Reiserecht Reise wegen Coronavirus abgesagt: Welche Rechte haben Kunden?

Wer freut sich nicht auf den nächsten Urlaub? Doch was tun, wenn eine Reise vom Veranstalter abgesagt wird? Wann können Kundinnen und Kunden Geld zurückfordern und welche bitteren Pillen müssen sie schlucken?

Das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" im Hafen von Yokohama, Japan
Nach dem Auftreten von COVID-19-Fällen wurde das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" am 5. Februar 2020 im Hafen von Yokohama mit rund 3600 Passagieren und Besatzung an Bord für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt.  Bildrechte: imago images/UPI Photo

Das Coronavirus macht vielen einen Strich durch die Rechnung. Es lässt zur Zeit Kongresse, Messen und zahlreiche andere Veranstaltungen platzen, führt zu Lieferengpässen, vereitelt Klassenfahrten, Dienstreisen – und auch manchen privaten Urlaub. Da stellt sich die Frage, was Reisende tun können, wenn eine bereits gebuchte und bezahlte Reise abgesagt wurde?

Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen
Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Handelt es sich um eine Pauschalreise, werden alle Kosten erstattet. Bei weiteren Kosten kann es jedoch schwierig werden. Bei selbst organisierten Flügen – etwa zum Startpunkt einer Kreuzfahrt und vom Zielort zurück – oder zusätzlichen Hotelübernachtungen ist der Veranstalter nur in Fällen von unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen, also bei höherer Gewalt, von der Erstattung befreit, wie Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen erklärt: "Wenn der Reiseveranstalter ohne besonderen Grund die Reise absagt, dann muss er auch für Begleitschäden, also die ganzen Nebenkosten rund um die Reise aufkommen. Das sind in der Regel Kosten für individuell gebuchte Flüge oder auch für Hotelübernachtungen. Sofern sich allerdings der Reiseveranstalter auf einen Fall von höherer Gewalt beruft, kann er diese Kosten zwar abwehren, muss dann allerdings den Beweis antreten, dass tatsächlich so ein Fall vorgelegen hat. Das könnte im Streitfall schwierig werden, insbesondere dann, wenn es keine amtliche Reisewarnung gibt."

Coronavirus und höhere Gewalt

Darf eine Reise wegen der Ausbreitung des Coronavirus' abgesagt werden und lässt sich dieser Schritt mit einem Verweis auf höhere Gewalt begründen? Das sei insbesondere bei Kreuzfahrten die Frage, sagt Claudia Neumerkel und erklärt: "Es kommt immer auf eine objektive Einschätzung der Lage vor Ort, also des Reiseortes oder auf der Reiseroute an. Subjektive Erwägungen wie Angst oder eventuelle wirtschaftliche Risiken des Unternehmers spielen dabei keine Rolle. Es muss ein von außen unabwendbares Ereignis auftreten, was keiner der beiden Parteien zu gerechnet werden kann." Weil der Veranstalter in diesem Fall auch keinen gesetzlichen Anspruch auf die Zahlung des Reisepreises hat, muss er den Kundinnen und Kunden bisher geleistete Anzahlungen vollständig zurückzahlen.

Wenn Reisende stornieren

Wie sieht es aus, wenn Kundinnen oder Kunden ihre Reise nicht mehr antreten wollen, zum Beispiel aus Sorge, sich unterwegs anzustecken? "Der Reisende kann jederzeit vor Beginn der Reise generell vom Vertag zurücktreten. Er muss dann eventuell Stornokosten zahlen." Wer sich dabei auf höhere Gewalt berufen will muss etwas Recherche betreiben, rät sie: "Er sollte sich genau informieren, wie die Lage am Reiseort ist, und sollte auch Beweise dafür aufführen und sammeln. Das könnten zum Beispiel Videomitschnitte sein oder amtliche Pressemeldungen, regionale Pressemeldungen, eventuell auch in fremder Sprache, und ebenso Hinweise des Robert-Koch-Instituts oder die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes."

Ansprüche unterwegs

Blick vom Bug eines Schiffs
Weicht das Schiff von der gebuchten Traumroute ab, können Reisende Ansprüche geltend machen. Bildrechte: imago images/Westend61

Was ist, wenn sich während einer Reise der Ablauf ändert und einige Programmpunkte wegfallen, weil etwa bestimmte Regionen gesperrt wurden und ein Kreuzfahrtschiff zum Beispiel ursprünglich geplante Häfen nicht mehr anlaufen darf? Für diesen Fall nennt Claudia Neumerkel zwei Optionen: "Der Kunde kann auf jeden Fall mindern, sofern bestimmte Programmbestandteile der Reise ausfallen. Er kann allerdings auch den Vertrag kündigen. Für die Rückführungskosten ist dann der Unternehmer zuständig."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 03. März 2020 | 20:15 Uhr