Umschau-Quicktipp Teilkasko oder Vollkasko?

Worin unterscheiden sich Teilkasko und Vollkasko?

Eine Kaskoversicherung sichert alle Schäden ab, die am eigenen Auto entstehen. Die Teilkasko deckt Diebstähle ab, Unwetterschäden wie Hagel, Sturm, Feuer, Wildunfälle, Marderschäden, Steinschläge oder geborstene Scheiben.

Verkehrsschild "Achtung Wildwechsel"
Schäden durch Wildunfälle decken beide Kaskoversicherungen ab. Bildrechte: Colourbox.de

Alles das ist dann auch in der Vollkasko enthalten. Sie ist aber so eine Art Rundum-Schutz und sichert zusätzlich noch Schäden durch Vandalismus ab. Außerdem springt sie ein, wenn man selbst bei einem Unfall Schäden am eigenen Auto verursacht. Das können Kratzer und Dellen an der Stoßstange nach einem Parkrempler sein oder auch ein Totalschaden nach einem Dreher auf glatter Fahrbahn.

Was kostet das Plus an Schutz?

Mädchen im Auto
Für Anfänger ohne große Fahrpraxis ist die Vollkasko teurer. Bildrechte: Colourbox.de

Den im Vergleich größeren Leistungsumfang lassen sich die Versicherer bezahlen. Die Preislücke zwischen Voll- und Teilkasko kann allerdings mal sehr hoch und mal überraschend klein ausfallen. Das hängt unter anderem von der Fahrerin oder dem Fahrer des Autos ab. Wer über Jahre unfallfrei unterwegs ist, verbessert seine Schadenfreiheitsklasse (SF). Die gibt es übrigens nur in der Vollkasko, aber nicht in der Teilkasko, weil die nicht für selbstverursachte Schäden aufkommt. Durch die nach und nach besser werdende Schadenfreiheitsklasse sinken mit der Zeit die Prämien für eine Vollkasko-Absicherung. "Wir haben das mal für einen VW Tiguan durchgerechnet: Ein 27 Jahre alter Fahrer mit SF 7 zahlt für die Vollkasko fast 250 Euro mehr als für die Teilkasko. Bei einem 62-Jährigen mit SF 44 dagegen sind es nur 60 Euro Unterschied", erklärt Toralf Richter vom Vergleichsportal Verivox. Im Extremfall könne der Rundum-Schutz sogar günstiger sein. Wer bei den Schadensfreiheitsklassen also sehr hoch geklettert sei, sollte also immer die Kosten für Vollkasko und Teilkasko vergleichen.

Wann lohnt sich Vollkasko, wann Teilkasko?

Kfz-Versicherung - Modellauto, Schlüssel und Geld auf einem Antragsformular
Die Art der Versicherung sollte sich unter anderem am Alter und am Restwert orientieren, Bildrechte: imago/suedraumfoto

Der im Vergleich teurere Rundum-Schutz wird meist für jüngere Autos empfohlen. "Da wird häufig geraten: Die ersten fünf Jahre Vollkasko, dann Teilkasko und nach zehn, zwölf Jahren nur noch die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflicht", sagt Toralf Richter. Die Jahres-Empfehlung sei aber eher ein grober Richtwert. Der Verivox-Experte rät, bei der Entscheidung zwischen Voll- und Teilkasko unter anderem auch den Restwert eines Autos mit einzurechnen. "Wir haben das für einen sechs Jahre alten VW Tiguan durchgerechnet, mit Restwert bis 14.500 Euro. In der Beispielrechnung kostet die Vollkasko-Versicherung 150 Euro mehr als die Teilkasko. Sie sichern also mit 150 Euro mehr pro Jahr 14.500 Euro Auto-Restwert ab. Das klingt vernünftig", sagt Toralf Richter. "Bei der Entscheidung kommt es auch immer darauf an, welches Budget ich persönlich habe: Wäre ein Totalschaden am Auto für mich ein Problem oder kann ich das noch leisten?", sagt Hermann-Josef Tenhagen vom unabhängigen Verbrauchermagazin Finanztip. Im ersten Fall sollte es die Vollkasko-Versicherung sein, selbst wenn sie mehr kostet. Auch bei finanzierten oder geleasten Autos kann eine Vollkasko-Police sinnvoll sein. Ohne die Absicherung zahlt ein Autofahrer bei einem Totalschaden die Raten für das kaputte Auto weiter, benötigt aber unter Umständen gleich auch ein neues Fahrzeug.  

Was ist im Kleingedruckten der Kaskoversicherung wichtig?

Steinmarder
Marder im Auto: Sind die Folgeschäden versichert? Bildrechte: Imago/McPHOTO

Wer häufig Marderschäden am Auto hat, sollte auf die entsprechenden Klauseln in der Versicherung achten. "Es gibt zwei Arten von Schäden: Das ist einmal das vom Marder zernagte Kabel selbst und das zweite sind die Folgeschäden, etwa wenn dann der Motor wegen des zernagten Kabels kaputt geht", sagt Hermann-Josef Tenhagen. Die Folgeschäden sind in der Regel höher und sollten daher auch möglichst übernommen werden. "Immerhin drei Viertel aller aktuellen Kaskoversicherungen decken mindestens 3.000 Euro für Folgeschäden ab", sagt Toralf Richter. Auch bei der Selbstbeteiligung sollten Autofahrer das Kleingedruckte genau lesen. Dabei geht es um die Beträge, die Versicherte bei einem Schaden selbst übernehmen. Diese senken die Beiträge für die Police deutlich. "Wir empfehlen 300 Euro Selbstbeteiligung in der Vollkasko und 150 Euro Selbstbeteiligung in der Teilkasko. Dann hat man eine große Ersparnis gegenüber Verträgen ganz ohne Selbstbeteiligung", sagt Finanztip-Experte Richter. Er rät zudem, beim Punkt Neuwertentschädigung genau hinzuschauen. Zunehmend mehr Versicherungen ersetzen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nach dem Autokauf nicht nur den Wiederbeschaffungswert. "Da haben die Versicherer zuletzt nachgebessert: Je nach Vertrag bekommt man bis zwölf Monate nach dem Kauf, manchmal auch bis zu 24 Monate nach dem Kauf den Neuwert des Autos ausgezahlt", sagt Toralf Richter.

Fazit

Weil sich die Beiträge für Teilkasko- und Vollkasko-Versicherungen manchmal nur wenig unterscheiden, sollten Autobesitzer ganz genau nachrechnen. Der komplette Schutz ist vor allem für jüngere Fahrzeuge, für finanzierte oder geleaste Fahrzeuge sinnvoll. Er kann sich aber auch lohnen, wenn jemand auf das Auto angewiesen ist und sich bei einem Totalschaden nicht gleich ein anderes Fahrzeug kaufen kann. Einige Klauseln im Kleingedruckten etwa zur Selbstbeteiligung, zu Marderschäden und auch zum Neuwertersatz sollten Versicherte ganz genau lesen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 12. November 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 00:10 Uhr