Karnevalsetikette Was ist zum Fasching erlaubt?

Fasching im Job

Urlaub: Rosenmontag und Faschingsdienstag sind keine Feiertage. Allerdings machen einige Arbeitgeber, meist in den Karnevalshochburgen am Rhein, hierbei eine Ausnahme. Alle die, die gern durchfeiern wollen, sollten frühzeitig Urlaub einreichen.
Verkleidung: Solange ein Kostüm den Träger nicht bei der Arbeit behindert, ist es an den typischen Faschingstagen wie dem 11.11., Weiberfastnacht, Rosenmontag erlaubt. Ein Recht auf Verkleidung gibt es allerdings nicht. In bestimmten Fällen ist das Kostüm jedoch fehl am Platz. Für alle, die während des Jobs eine Uniform oder Arbeitssachen tragen müssen, ist ein Kostüm tabu. Auch Mitarbeiter mit Kundenkontakt, die beispielsweise ein seriöses Äußeres brauchen gilt dies. Auf keinen Fall darf ein Kostüm ein Risiko darstellen oder spezielle Schutzkleidung ersetzen. Im Zweifelsfall einfach den Chef fragen.

Geschäftsmann mit Sekt im Büro
Bildrechte: IMAGO

Alkohol: Bei der Arbeit ist Alkohol tabu - auch in der Faschingszeit. Nur wenn der Chef es explizit erlaubt, kann auch im Büro das Glas erhoben werden. Bester Zeitpunkt: kurz vor Feierabend.
Küsschen im Büro: Küsschen - oder Bützchen, wie sie im Rheinland heißen -, gehören oft zum Fasching bzw. Karneval dazu. Doch dies kann vom Spaß schnell zur sexuellen Belästigung führen. Diese beginnt immer dann, wenn das Gegenüber mit Berührungen nicht einverstanden ist und dies unmissverständlich klar macht. Nicht erst seit der MeToo-Debatte: lieber keine fremden Menschen unvermittelt küssen.

Fasching hinterm Steuer

Die gute Nachricht: Wer an Fasching mit dem Auto unterwegs ist, muss das Kostüm nicht extra fürs Fahren ausziehen. Ein Kostüm darf beim Autofahren getragen werden, wenn es die Bewegungen des Fahrers nicht einschränkt oder die Sicht oder das Gehör beeinträchtigt. Obwohl es in Deutschland ein sogenanntes Vermummungsverbot gibt, dürfen an Fasching Masken hinterm Steuer getragen werden - laut Experten eine europaweit einzigartige Ausnahme. Konkret regelt §17a des Versammlungsgesetzes, dass Masken sowie gesichtsverdeckende Helme an Faschingstagen erlaubt sind. Übrigens: Wer mit Maske geblitzt wird und später die Aussage darüber, wer am Lenkrad saß, verweigert, hat gute Chancen, ungestraft davon zu kommen. Die Ordnungsbehörden haben hier schlechte Karten. Allerdings können sie als Strafe das Führen eines Fahrtenbuches für die Dauer von einem halben Jahr aussprechen.

Fasching feiern

Kind in Piratenkostüm
Bildrechte: Colourbox.de

Kostüme: Prinzessin, Clown oder Ritter gehören zu eher klassischen Kostümen, doch der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Einige NoGos gibt es dennoch bei der Kostümwahl. Verfassungswidrige Symbole wie Hakenkreuze sowie Maskeraden in rechtsextremer oder dschihadistischer Art sollten vermieden werden. Wer als Polizist die Straßen unsicher machen möchte, kann dies zum Fasching natürlich tun – allerdings nicht in einer echten Uniform. Dies wäre Amtsanmaßung und dementsprechend strafbar. Es muss immer klar erkennbar sein, dass es sich um ein Kostüm handelt.

Spielzeugwaffen: Waffen-Attrappen, die echt aussehen und natürlich echte Waffen sind verboten. Auch Softair-Waffen sind an Fasching nicht erlaubt. Bei Zuwiderhandlungen kann ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro verhängt werden. Gute Nachricht für alle Cowboys: Accessoires, die im Handel zu Fasching verkauft werden, sind in der Regel vom Verbot ausgeschlossen. Im Waffengesetz (§ 42a WaffG) ist geregelt, dass diese eine unnatürliche Größe oder Farbe haben müssen.

Wildpinkeln: Gerade bei langen Faschingsumzügen mit dem ein oder anderen Getränk drückt schnell mal die Blase. Doch was tun, wenn keine Toilette in der Nähe ist? Sich in der freien Natur zu erleichtern, ist keine gute Idee. Es ist eine Ordnungswidrigkeit und kann teuer werden. Beispiel: Wer beim Urinieren an ein historisches Gebäude erwischt wird, muss bis zu 400 Euro Strafe zahlen. Je nach Stadt sind es in allen anderen Fällen 30-100 Euro. Ein Tipp: Gegen eine kleine Gebühr lassen Wirte auch Nicht-Kunden ihr Geschäft verrichten. Das ist im Vergleich zur Strafe in jedem Fall billiger.

Ein Schlips wird zerschnitten.
Bildrechte: IMAGO

Krawatten: Der Klassiker an Weiberfasnacht: Frauen schneiden Männern die Krawatte ab. Dies ist allerdings nur rechtens, wenn der Krawattenträger auch einverstanden ist. Andernfalls gilt es als Sachbeschädigung nach § 303 Strafgesetzbuch. Eine Besonderheit gibt es im Rheinland: Wer hier an Weiberfastnacht eine Krawatte trägt, stimmt ihrem Abschneiden automatisch zu. Für alle, die sich unsicher sind, gilt: zur Sicherheit lieber das Einverständnis des Krawattenträgers einholen.

Verletzung durch Kamelle: Bei Faschingsumzügen werden gern Süßigkeiten und kleine Geschenke von den Umzugswagen geworfen. Das kann auch mal daneben gehen und den Fänger verletzen. An Fasching besteht hier weder ein Anspruch auf Schmerzensgeld noch auf Schadensersatz.

Alkohol als Fußgänger: Wer sich alkoholisiert auf den Nachhauseweg begibt, sollte entweder ein Taxi nehmen oder zu Fuß gehen. Allerdings sollte das Verhalten unauffällig sein und andere Personen nicht gefährden. Ist dies nicht der Fall, kann die Polizei einen sogenannten Idiotentest anordnen.

Lärm: Umzüge, Sitzungen, Feiern – in der närrischen Zeit geht es schon mal lauter zu. Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz darf zur Faschingszeit bis 24 Uhr laut musiziert, gesungen und gelacht werden. Nachbarn müssen die Lärmbelästigung in diesem Ausnahmefall hinnehmen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 24. Februar 2020 | 10:45 Uhr