Straßenschäden Schäden durch Schlaglöcher: Welche Chance auf Schadenersatz haben Autofahrer?

Durch Frost entstehen im Straßenbelag zuerst blasenartige Aufwölbungen oder Spalten. Deren Ränder brechen nach und nach ab. Auf vielbefahrenen Straßen dauert es nicht lange, bis die Asphaltbrocken weggeplatzt sind und die Vertiefung sich weiter ausdehnt. Innerhalb kurzer Zeit bildet sich dann ein Schlagloch. Verkehrsexperten sehen Eis und Schnee aber nicht als einzige Ursache für die häufig auftretenden Straßenkrater. Nach ihrer Meinung wird insgesamt zu wenig in den Straßenerhalt investiert. Werden kleine Schäden in der Fahrbahn nicht rechtzeitig erkannt und ausgebessert, kann es in der Folge schnell zu Schlaglöchern kommen. Wasser kann auf den schlecht unterhaltenen Straßen nicht wie üblich von der Deckschicht abfließen, sondern dringt in die Schotterschicht unter der Fahrbahndecke ein. Sinken die Temperaturen unter null Grad, gefriert das Wasser und dehnt sich dabei aus. Als Folge wird die Deckschicht porös und bröckelt unter der Last der Autos.

"Straßenträger" muss theoretisch für Schäden aufkommen

In der Theorie ist es einfach: Wird durch ein Schlagloch ein Auto beschädigt, wendet sich der Besitzer an den Verantwortlichen für die Straße. Im Juristendeutsch ist das der so genannte "Träger der Straßenbaulast". Das sind zum Beispiel die jeweiligen Landkreise für Landstraßen, bei Autobahnen und großen Überlandverbindungen sind in der Regel Bund und Länder in der Pflicht. Gemeindestraßen schließlich sind meist im Besitz von Städten und Kommunen. Mit fast 600.000 Kilometern Länge machen letztere den weitaus größten Teil deutscher Straßen aus.

Autofahrer haben Nachweispflicht

Schadenersatz für gebrochene Achsen oder kaputte Felgen bekommen Autofahrer aber nur, wenn sie Stadt, Kreis oder Bund eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht nachweisen können. Die besagt, dass die jeweiligen Straßenträger für deren ordnungsgemäßen Zustand sorgen müssen. Die Straßen müssen also regelmäßig abgefahren und kontrolliert werden. Bei selbst entdeckten oder von Autofahrern gemeldeten Straßenschäden müssen die Behörden dann "unverzüglich" reagieren. Dafür reichen allerdings schon Warnschilder und Tempolimits an den entsprechenden Stellen aus. So befreien sich die Straßenbesitzer in der Regel von der Haftung.

Schäden und Schlagloch fotografieren

Harti Lange testet die Schlagloch-App
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Autofahrer müssen folglich in der Praxis nachweisen, dass der Schaden durch das Loch im Boden verursacht worden ist. Etwa mit Fotos von der Unfallstelle, dem Schlagloch und den Schäden am Auto. Juristen empfehlen, neben das Schlagloch ein Feuerzeug, die Parkscheibe oder auch eine Zigarettenpackung zu legen. So kommen die Dimensionen besser zur Geltung. Das Schlagloch sollte auch aus einiger Entfernung fotografiert werden, so wie man es als Autofahrer beim Heranfahren erlebt. Damit kann eingeschätzt werden, wie gut das Schlagloch sichtbar war. Zusätzlich sollte man das Schlagloch ausmessen. Dabei können unbeteiligte Zeugen oder auch die Polizei helfen.

Fälle landen oft vor Gericht

Geschädigte Autofahrer müssen immer auch belegen, dass die Kommune oder der Bund nicht in bestimmten Zeitabständen die Straße kontrolliert hat. Das ist meist nicht so leicht. Passiert etwa ein entsprechender Schaden plötzlich und zwischen diesen Kontrollfahrten, dann würde die Kommune leider nicht haften. Daher sollten Geschädigte versuchen, die Protokolle der Straßenkontrollen einzusehen, um anhand dessen Nachweise zu erbringen. Aus Erfahrung von Verkehrsrechtlern wehren sich Kommunen sehr stark gegen Schadenersatzansprüche, um keine teuren Präzedenzfälle entstehen zu lassen. Folglich enden die meisten Fälle vor Gericht und können dann für Autofahrer teuer werden. Hier hilft eine Rechtsschutzversicherung, die Kosten für den eigenen und den fremden Anwalt, mögliche Gutachter- und Zeugenkosten abdeckt.

Ausgang offen

Eine Statue der Justitia
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Die Rechtsprechung ist bei dem Thema sehr unterschiedlich. In der Vergangenheit gab es auch einige autofahrer-freundliche Gerichtsurteile. So half es beispielsweise der Stadt Lübeck nicht, mit einem Schild auf ein riesiges Schlagloch hinzuweisen. Sie musste einem VW-Golf-Fahrer den Schaden an seinem Fahrzeug ersetzen. Die Stadt Dresden musste außerdem in einem Verfahren für einen Achsbruch 1.500 Euro Schadenersatz zahlen.

Vollkasko zahlt

Wehren sich die Straßenbetreiber erfolgreich gegen Schadenersatz, können Autofahrer nur auf ihre Vollkaskoversicherung zurückgreifen. Sie zahlt Schäden, die beim Betrieb vom Auto entstehen und das unabhängig davon, ob man den Schaden selbst verursacht oder ob jemand anderes verantwortlich ist.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 11. Februar 2020 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2020, 00:10 Uhr