Mängel und Schäden Textilienreinigung: Darauf sollten Sie achten

Wohlriechend und sauber sollte das Textil eigentlich sein, wenn es aus der Reinigung kommt. Mängel und Schäden müssen Kundinnen und Kunden aber nicht hinnehmen.

Welche Textilreinigungsfirma ist die Richtige?

Wer nicht regelmäßig Kleidungsstücke in die Reinigung bringt, tut sich mit der Wahl der richtigen Firma am Anfang vielleicht schwer. Denn von der Qualität kann man sich erst hinterher überzeugen – und böse Überraschungen möchte man natürlich vermeiden.

Ein frisches Hemd hängt auf einem Bügel vor einem Fenster.
Bildrechte: imago images/ingimage

Seriosität lässt sich im Vorfeld vor allem an den Formalien ablesen, erklärt Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen. "Bei scheinbar günstigen Preisen, Rabattaktionen und wenn nur Barzahlung möglich ist, sollten Kunden prinzipiell hellhörig werden", sagt sie. Beim Auftragsformular sollten Kunden darauf achten, dass eine Geschäftsadresse und die Steuernummer angegeben sind. Besonders viele schwarze Schafe gibt es laut Neumerkel im Bereich der Teppich- und Polsterreinigung: "Es gibt Scheinfirmen, die alle paar Wochen von Stadt zu Stadt ziehen und Wucherpreise im vierstelligen Bereich verlangen." Fragwürdige Angebote würden häufig über Beilagen in regionalen Tageszeitungen verteilt.

Wie sichere ich mich ab?

Der Kunde und die Textilreinigungsfirma gehen einen Werkvertrag miteinander ein. Das heißt, die Firma schuldet die Reinigung der Textilien, der Auftraggeber ist zur Zahlung verpflichtet. "Jedem Vertragsverhältnis wohnen aber auch Nebenpflichten inne", erklärt Stefan Wackwitz, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht in Leipzig. Darunter fallen vor allem die Erhaltungs- und Obhutspflichten. Eine Nebenpflicht kann auch sein, den Kunden umfassend zu informieren: "Etwa dann, wenn das zu reinigende Kleidungsstück keine Pflegehinweise enthält, ist das Reinigungsunternehmen verpflichtet, auf das Risiko möglicher Beschädigungen hinzuweisen", so Wackwitz.

Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen empfiehlt außerdem, bei Abgabe der Kleidung alle schon vorhandenen Mängel schriftlich vermerken zu lassen. "So können Beschädigungen, die durch die Behandlung der Textilien in der Reinigung entstehen, nicht dem Verbraucher angelastet werden." Eine Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer sowie eine detaillierte Auftragsbestätigung schaffen außerdem klare Verhältnisse. Um etwaige Ansprüche geltend machen zu können, ist natürlich bei Abholung der Textilien vor allem eins wichtig: eine Zahlungsquittung.

Was tun bei einem Schaden?

Frau blickt skeptisch auf eine Stange voll von Hemden
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Wem durch eine Textilreinigungsfirma ein Schaden entstanden ist, etwa durch die Verletzung der Nebenpflichten, der hat Anspruch auf Schadenersatz in Form von Reparatur oder Ersatzbeschaffung, auf Geldersatz oder Geldentschädigung, erläutert Rechtsanwalt Stefan Wackwitz. Versucht ein Reinigungsunternehmen innerhalb der AGB die Haftung auf den Zeitwert zu beschränken, ist das unzulässig. Maßgeblich für den zu ersetzenden Schaden ist der Wiederbeschaffungswert des Kleidungsstückes.

Allerdings muss der Verbraucher beweisen, dass der Schaden durch die Reinigung entstanden ist. "Dies ist bisweilen schwierig", so Wackwitz. Deshalb ist die Reinigung verpflichtet, die Textilien auf Vorschäden zu untersuchen. "Unterlässt die Reinigung eine solche Untersuchung, trägt sie im Schadenersatzprozess die Beweislast, dass das Kleidungsstück schon bei der Annahme Vorschäden oder Flecken hatte."

Wann vor Gericht?

Amtsgericht Leipzig
Bildrechte: imago/Christian Grube

Eine andere Möglichkeit, mit der der Weg zum Gericht möglicherweise verhindert werden kann, ist das Anrufen von sogenannten Schiedsstellen für Textilreinigungen, wie es sie in vielen Bundesländern gibt, seit 1992 auch in Sachsen. Sie ist bei der Verbraucherzentrale angesiedelt und funktioniert in Kooperation mit der Textilreiniger-Innung und dem Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik an der Technischen Universität Dresden. Ziel ist eine außergerichtliche Klärung der Schuldfrage.

Etwa 80 Fälle pro Jahr werden von der Schiedsstelle geprüft. "Mit Blick auf das Pensum, was die Textilreinigungsfachbetriebe bewältigen, erklärt diese Zahl auch, dass die Firmen viele Kundenbeschwerden selbst regulieren", sagt Claudia Neumerkel. Wichtig sei auch, dass die Textilschiedsstelle auch von den Reinigungsfirmen angerufen werden kann. Rechtsanwalt Stefan Wackwitz bemerkt, dass ein Gang zur Schiedsstelle allerdings nur dann sinnvoll sei, wenn sich beide Parteien bereit erklären, sich dem gefundenen Ergebnis zu unterwerfen. Andernfalls kann das Prüfergebnis der Schiedsstelle aber auch in einem möglicherweise folgenden Prozess zur Geltung kommen: "Die Stellungnahme der Textilschiedsstelle wird auch von Versicherern und Rechtsanwälten geschätzt", so Neumerkel. In Sachsen beträgt die Bearbeitungsgebühr pro Gegenstand 25 Euro zuzüglich der Versandkosten.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 20. Februar 2020 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 00:10 Uhr