Sommerurlaub Risikogebiet, Reisewarnung, Quarantäne – Antworten für Reisende

Reisen sind in der Corona-Zeit ein Wagnis. Darf man überhaupt in ein Risikogebiet reisen? Wann kann eine Reise storniert werden? Wer muss in Quarantäne? Antworten für Reisende zu wichtigen Fragen.

Ein Mann und eine Frau mit Maske an einem Strand
Auch im Urlaub sollten Abstandregeln eingehalten werden – sonst drohen Urlaubsregionen zu Risikogebieten zu werden. Bildrechte: imago images/Chris Emil Janßen

Was ist ein Risikogebiet?

Welche Länder oder Regionen zum Corona-Risikogebiet ernannt werden, entscheiden das Auswärtige Amt (AA) sowie das Gesundheits- und das Innenministerium nach gemeinsamer Analyse. Anschließend listet das Robert Koch-Institut (RKI) die Gebiete auf seiner Internetseite auf. Aktuell wurden mehr als 130 Staaten zu Risikogebieten erklärt, darunter die USA, Russland und die Türkei. Teilweise gelten lediglich einzelne Regionen als Risikogebiete, etwa Bulgarien.

Zentrales Kriterium für die Ausweisung eines Risikogebiets ist das Infektionsgeschehen vor Ort. Ein wichtiger Richtwert ist nach Angaben des AA, ob es in dem jeweiligen Land oder Gebiet in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab. Darüber hinaus beurteilen die Ministerien die Eindämmungsmaßnahmen, die Testkapazitäten und die Verlässlichkeit der Informationen der Behörden vor Ort.

Entscheidend ist: Wird eine Region zum Risikogebiet erklärt, schätzen die deutschen Behörden das Risiko einer Coronavirus-Infektion als hoch ein.

Darf ich in ein Risikogebiet reisen?

Ja, Sie dürfen selbst entscheiden, ob und wohin Sie reisen.

Was ist eine Reisewarnung?

Reisewarnungen sind ein "dringender Appell" des Auswärtigen Amts, Reisen in ein Land oder in eine Region eines Landes zu unterlassen. Sie werden nur bei einer akuten Gefahr für Leib und Leben ausgesprochen.

Eine Reisewarnung geht also über die Ausweisung eines Risikogebiets hinaus. Gleichwohl hat das Auswärtige Amt (AA) beispielsweise sofort eine Reisewarnung für drei spanische Regionen ausgesprochen, nachdem diese zu Risikogebieten erklärt wurden.

Darf ich in ein Land reisen, für das eine Reisewarnung besteht?

Ja, eine Reisewarnung ist ebenfalls kein Reiseverbot. Das AA schreibt dazu: "Die Entscheidung über die Reise liegt bei jeder und jedem Reisenden selbst."

Was passiert bei der Rückkehr aus einem Risikogebiet?

Wer sich innerhalb der vergangenen 14 Tage vor seiner Rückkehr nach Deutschland in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss mehrere Pflichten erfüllen:

  • Sie müssen sich nach Ihrer Ankunft unverzüglich und auf direktem Weg nach Hause oder in "eine andere geeignete Unterkunft" begeben.
  • Grundsätzlich müssen Sie sich außerdem in Quarantäne begeben. Diese Pflicht gilt nur dann nicht, wenn sie einen negativen Corona-Test vorlegen können.
  • Sie müssen sich innerhalb von 72 Stunden nach ihrer Rückkehr auf SARS-CoV-2 testen lassen. Dieser Test ist kostenlos. Testzentren gibt es direkt an vielen Flughäfen. Wenn Sie nicht direkt kontaktiert und aufgefordert wurden, sollten Sie sich bei der Hotline der ärztlichen Terminservicestelle unter der Telefonnummer 116 117 melden.
  • Sie müssen sich in jedem Fall – auch wenn ein negativer Corona-Test vorliegt – bei ihrem zuständigen Gesundheitsamt melden. Teilweise erfolgt diese Mitteilung durch eine sogenannte Aussteigekarte, die sie etwa im Flugzeug oder am Flughafen von ihrem Reiseanbieter erhalten.
  • Sollten Sie trotz eines negativen Testergebnisses innerhalb von 14 Tagen nach der Einreise Covid-19-Symptome haben, müssen Sie sich ebenfalls beim zuständigen Gesundheitsamt melden.

