Umschau Quicktipp Richtig krankmelden im Job

Wann ist man krank?

Das entscheidet zunächst jeder für sich alleine. Wer sich nicht in der Lage fühlt, seinen Job gewissenhaft und ohne Gefährdung für sich und andere auszuführen, weil Schnupfen, Grippe und Co. ihn daran hindern, sollte sich krank melden. Natürlich bedeutet so eine Krankmeldung gerade bei kleineren Firmen immer eine Extrabelastung für die Kollegen. Die müssen den Job ja unter Umständen miterledigen. Sich mit einer ansteckenden Krankheit aus Pflichtgefühl trotzdem auf Arbeit zu schleppen, kann für den Chef und die Kollegen aber noch schlimmer sein. Werden die Kollegen mit angesteckt, könnte das noch mehr Ausfall für den Chef bedeuten. Eine richtige Diagnose über die Krankheit kann natürlich nur ein Arzt stellen.   

So meldet man sich richtig krank

Um die Arbeitsabläufe in der Firma durch krankheitsbedingte Abwesenheit so wenig wie möglich zu gefährden, sollte man sich unverzüglich beim Arbeitgeber melden. Die Art, wie man sich meldet, ist dabei eigentlich egal. Wichtig ist, dass sicherzustellen ist, dass der Chef die Krankmeldung auch schnellstmöglich bekommt. Wenn man ein entsprechend vertrautes Verhältnis hat, dann reicht auch eine Krankmeldung per WhatsApp, Mail oder SMS. In der Regel ist es allerdings besser, sich persönlich per Telefon zu melden. Dann ist nämlich auch ganz klar, dass die Info angekommen ist. Am besten meldet man sich noch vor dem Gang zum Arzt bei der Firma.

Arztbesuch ist nicht in jedem Fall Pflicht

Das Entgeltfortzahlungsgesetz regelt grundsätzlich, wann ein Angestellter zum Arzt muss. Darin heißt es: "Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen." Das heißt also, spätestens am vierten Tag der Abwesenheit muss man einen Krankenschein beim Chef vorlegen. Dabei zählen nicht Wochentage sondern Kalendertage. Meldet man sich am Freitag krank und bleibt das auch, dann muss spätestens am Montag der Krankenschein in der Firma sein. Ist man weniger als vier Tage krank, dann muss man rein rechtlich nicht unbedingt zum Arzt.

Allerdings kann der Chef eine Krankschreibung auch schon vor Ablauf von vier Tagen verlangen, wenn es einen begründeten Verdacht gibt, dass ein Angestellter unberechtigt blau macht. Das ist gesetzlich so geregelt und die aktuelle Rechtsprechung unterstützt die Arbeitgeber dabei. Der Arbeitgeber hat allerdings auch die Möglichkeit, bereits am ersten Krankheitstag auf ein Attest zu bestehen. Diese individuelle Regelung muss aber im Arbeitsvertrag festgeschrieben sein.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Krankenscheine liegen auf einem Schreibtisch
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Diese Bescheinigung vom Arzt ist der Nachweis für die Erkrankung. Sie besteht aus vier Teilen. Einen bekommt die Krankenkasse, den zweiten der Arbeitgeber, den dritten Teil der Patient selbst und der vierte bleibt in der Regel beim Arzt. Auf dem Schein für die Krankenkasse steht die Erkrankung, der Arbeitgeber erfährt nicht, woran man erkrankt ist, sondern nur, wie lange man voraussichtlich fehlen wird. Man ist auch nicht verpflichtet, dem Chef zu sagen, was einem fehlt. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sichert den Anspruch auf die Fortzahlung des Lohnes. Den zahlt die ersten sechs Woche noch der Arbeitgeber. Ist man aber länger als 42 Tage krank, übernimmt die Krankenkasse die Krankengeldzahlungen.

Die Krankfortschreibung

Wer von Montag bis Freitag krankgeschrieben ist und am Freitag merkt, dass er auch in der kommenden Woche noch nicht fit sein wird, braucht dringend eine Fortschreibung der Krankmeldung, also einen neuen Krankenschein. Dieser muss lückenlos an den alten anschließen. In diesem Falle also am besten gleich am Freitag zum Arzt gehen und sich umgehend beim Arbeitgeber melden.

Ohne Krankenschein droht Kündigung

Wer sich nicht rechtzeitig bei seinem  Arbeitgeber meldet und nach den entsprechenden Fristen auch keine Krankschreibung vorlegt, kann im schlimmsten Fall sogar gekündigt werden. Im Zweifel hilft ein Blick in den Arbeitsvertrag oder eine Nachfrage in der Firma, wie die Krankmeldung dort gehandhabt wird.

Pro und Kontra Onlinekrankschreibung

Auf Portalen wie au-schein.de oder teleclinic.com kann man sich tatsächlich in wenigen Minuten online krankschreiben lassen. Dazu müssen lediglich ein paar Fragen nach dem Befinden, Fieber und Ähnlichem beantwortet werden.

Dann bezahlt man für die Online-Version des Krankenscheins 14 Euro. Wählt man die Postvariante, kostet es acht Euro. Online gibt es den Krankenschein, der hier maximal für drei Tage gültig ist, dann noch am selben Tag aufs Handy. Tatsächlich hat den Schein auch ein richtiger Arzt, vor Ort beim Onlinedienst unterschrieben und er ist formal gültig.

Eine Frau liegt mit Schnupfen auf dem Sofa
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Aber: Der Arbeitgeber muss den Schein nicht anerkennen. Zwar gibt es noch keine Gesetzesgrundlage dafür, die Rechtsprechung und auch Arbeitsrechtsanwälte sehen den Online-Krankenschein aber kritisch. Es fehlt die tatsächliche Inaugenscheinnahme durch einen Arzt. Nur so lässt sich eindeutig sagen, ob jemand krank ist oder nicht. Online kann schließlich viel behauptet werden. Wer sich also auf die Onlinekrankschreibung einlässt, der kann böse auf die Nase fallen, wenn der Chef eine Untersuchung und Bestätigung der Krankschreibung fordert.

Aber: Gesetzliche Krankenkassen, wie etwa die Techniker Krankenkasse befürworten mitunter die Einführung des Online-Krankenscheins und erproben sogar eigene Modellprojekte. So ließen sich volle Wartezimmer mit hoher Ansteckungsgefahr vermeiden und simulieren könnten Patienten schließlich auch beim Arzt. Die Entwicklung bleibt also abzuwarten. Eine gesetzliche Regelung zur digitalen Übertragung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auch an den Arbeitgeber soll ab 1. Januar 2021 in Kraft treten.

Krank im Urlaub

Wer im Urlaub krank wird und die Ferientage mit Fieber im Hotelbett verbringt, der bekommt diese Krankheitstage nicht auf seinen Jahresurlaub angerechnet. Das deutsche Arbeitsrecht sieht vor: Die Tage, an denen man im Urlaub arbeitsunfähig war, gelten als nicht verbraucht und  dürfen nachgeholt werden. Allerdings müssen Arbeitgeber und die gesetzliche Krankenkasse informiert und die Krankheit nachgewiesen werden. Darum muss man sich gleich vor Ort kümmern und sich am besten vor dem Urlaub über entsprechenden Regelungen bei seiner Krankenkasse und dem Arbeitgeber informieren.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 07. Januar 2020 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2020, 00:10 Uhr