Ein Airbus A320 des Reisebüros Thomas Cook Retail Limited befindet sich im Landeanflug auf den Flughafen.
Thomas Cook ist der älteste Reisekonzern der Welt. Das Unternehmen wurde 1841 gegründet. Bildrechte: dpa

Reiserecht Bei Thomas Cook gebucht - und nun?

Sowohl das britische Mutterunternehmen Thomas Cook als auch die deutsche Tochtergesellschaft Thomas Cook GmbH haben Insolvenz angemeldet. Welche Rechte haben betroffene Kunden nun? Was passiert mit dem Sicherungsschein?

Ein Airbus A320 des Reisebüros Thomas Cook Retail Limited befindet sich im Landeanflug auf den Flughafen.
Thomas Cook ist der älteste Reisekonzern der Welt. Das Unternehmen wurde 1841 gegründet. Bildrechte: dpa

Deutsche Thomas-Cook-Tochter stellt Insolvenzantrag

Nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns hat nun auch die deutsche Thomas-Cook-Tochter Insolvenzantrag gestellt. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Man sehe sich zu diesem Schritt gezwungen, um sich aus finanziellen Verflechtungen und Haftungsverhältnissen mit dem insolventen Mutterkonzern lösen zu können. Zur deutschen Thomas Cook GmbH gehören Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen.

Die Airline Condor Flugdienst hat bislang keinen Insolvenzantrag gestellt. Die Airline teilt auf seiner Homepage mit, dass die geplanten Flüge stattfinden würden. Doch Fuggäste, die bei den zum deutschen Reiseveranstalter Thomas Cook gehörenden Unternehmen Pauschalreisen erworben haben, dürften bis einschlißlich 26. September nicht von Condor befördert werden. "Den Rückflug können Thomas Cook-Pauschalreisegäste wie geplant antreten", ist auf der Homepage von Condor zu lesen.

Buchungen der hier aufgelisteten Veranstalter sind nicht betroffen - Stand 25.09., 11 Uhr - Dertouristik Gruppe (Dertour/Meiers/ITS/JAHN)
FTI-Gruppe (5vor Flug/BigXTRA/FTI)
Schauinsland Reisen
TUI-Gruppe
LMX Reisen
VTOURS
AMEROPA
Alltours (inkl Byebye)
ETI Reisen
L'TUR
TROPO
OLIMAR
HLX
TOUR VITAL
Centerparcs
Kiwitours
Aldiana

(Quelle: https://www.thomascook.de/)

Die Nachricht von der Pleite des Reisegiganten wirft für Verbraucher viele Fragen auf. Simone Meisel von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hat die wichtigsten Antworten hier für Sie.

Schadenersatz bei Pleite je nach Buchungsform

Wie Reisende bei einer Pleite des Reiseveranstalters vor finanziellen Schäden geschützt sind, hängt davon ab, wie die Reise gebucht wurde. Wer eine Pauschalreise gebucht hat oder Hotel und Flug über das gleiche Portal oder das gleiche Reisebüro auf eine Rechnung gekauft hat, ist besser gestellt als Individualreisende. Das Nachsehen haben Urlauber, die ihre Reise selbst zusammenstellt und gekauft haben. Reiseexpertin Simone Meisel von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt geht davon aus, dass das Verhältnis bei Thomas Cook jetzt etwa 50:50 ist zwischen Pauschalreisenden und Individualreisenden. Simone Meisel von der Verbraucherzentrale hat die Erfahrung gemacht, dass durch online gebuchte "Pakete" viele Verbraucher gar nicht im Klaren seien, dass sie doch keine Pauschalreisenden mehr sind.

Als Pauschalreise gebucht

Wer in Deutschland eine Pauschalreise (Paket eines Veranstalters) bucht, bekommt vom Reiseveranstalter einen sogenannten Sicherungsschein ausgehändigt. Dazu sind alle Pauschalreiseanbieter gesetzlich verpflichtet. Im Falle einer Pleite des Veranstalters bekommt der Reisende mit diesem Schein sein Geld zurück, wenn die Reise noch nicht angetreten wurde. Falls den Reisenden die Pleite im Urlaub erwischt, sollte er alle Extrakosten für seinen Aufenthalt und die Rückreise erstattet bekommen.Die gesetzliche Haftung für Pauschalreisen sei auf insgesamt 110 Millionen Euro begrenzt, sagte die Vorsitzende des Verbandes der unabhängigen Reisebüros Marija Linhoff dem MDR. Das reiche bei Thomas Cook vermutlich nicht aus. er Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros geht von Regressansprüchen von 300 bis 400 Millionen Euro aus. Kunden würden deshalb möglicherweise nicht ihre gesamten Kosten ersetzt bekommen.