Wie muss ich mich verhalten, bis das Ergebnis meines Corona-Tests vorliegt?

Bis das Ergebnis ihres Tests bekannt ist, müssen sich Reisende aus Risikogebieten in häusliche Quarantäne begeben.

Wann und wie erfahre ich von meinem Testergebnis?

Wer direkt nach seiner Ankunft am Flughafen einen Test macht, zum Beispiel in Leipzig/Halle wartet in der Regel 24 bis 48 Stunden auf sein Testergebnis. Bei einem Test am Wohnort dauert es ähnlich lange. Die genaue Wartezeit hängt aber von den Gegebenheiten vor Ort und dem allgemeinen Testaufkommen ab. In dieser Zeit müssen sich Reisende aus einen Risikogebiet in Quarantäne begeben.

Das Testergebnis übermittelt das Labor an das zuständige Gesundheitsamt am Wohnort des Getesteten. Sein Testergebnis erfährt man also in der Regel von seinem örtlichen Gesundheitsamt. Die Ämter informieren wiederum unterschiedlich, entweder telefonisch, per E-Mail, über die Corona-Warn-App oder auf mehreren Kanälen gleichzeitig.

Was bedeutet Quarantäne?

Eine Quarantäne ist eine vorübergehende behördlich angeordnete Isolierung einer möglicherweise oder tatsächlich infizierten Person. Die Quarantäne soll verhindern, dass sich das Virus ausbreitet.

Während der Quarantäne ist es nicht erlaubt, das Haus oder die Wohnung zu verlassen und Besuch zu empfangen. Es soll möglichst auch keinen persönlichen Kontakt zu Familienmitgliedern geben.

Hinweise und Ratschläge zur häuslichen Quarantäne gibt das RKI in diesem Dokument (PDF) sowie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz in diesem Dokument (PDF).

Welche Strafen drohen, wenn dei Quarantäne nicht eingehalten wird?

Verstöße gegen die Quarantänepflicht können nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro bestraft werden.

Gibt es Ausnahmen von der Quarantäne?

Es gibt nur wenige Ausnahmen von der generellen Pflicht zur Quarantäne für Rückkehrer aus Risikogebieten. In Thüringen zum Beispiel sind Personen einiger systemrelevanter Berufe (Gesundheitsbereich, Polizei und Sicherheitsbehörden) ausgenommen. Auch für Menschen auf der Durchreise (Transit) gilt die Pflicht zur Quarantäne nicht.

Wann darf ich meinen Urlaub stornieren?

Diese Frage beschäftigt viele Kunden. Sie ist aber nicht ganz einfach zu beantworten. Gesetzlich ist es so, dass Kunden ihre Reisen dann kostenfrei stornieren können, wenn am Reiseziel oder in dessen unmittelbarer Nähe "unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände" auftreten, die die Durchführung der Reise oder die Beförderung von Personen an den Zielort erheblich beeinträchtigen oder unmöglich machen (§ 651 h BGB).

Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist ein starkes Indiz dafür, dass diese Umstände gegeben sind und die Reise kostenlos storniert werden kann. In aller Regel sehen das Reiseveranstalter genauso.

Unklar ist, inwieweit auch die Ausweisung des Urlaubsortes zum Risikogebiet eine Stornierung möglich macht. Kunden sollten hierzu mit ihren Reiseverantstaltern in Kontakt treten. Eventuell sagt der Reiseveranstalter aufgrund der Gegebenheiten vor Ort auch selbst die Reise ab, weil er sich außer Stande sieht, diese ordnungsgemäß durchzuführen. Möglicherweise müssen am Ende Gerichte diese Frage beantworten.

Was ist, wenn ich bereits in einem Risikogebiet bin?

Wer sich bereits in einem Risikogebiet befindet, sollte sich fortlaufend und gründlich über die örtlichen Eindämmungs- und Hygienemaßnahmen informieren, um das Risiko einer Ansteckung zu verringern.

Arbeitnehmer sollten gegebenfalls ihren Arbeitgeber informieren, dass ihnen eine Quarantäne droht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Juli 2020 | 16:00 Uhr