artikel 2 Absatz 1 Grundgesetz hat jedermann das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. Das beinhaltet auch eine Liebesbeziehung mit einem Kollegen oder einer Kollegin. Der Arbeitgeber kann deshalb eine Beziehung auch nicht einfach verbieten, geschweige denn eine fristlose Kündigung deswegen aussprechen - auch dann nicht, wenn  der Arbeitsvertrag eine entsprechende Klausel enthält. Das würde die Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers verletzen und könnte einer Überprüfung vor Gericht kaum standhalten.

Rechte und Pflichten

Oberstes Gebot: Die Arbeitsleistung darf nicht unter der Beziehung leiden. Sonst kann die Liebelei sogar eine Abmahnung nach sich ziehen. Unternehmen dürfen unter Umständen verlangen, über eine Beziehung informiert zu werden. Auch kleinere Änderungen in der Arbeitsorganisation darf der Chef laut Arbeitsrecht vornehmen. Im Extremfall ist sogar eine Versetzung möglich, wenn zum Beispiel unüberbrückbare Interessenskonflikte entstehen oder ein Rosenkrieg das ganze Team belastet. Solche Maßnahmen verlangen aber eine sehr gute Begründung. Wenn Partner zur gleichen Zeit Urlaub nehmen wollen, sind Unternehmen verpflichtet, diese individuellen Wünsche nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Allerdings gibt es keine Garantie. Wenn betriebliche Belange es erfordern, können die gemeinsamen Ferien ein Wunsch bleiben.

Liebe beflügelt

Einige Arbeitgeber sträuben sich nicht gegen Beziehungen am Arbeitsplatz, denn sie haben ihre Vorzüge. Für die Partner ist es von Vorteil, wenn sie berufliche Gemeinsamkeiten teilen und so vielleicht mehr Verständnis für den Job des anderen haben. Studien zufolge steigt auch die Arbeitsmotivation. Flirten sorgt für Stressabbau und gute Laune – natürlich in Maßen.

Heimliche Liebe?

Sollte man eine Beziehung öffentlich machen oder nicht? Frisch Verliebte können ihre Zuneigung sicher schwer geheim halten, doch eigentlich gehören diese Gefühle ins Private. Deshalb sollte man im Job Zurückhaltung üben und professionell bleiben. Wenn sich nach einigen Monaten abzeichnet, dass aus dem ersten Verliebtsein eine dauerhafte Partnerschaft wird und man eine gemeinsame Zukunft plant, ist es an der Zeit, die Beziehung öffentlich zu machen. Wilde Zuneigungsbekundungen sollten natürlich auch dann dem Privatleben vorbehalten sein.

Die wichtigsten Regeln

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Zuneigungsbekundungen, aber auch Streit mit dem Partner sind Privatsache und gehören in die Freizeit. Privates muss privat bleiben. Es sollte genau überlegt werden, was wem erzählt wird. Ob positive Anekdoten aus der Partnerschaft oder negative, ob eine heiße Liebesnacht oder Zoff am Frühstückstisch - private Geschichten über den Partner gehen die Kollegen im Zweifelsfall nichts an, besonders wenn sie direkt mit der Person zu tun haben. Das gleiche gilt im Umkehrschluss auch für Geheimhaltungspflichten. Wenn zuhause geheime Betriebsinterna ausgeplaudert werden, wie bevorstehende Beförderungen oder Entlassungen, bringt das unter Umständen auch den Partner in die Klemme. Privates und Berufliches zu trennen, dazu gehört auch, auf Kosenamen wie "Hasi", "Schatzi" & Co. zu verzichten.

Darüber hinaus sollten auch die Beziehungen zu den Arbeitskollegen gepflegt werden. Sich von den Kollegen zu isolieren und nur noch Zeit mit dem Partner zu verbringen, trägt nicht zu einem guten Teamklima bei. Ein absolutes Tabu ist die Bevorzugung des Partners gegenüber den Kollegen bei Beförderungen oder der Vergabe von Projekten – insbesondere, wenn die Partner auf unterschiedlichen Hierarchieebenen arbeiten.

Wenn Liebe zur "Chefsache" wird: Hierarchien beachten

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Ist die Liebe erst einmal öffentlich, ist sie auch angreifbar. Auf Lästereien und Tuscheleien der Kollegen sollte man gefasst sein. Besonders wenn die Liebe Hierarchien überwindet, birgt das Konfliktpotential. Ein professioneller und diskreter Umgang mit der Beziehung ist dann angesagt. Offen mit der Beziehung umzugehen und den nächst höheren Vorgesetzten darüber zu informieren, kann in diesem Fall helfen. Sollte es zu Mobbing kommen, hilft auch ein Mediator. Im Ernstfall sollte ein Wechsel in eine andere Abteilung in Betracht gezogen werden, um Konflikte zu vermeiden. Manch einer freut sich sicher, den Liebsten oder die Liebste den ganzen Tag um sich zu haben. Für andere Partner kann es zur Herausforderung werden, sich rund um die Uhr zu begegnen. Nur wenige Paare halten das über viele Jahre durch. Auch in diesen Fällen kann ein beruflicher Wechsel eine Überlegung wert sein.

Es ist aus!

Laut Statistik scheitert die Hälfe aller Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz. Was dann? Wenn die Liebe in die Brüche geht, gilt im Grunde die gleiche Faustregel wie beim Kennenlernen: Warten Sie zunächst ab, ob das Beziehungsende wirklich endgültig ist. Eine On-Off-Beziehung sorgt im Zweifelsfall für Klatsch und Tratsch im Team. Wenn das Aus sicher ist, genügt es, die engsten Kollegen und Vorgesetzten zu informieren – sachlich, versteht sich. Die Details und genauen Gründe für die Trennung gehen niemanden etwas an. Schmutzige Wäsche zu waschen ist tabu, denn es würde einer professionellen Zusammenarbeit mit dem Ex-Partner jede Grundlage entziehen.

Blick ins Ausland

Andere Länder, andere Sitten. In den USA zum Beispiel haben es Arbeitnehmer unter Umständen schwerer, eine Beziehung am Arbeitsplatz zu führen. Der Grund: Das US-amerikanische Arbeitsrecht ist in diesem Punkt deutlich strikter. So kann ein Chef leichter eine Entlassung oder eine Versetzung eines Mitarbeiters erwirken. In vielen Firmen ist es üblich, einen Mitarbeiter-Kodex zu erstellen, an den sich alle Mitarbeiter zu halten haben - Beziehungsverbot inklusive. Ein großes amerikanisches Unternehmen wollte seinen Mitarbeitern auch in Filialen in Deutschland Beziehungen untereinander verbieten. Ein Landesarbeitsgericht entschied aber, dass ein solches Verbot unzulässig ist. (Az. 10 TaBV 46/05)

Fun Facts

Mitarbeiter aus dem Gesundheits- und Sozialwesen finden laut Statistik übrigens am ehesten einen Partner am Arbeitsplatz: Fast ein Viertel gab in einer Forsa-Umfrage an, eine Beziehung im Job-Umfeld eingegangen zu sein. Jeder dritte Deutsche kann sich eine Beziehung am Arbeitsplatz vorstellen. Dabei verlieben sich die meisten auf Augenhöhe und nur zehn Prozent werfen ein Auge auf ihren Chef.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 31. Januar 2020 | 10:45 Uhr