Perfekte Fotos vom Haustier
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Fragen und Antworten Rechte und Pflichten rund ums Haustier

Schätzungen zufolge leben mit den rund 80 Millionen Deutschen auch 34 Millionen Haustiere. Besonders beliebt sind Katzen, von denen 14,8 Millionen in Deutschland gehalten werden. Gefolgt von 9,4 Millionen Hunden. Doch welche Rechte und Pflichten haben Tierhalter?

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Wie muss man sich verhalten, wenn man auf der Straße ein herrenloses Tier findet?

Ein Tier, das man gefunden hat oder das einem zugelaufen ist, darf man nicht einfach behalten. Wie bei jedem anderen Fundgegenstand auch muss man den Fund bei der zuständigen Fundbehörde anzeigen.

Ein Hund auf einer Straße, auf der der Schriftzug "TAXIS" steht.
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Für Tiere ist das das jeweilige Veterinäraufsichtsamt. Dieses entscheidet, ob dem Tier der Fundstatus zuerkannt wird und es im Tierheim aufgenommen werden kann. In Eilfällen außerhalb der Dienstzeiten der Behörde kann man sich an den Bereitschaftstierarzt oder die nächstgelegene Rettungsleitstelle wenden.


Muss ein gefundenes oder zugelaufenes Tier im Tierheim abgegeben werden oder kann man es – nach Meldung des Funds beim Veterinäramt – auch selbst betreuen?

Eine Verpflichtung zur Abgabe im Tierheim besteht nicht. Allerdings ist zu beachten, dass der Finder erst nach Ablauf von sechs Monaten Eigentum am Tier erlangt, wenn bis dahin der rechtmäßige Eigentümer nicht ausfindig gemacht wurde. In dieser Zeit verpflichtet sich der Finder, wenn er es bei sich behält, das Tier ordnungsgemäß zu halten und zu ernähren.


Welche Rechte hat der Käufer eines Hundewelpen, wenn der Hund drei Wochen nach dem Kauf verstirbt?

Ein Tier gilt rechtlich zwar nicht als Sache, unterliegt aber in vielerlei Hinsicht den Bestimmungen über Sachen. So findet mit gewissen Einschränkungen das Kaufrecht über Sachen auch auf Tiere Anwendung. Daher gilt grundsätzlich auch die zweijährige Gewährleistungsfrist.

Labrador Retriever Welpe riecht an einem Gaenseblümchen.
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Tritt innerhalb dieses Zeitraums ein "Mangel" auf, kann der Käufer die gesetzlichen Gewährleistungsrechte geltend machen. Allerdings müssen hier Besonderheiten beachtet werden. So gilt beispielsweise die Beweiserleichterung für Käufer, wonach bei Auftreten eines Mangels innerhalb der ersten sechs Monate der Verkäufer beweisen muss, dass der Mangel nicht schon bei Übergabe vorhanden war, bei Tierkrankheiten nicht ohne weiteres.

Stellt sich aber heraus, dass das Tier an einer bereits bei Übergabe an den Käufer (wenn auch unerkannt) vorhandenen Erkrankung verstorben ist, so kann der Käufer sein Geld zurückverlangen.


Muss für jedes Haustier eine spezielle Versicherung abgeschlossen werden?

Für Kleintiere wie Vögel, Hamster oder Meerschweinchen ist keine spezielle Versicherung nötig. Hier greift im Schadensfall die private Haftpflichtversicherung ein. Gleiches gilt für exotische Tiere wie Spinnen oder Schlangen. Hunde- oder Pferdebesitzer sollten dagegen unbedingt eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abschließen.


Haftet der Halter eines Hundes auch dann, wenn sich die gebissene Person dem Hund ohne Rückfrage beim Hundehalter genähert und das Tier gestreichelt hat?

Warnhinweis an einem Zaun "Vorsicht! Hund".
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Die Tierhalterhaftung greift grundsätzlich auch dann, wenn den Halter des Tieres kein Verschulden trifft, vorausgesetzt, es hat sich eine typische Tiergefahr verwirklicht. Dies wird man annehmen müssen, wenn ein Tier, das gestreichelt oder gefüttert werden soll, plötzlich zubeißt.

Allerdings kommt eine anteilige Haftung des Geschädigten in Betracht, wenn ihn ein Mitverschulden an dem Schadensfall trifft. Hat sich der Geschädigte einem ihm unbekannten Tier angenähert oder es berührt, ohne sich zu vergewissern, ob eine Gefahr besteht, wird er einen Teil des Schadens daher selbst tragen müssen.


Darf ich meinen 12j-ährigen Sohn mit unserem Pitbull allein Gassi gehen lassen?

Ob ein Kind mit einem Hund allein unterwegs sein darf, hängt grundsätzlich einerseits vom Hund, dessen Rasse, Größe, Wesensart, etc.  und andererseits von der körperlichen und geistigen Reife des Kindes und dessen Erfahrung im Umgang mit dem Tier ab. Bei einem Pitbull Terrier handelt es sich um einen Hund, dessen Gefährlichkeit kraft Gesetzes vermutet wird.

Der Halter eines solchen Hundes muss mindestens 18 Jahre alt sein und besondere Sachkunde nachweisen. Außerhalb befriedeter Grundstücke besteht generell Anlein- und Maulkorbpflicht. Gefährliche Hunde dürfen nur Personen überlassen werden, die nach Alter sowie körperlicher und geistiger  Verfassung zur Führung gefährlicher Hunde in der Lage sind. Bei einem 12jährigen dürfte das nicht der Fall sein.


Kann ich meine Katze im Tierheim abgeben, wenn mir die Betreuung zu viel geworden ist?