Wie komme ich mit dem Sicherungsschein an mein Geld?
Auf dem Sicherungsschein steht neben den Daten des Kunden das Versicherungsunternehmen, an das sich die Kunden nach einem Insolvenzfall wenden müssen. Im Fall von Thomas Cook ist das die "Zurich", welche wiederum das Unternehmen "Kaera" mit der Abwicklung der Kundenansprüche beauftragt hat. Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt weist darauf hin, dass die Schadenanzeige nicht sofort eingereicht werden müsse, jedoch zeitnah, wenn alle notwendigen Unterlagen vorliegen. Welche das sind und was es noch zu beachten gibt, können Sie auf der Homepage des Unternehmens nachlesen.

Individuell als "Verbundene Reiseleistung" gebucht

Wer seinen Urlaub nicht als Pauschalreise, sondern über ein Reisebüro oder -portal zusammenstellen lässt, ist seit Mitte 2018 auch vor Insolvenz und Pannen der Einzelanbieter geschützt. Wichtig ist, dass Hotel und Flug über das gleiche Portal oder das gleiche Reisebüro auf eine Rechnung gekauft wird. Das wird dann als "vermittelte verbundene Reiseleistung" beziehungsweise als verbundenes Online-Buchungsverfahren angesehen. Das Unternehmen, welches die beiden Einzelteile des Urlaubs zusammen verkauft, wird demnach als Reiseveranstalter betrachtet und muss Zahlungsunfähigkeit und/oder Leistungsausfälle absichern. Der Urlauber muss zusätzlich über die genaue Form der Reise und die rechtlichen Absicherungen mit einem Formblatt informiert werden.

Achtung! Nicht jede Reise, die im Reisebüro gebucht worden ist, ist eine Pauschalreise. Bekommt der Kunde für jeden Bestandteil eine eigene Rechnung– also eine Rechnung für die Flugtickets, eine für das Hotel, eine für den Mietwagen etc. liegen keine "verbundenen Reiseleistungen" vor und es gibt keine Veranstalterhaftung bei einer Pleite. Wer sich nicht sicher ist, ob das in seinem Fall zutrifft, sollte bei einer Verbraucherzentrale nachfragen.

Individuell gebucht

Wer seinen Urlaub allein zusammenstellt, hat keinen Schutz, wenn einer der Anbieter kurz vor oder während des Urlaubs Pleite geht. Egal ob Fluglinie, Hotel oder Transferunternehmen vor Ort: Wenn einer seinen Pflichten nicht nachkommt, muss sich der Individualreisende selber um Ersatz kümmern – und trägt die Kosten. Simone Meisel von der Verbraucherzentrale fordert grundsätzlich Insolvenzsicherungen auch für Individualreisende.

Tipp Individualreisende sollten vor Ort deshalb immer über ausreichend Bargeld verfügen. Meist helfen aber andere Fluggesellschaften, Touristen zurückzubringen, wenn deren Anbieter oder die gebuchte Airline Pleite ist. So war es auch im Falle der insolventen Fluggesellschaft "Germania", die Anfang Februar 2019 Insolvenz angemeldet hatte und den Flugbetrieb einstellte.

Bei einer Pleite bleibt der Kunde in aller Regel auf den Kosten sitzen. Er hat dann die Möglichkeit, seine Ansprüche beim Insolvenzverwalter anzumelden. Die Erfahrung zeigt, dass diese Kunden jedoch auch meist leer ausgehen. Die Insolvenzverfahren sind langwierig und zuerst werden die Ansprüche großer Gläubiger wie Banken oder Großaktionäre befriedigt werden.

Bezahlen mit der Kreditkarte kann vor Geldverlust schützen

Wer seine Reise mit einer Kreditkarte gebucht hat, kann versuchen, sich dort den Reisepreis zurückerstatten zu lassen. Wenn der Kunde nachweisen kann, dass die bezahlte Leistung nicht erbracht wurde, zahlen die Finanzdienstleister.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 24. September 2019 | 20:15 Uhr