Mädchen drückt sich eine Katze ans Gesicht
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Wer ein Tier nicht mehr zu Hause betreuen kann, beispielsweise aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen, der sollte sich an ein Tierheim wenden. Wenn Kapazitäten frei sind, wird das Tier dort (gegen eine einmalige Abgabegebühr) aufgenommen werden. Ein Rechtsanspruch hierauf besteht aber nicht. Ist im Tierheim kein Platz, so muss sich der bisherige Tierhalter um eine andere Alternative kümmern.


Darf ein Tierarzt das Tier zurückbehalten, wenn der Halter die Rechnung nicht zahlt?

Nach einer Entscheidung des Landgerichts Mainz aus dem Jahr 2002 (6 S 4/02) darf der Tierarzt jedenfalls dann das von ihm behandelte Tier bis zur Bezahlung der Rechnung zurückbehalten, wenn der Halter vor Behandlungsbeginn über die  zu erwartenden Kosten aufgeklärt wurde und das Tier während der Zurückbehaltung artgerecht gehalten und versorgt wird.

Aspekte des Tierschutzes können einer Zurückbehaltung nur dann entgegenstehen, wenn das Tier aufgrund einer besonders intensiven Fixierung auf die Person des Herrchens oder Frauchens durch die lange Trennung seelische Schmerzen oder gar organische Schäden erleiden würde.

Das ist jeweils im Einzelfall zu prüfen. Für einen Hobbyhundezüchter, der viele Hunde besitzt, hat das Gericht einen solchen Sonderfall nicht angenommen und dem Tierarzt ein Zurückbehaltungsrecht zugebilligt.


Kann der Inhaber einer Papageienzucht wegen des ohrenbetäubenden Lärms, der von den Vögeln ausgeht, vom Nachbarn belangt werden?

Papagei
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Ständige oder dauerhafte laute Tiergeräusche (Hundegebell, Hähnekrähen etc.) werden gemeinhin als störend empfunden und können im Einzelfall sogar zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Die Rechtsprechung erkennt daher betroffenen Nachbarn einen Anspruch auf Unterbindung unzulässigen Lärms - zumindest während der Nacht- und der Mittagsruhezeiten sowie an Feiertagen - zu.

Der Besitzer kann sich auch nicht darauf berufen, dass das Hundegebell bzw. das Schreien von Papageien eine natürliche Verhaltensweise darstellt, auf die er keinen Einfluss hat. Er ist vielmehr verpflichtet, das Tier während der Ruhezeiten in schallgedämmten Räumen unterzubringen.


Darf man als Mieter Haustiere halten?

Soweit der Mietvertrag keine Regelung über die Haustierhaltung enthält, ist die Haltung von Kleintieren in Käfigen generell zulässig, während über die Zulässigkeit der Haltung von Hunden oder Katzen im jeweiligen Einzelfall unter Abwägung der Interessen von Mieter und Vermieter zu entscheiden ist.

Mann mit Blindenhund
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Dabei sind insbesondere Art, Größe, Verhalten und Anzahl der Tiere, Art, Größe, Zustand und Lage der Wohnung sowie des Hauses, in dem sich die Wohnung befindet, Anzahl, persönliche Verhältnisse, namentlich Alter, und berechtigte Interessen der Mitbewohner und Nachbarn, Anzahl und Art anderer Tiere im Haus, bisherige Handhabung durch den Vermieter sowie besondere Bedürfnisse des Mieters zu berücksichtigen sein.

So kann beispielsweise ein sehbehinderter Mieter zu seiner räumlichen Orientierung auf einen ausgebildeten Hund angewiesen sein. Da es bei einer Tierhaltung um die (Haupt-)Plicht des Vermieters geht, dem Mieter den vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung zu ermöglichen, sind Vertragsklauseln unwirksam, welche eine Hunde- und Katzenhaltung ausnahmslos verbieten. Insoweit sind lediglich Einschränkungen möglich, die den vorgenannten Umständen Rechnung tragen.


Dürfen Tiere zu Forschungszwecken gequält und getötet werden?

Tierversuche bedürfen einer behördlichen Genehmigung (§ 8 TierSchG). Sie dürfen nur zu bestimmten Zwecken, etwa dem Vorbeugen, Erkennen oder Behandeln von Krankheiten oder dem Erkennen von Umweltgefährdungen durchgeführt werden, wobei die Tierversuche zur Erreichung des jeweiligen Zwecks unerlässlich sein müssen (§ 7a TierSchG).

Zur Entwicklung von Tabakerzeugnissen, Waschmitteln und Kosmetika sind Tierversuche grundsätzlich, zur Entwicklung oder Erprobung von Waffen und Munition ausnahmslos verboten (§ 7a Abs. 3 und 4 TierSchG). Das grundlose Töten und Quälen von Tieren ist unter Strafe gestellt (§ 17 TierSchG).


Besteht in Städten wirklich Leinenzwang?

Eine allgemeine gesetzliche Verpflichtung zum Anleinen von Hunden in der Öffentlichkeit besteht nicht. Allerdings kann sich eine solche aus der örtlichen Polizeisatzung ergeben.

Vorerst kein Leinenzwang bei Hunden
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Als Beispiel ist insoweit § 16 Abs. 3 der Polizeiverordnung über öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Stadt Leipzig zu nennen, wonach Hunde auf öffentlichen Straßen, Wegen, Plätzen und Grünanlagen, sofern diese nicht als Freilaufflächen ausgewiesen sind, zum Schutz von Mensch und Tier stets von einer geeigneten Person an der Leine geführt werden müssen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 04. Juli 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2019, 08:01 Uhr